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Panorama Pferde, Wetten, schrille Hüte: Queen eröffnet Pferderennen
Nachrichten Panorama Pferde, Wetten, schrille Hüte: Queen eröffnet Pferderennen
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16:06 19.06.2018
Prinz Harry und seine Frau Meghan kommen in Begleitung von Edward und Sophie, Countess beim Pferderennen in Ascot an. Quelle: AP
Ascot

Es soll ja durchaus vorkommen, dass manche der weiblichen Gäste kein einziges Pferderennen sehen, sondern nur ein Ziel verfolgen: selbst gesehen zu werden. Dafür setzen sie sich Riesen-Rosen auf den Kopf, einen künstlichen Pfauenvogel, bunte Plastik-Schmetterlinge, einen rosa Federbusch oder gleich einen Miniatur-Garten. Im englischen Ascot geht es für 300.000 Besucher Jahr für Jahr fünf Tage lang vor allem um Hüte, Hüte. Und Hüte. Ob groß bis riesig, rot, blau, lila oder gelb, mit Kunst-Lilien oder Schleifchen besetzt, in Form von Hochzeitstorten oder versehen mit schrillen Blumenbuketts, breiten Krempen oder Türmen aus Tüll – der in englischer Manier zurechtgestutzte Rasen rund um die Rennbahn wird zum Laufsteg.

Immerhin, der Hut ist beim ältesten und berühmtesten Pferderennen Englands, das vom 19. bis 25. Juni stattfindet, Pflicht, insbesondere im königlichen Ehrengastbereich, der Royal Enclosure. Männer müssen Zylinder tragen und Frauen befiehlt die Etikette, dass „die Basis der Kopfbedeckung einen Durchmesser von mindestens vier Zoll oder zehn Zentimetern hat“. Es wäre kaum überraschend, hätte der Wächter der Kleidervorschriften sein Maßband im Morning Suit versteckt.

Wetten auf die Hutfarbe der Queen

Und auch der Hut der Queen hat mehr als eine tragende Rolle: Auf die Farbauswahl kann nämlich auch gewettet werden. Maximaler Einsatz: 25 Pfund (rund 28 Euro). Am höchsten ist der mögliche Gewinn natürlich am ersten Tag – die gleiche Farbe trägt die Queen nämlich nie.

Für viele betuchte Besucher des ältesten und berühmtesten Pferderennens Englands geht es vor allem um eines: auffallen um jeden Preis. Die britische Hutindustrie hat auch in diesem Jahr während der Royal-Ascot-Rennwoche Hochkonjunktur.

Im Jahr 1711 veranstaltete Königin Anne erstmals das Gesellschafts-Event. Und bis heute bietet es Besuchern die seltene Gelegenheit, die Royals aus der Nähe zu sehen. Denn Königin Elizabeth II., begeisterte Pferdezüchterin und selbst im hohen Alter noch regelmäßig im Sattel sitzend, fungiert in der Rolle der Hausherrin und Gastgeberin. Täglich eröffnet sie das Spektakel mit der traditionellen Kutschfahrt entlang der Rennstrecke in Begleitung anderer Royals. Angeblich gehören die Ascot-Tage zu den ersten Terminen, die sich das Staatsoberhaupt jedes Jahr im Kalender anstreicht, auch weil stets eigene Pferde der Queen an den Start gehen.

Ascot – ein Fest für die Hutindustrie

Zwar gibt es in Ascot die Möglichkeit, mit dem Helikopter anzureisen – rund 400 Hubschrauber landen jedes Jahr auf der prächtigen Anlage. Doch die meisten der Besucher nehmen dann doch den Zug nach Ascot, etwa 50 Kilometer westlich von London gelegen. High Society hin oder her. Und vielleicht auch eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn trotz des feinen Anstrichs torkeln die meisten Zuschauer am Abend zurück nach Hause. Hinzu kommt, dass die feinen Herrschaften oder jene, die sich zumindest für einen Nachmittag diesen Kreisen zugehörig fühlen, ins Wettfieber verfallen – es ist der Briten liebstes Hobby. Die Engländer zelebrieren sich und ihre Traditionen. Keine Nation kann das besser. Gartenpartys, Hochzeiten, Poloturniere – der gesellschaftliche Kalender auf der Insel quillt derzeit über. Es herrscht Hut-Hoch-Saison. Und ist deshalb auch die geschäftigste Zeit für Rosie Abrahams, die den Verleih „Hectic Hat Hire“ im Londoner Stadtteil Fulham betreibt. Mehr als 600 Designer-Kopfbedeckungen in jeder erdenklichen Form und Farbe stehen normalerweise zur Auswahl. Die meisten werden dieser Tage ausgeführt gegen eine Leihgebühr zwischen 35 und schlappen 125 Pfund, umgerechnet mehr als 140 Euro.

Der Hut ist gelb: Queen Elizabeth II bei ihrer Ankunft beim Pferderennen Royal Ascot. Quelle: AP

Seit einigen Jahren blüht die Hutindustrie geradezu, die Nachfrage sei so hoch wie nie zuvor, berichten Betreiber von Verleihen, Geschäftsinhaber und Designer gleichermaßen. Branchenkenner schieben das vor allem auf eine Familie: die Windsors. So hätte vor allem die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton das Geschäft angekurbelt, erinnert sich die Designerin Rachel Trevor-Morgan, die auch für die Queen entwirft. Die beiden werden ebenfalls in diesen Tagen in Ascot erwartet – vermutlich mit weniger schrillen Kopfbedeckungen. Die Hutparade überlassen sie in Ascot ausnahmsweise dem Fußvolk.

Von Katrin Pribyl/RND

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