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Panorama Polizei prüft 21 Todesfälle nach vergifteten Pausenbroten
Nachrichten Panorama Polizei prüft 21 Todesfälle nach vergifteten Pausenbroten
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13:58 27.06.2018
Gift auf dem Pausenbrot? Die Polizei prüft 21 Todesfälle in einer Firma. Quelle: dpa
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Schloß Holte-Stukenbrock

Es klingt wie die Story eines Kriminalromans: In einer Firma in Nordrhein-Westfalen gibt es auffällig viele Todesfälle. Dann wird ein Mitarbeiter festgenommen. Der Verdacht: Mit einem giftigen Pulver auf die Pausenbrote soll der 56-Jährige versucht haben, seinen Kollegen umzubringen.

Der Mann sitzt seit Mai in Untersuchungshaft – und schweigt. Nun teilen Polizei und Staatsanwaltschaft mit, dass sie in seiner Wohnung Stoffe gefunden haben, aus denen giftige Substanzen hergestellt werden können. Darunter sind Quecksilber, Blei und Cadmium.

Ermittler prüfen 21 Todesfälle in der Firma

Nach einem vorläufigen Gutachten des Landeskriminalamtes soll der Verdächtige in der Firma in Schloß Holte-Stukenbrock giftiges Bleiacetat auf die Pausenbrote gestreut haben. Die Menge sei dazu geeignet gewesen, schwere Organschäden auszulösen.

Deshalb werden die Ermittlungen in Ostwestfalen nun ausgeweitet. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen rückwirkend 21 Todesfälle seit dem Jahr 2000. Dabei geht es um Mitarbeiter, die noch vor Eintritt in den Ruhestand starben. Auffallend oft starben die Betroffenen den Ermittlern zufolge an Herzinfarkten und Krebserkrankungen. Ursache dafür könnte laut Gutachter eine Schwermetallvergiftung sein.

Leichen werden noch einmal untersucht

Der Tatverdächtige war durch Videoaufzeichnungen überführt worden, nachdem einem Kollegen ein verdächtiges Pulver auf dem Belag seines Pausenbrotes aufgefallen war.

Bei den Todesfällen sollen in einem ersten Schritt Angehörige und die Ärzte befragt werden, die die möglichen Opfer behandelt haben. Nach Sichtung der Krankenakten soll dann laut Mitteilung in Absprache mit Rechtsmedizinern geprüft werden, ob die Leichen, wenn möglich, nochmals untersucht werden. Die Polizei in Bielefeld hat eine 15-köpfige Mordkommission gebildet, die sich jetzt auf die Todesfälle konzentriert.

Expertin: Bleivergiftung schwer nachzuweisen

Bei zwei weiteren Krankheitsfällen in der Firma hat sich jetzt der Verdacht auf Schwermetallvergiftungen konkretisiert. Nach bislang unbestätigten Medienberichten soll einer der beiden Mitarbeiter seit einiger Zeit im Koma liegen. Ein weiterer Patient befinde sich in Dialyse-Behandlung.

Eine Sprecherin der Informationszentrale gegen Vergiftungen an der Universität Bonn sprach von einem „sehr ungewöhnlichen Fall“. Bleivergiftungen seien selten und äußerst schwer nachzuweisen, weil Symptome wie Lähmungen, Zittern, Schwindel oder Zahnfleischverfärbungen auch auf andere Krankheiten hindeuten könnten. Bei einer Exhumierung der Leichen werde sich aber das Blei wahrscheinlich nachträglich nachweisen lassen, sagte sie.

Von RND/dpa

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