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Panorama Kultgetränk "Mier" macht Karriere
Nachrichten Panorama Kultgetränk "Mier" macht Karriere
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20:40 29.03.2012
Ein ganz besonderes Gebräu: Der aus Brasilien stammende Fabrício Martins do Canto (links) und der Berliner Brauereibesitzer Thorsten Schoppe präsentieren das Matebier „Mier“, das aus einem Extrakt von frischen Mateblättern hergestellt wird.dpa (2) Quelle: Britta Pedersen
Berlin

Im Schneidersitz hockt Fabrício Martins do Canto vor seinem Laptop. Sein Hemd ist kunterbunt gemustert, den Kopf bedeckt ein kunstvoll geschlungenes Tuch. Man solle sich dazuhocken, sagt er in das wilde Sammelsurium aus Stühlen und Tischen in seiner Kellerbar. Viel Zeit hat do Canto nicht, Telefonate müssen geführt, Meetings verabredet werden. Sein Konzept muss er immer wieder vorstellen, „es gibt bald eine Filiale in Florida“ erklärt er einer Frau am Telefon. Dann ist für den Moment alles erledigt. „Ich mach’ uns mal einen Tee.“

Do Canto ist ein gefragter Mann, seit er vor einem Monat „Mier“ vorgestellt hat. „Mier“ ist ein Mixgetränk aus Bier und den belebend wirkenden, teeähnlichen Blättern des brasilianischen Matebaumes. Es hat 5,5 Prozent Alkoholgehalt und schmeckt rauchig und erdig. Produkte aus der südamerikanischen Pflanze sind populär, seit „Club Mate“-Limonade zum Szenegetränk geworden ist - erst bei Hackern, dann bei sogenannten Hipstern.

Der Koffeingehalt der Mateprodukte ist fast doppelt so hoch wie bei Coca-Cola. Konsumenten schätzen die anregende Wirkung, den eher sparsamen Einsatz von Zucker und die Tatsache, dass die Getränke nicht von den üblichen Softdrinkgiganten produziert werden.

Do Canto, selbst Brasilianer, freute sich, dass die Pflanze aus seiner Heimat in Deutschland populär wird. Im Juli 2011 eröffnete das Mitglied der Piratenpartei zudem die „Meta Mate Bar“ im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin. Im Hinterzimmer traf er sich mit seinen Parteikollegen, „und wir haben immer Bier und Mate dabei getrunken. So entstand die Idee, das zu kombinieren“, sagt do Canto. Er suchte über Twitter eine Brauerei und fand Thorsten Schoppe von Schoppe Bräu. Man probierte sich durch Mate- und Biersorten, bis die idealen Zutaten und die ideale Mischung gefunden waren. Wobei: „Eigentlich gibt es die nicht, und die wird es auch nicht geben“, sagt do Canto.

So transparent wie seine Partei mit ihrer Politik umgeht, will es der 42-Jährige auch mit seinem Produkt tun. Wer eine Flasche kauft, findet dort einen „QR Code“, der, mit dem Smartphone abfotografiert, zu einer Internetseite führt, auf der die Käufer am Produkt rumnörgeln dürfen. „Als nächstes kommt ein helleres ,Mier‘, weil vielen das erste zu dunkel ist.“

Bald sollen auch Lizenzen verkauft werden. Gerade war Wolfgang Stark aus Hamburg da, der ein Fachgeschäft für Bier-Import und -Export führt. Anfragen aus Serbien, Brasilien, der Türkei kommen ebenfalls per E-Mail an. Den Bionade-Fehler will do Canto aber nicht machen. Nachdem die Radeberger Gruppe 2009 die Mehrheit der Bionade GmbH aufkaufte, hat die Popularität in der Szene stark nachgelassen. „Mir ist wichtig, dass ,Mier‘ nicht zum Massenprodukt wird, sondern hohen Qualitätsansprüchen genügt.“ Er benutze keinen Sirup, sondern Mateblätter, die er und seine Freunde in Brasilien selbst gepflückt haben. Deswegen kostet die Flasche drei Euro. „Man kann das günstiger machen, aber dann ist die Qualität schlechter“, sagt er.

In den Szenekiezen Berlins verbreitet sich „Mier“ bereits. „Dafür, dass wir einen Monat auf dem Markt sind, läuft es wahnsinnig gut“, sagt der Berliner Pirat. Brauchte die Welt wirklich noch ein Szenegetränk? „Berlin kann ,Mier‘ gut gebrauchen“, meint do Canto. „Es macht nicht müde wie Bier, aber man muss auch keinen Energydrink oder Drogen nehmen, um fit zu bleiben.“ Und glücklich soll es auch noch machen: „,Mier‘ enthält Theobromin, das wirkt stimulierend und kommt auch in Kakao vor.“

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