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Panorama Kind verliert Finger – TÜV Süd muss zahlen
Nachrichten Panorama Kind verliert Finger – TÜV Süd muss zahlen
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18:02 04.04.2017
Eine Treppe am Sprungturm im Freibad Brauweg in Göttingen: Hier verlor ein Kind bei einem Unfall im Jahr 2012 einen Finger. Quelle: dpa
München 

Ein Prozess zu einem folgenschweren Unfall in einem Freibad ist am Dienstag am Oberlandesgericht (OLG) München mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Ein Neunjähriger war im Jahr 2012 in einem Freibad im niedersächsischen Göttingen verunglückt, als er versuchte, die Treppe des Fünf-Meter-Sprungturms hochzusteigen. Der kleine Finger der linken Hand geriet dabei in einen spitz zulaufenden Spalt und riss ab. Alexander Frey, Geschäftsführer der Gesellschaft, die das Schwimmbad betreibt, sagte über den Vorfall: „Das ist eine ganz tragische Geschichte. Uns tut das alles furchtbar leid.“

Die Schwimmbadbetreiberin musste dem Kind 7500 Euro an Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen. Hinzu kamen Rechtsanwaltskosten und eventuelle Kosten, die dem Jungen in Zukunft aufgrund des Unfalls entstehen. Die Betreiberin verklagte daraufhin den TÜV Süd auf Schadenersatz. Nach ihrer Auffassung hätten die Experten die Gefahrenstelle bei einer Überprüfung erkennen müssen. „Wir hatten den denkmalgeschützten Turm einige Zeit vorher durch den TÜV begutachten lassen – mit der Bitte zu prüfen, wo es Unfallgefahren gibt“, hatte Frey erklärt. „Der TÜV-Prüfer hatte gesagt, es ist alles in Ordnung.“

Die Richterin im Zivilprozess vor dem OLG erklärte am Dienstag aber, die Badbetreiberin hätte den TÜV auf Unfälle aus der Vergangenheit hinweisen müssen. 2006 hatte sich nämlich ein ähnlicher Unfall an derselben Stelle ereignet – allerdings mit weniger schwerwiegenden Folgen. Die Betreiberin des Freibads ließ daraufhin eine Absicherung an dem Spalt anbringen. Zum Zeitpunkt des zweiten Unfalls war diese Absicherung jedoch nicht mehr vorhanden. Möglicherweise wurde sie bei Sanierungsarbeiten abgenommen und nicht wieder angebracht.

Daher sah die Richterin die Schuld bei der Betreiberin des Freibads, da diese bereits aus der Vergangenheit von der Gefahrenstelle wusste und dieser keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Dennoch schlossen beide Parteien nun einen Vergleich: Der TÜV zahlt der Schwimmbadbetreiberin 3500 Euro, was weniger als 20 Prozent des gesamten Betrages ausmacht. „Uns ist es als TÜV Süd in erster Line um eine eindeutige Klärung der Schuldfrage gegangen“, sagte ein Sprecher anschließend. Dann sei aber abgewägt worden, ob die Kosten für einen Vergleich niedriger seien als Ausgaben für ein mögliches weiteres Berufungsverfahren. Von Seiten der Göttinger Sport und Freizeit GmbH war zunächst keine Reaktion zu bekommen.

Das Landgericht München hatte den TÜV in erster Instanz verpflichtet, der Schwimmbadbetreiberin die Hälfte des entstandenen Schadens zu ersetzen. Es sprach auch dem Unternehmen eine Mitschuld zu, da es den Prüfer durch seine Mitarbeiter auf die Gefahrenstelle hätte hinweisen müssen. Daraufhin legte der TÜV Berufung ein.

Von RND/dpa