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Höcke bekommt eigenes Holocaust-Mahnmal

Rechtsextremismus Höcke bekommt eigenes Holocaust-Mahnmal

Seit zehn Monaten wird AfD-Rechtsaußen Björn Höcke überwacht. Die Künstler des „Zentrums für politische Schönheit“ haben sich neben seinem Privathaus eingemietet. Jetzt stellen sie dort einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals auf. Dürfen die das?

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Bornhagen am Mittwoch: Hinten Höckes Haus, vorne sein privates Mahnmal
 

Quelle: mib

Bornhagen/Berlin.  Björn Höcke wird überwacht. Seit zehn Monaten. Nicht vom Verfassungsschutz, sondern von einem Berliner Künstlerkollektiv. Die Akteure vom „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) haben im thüringischen Weiler Bornhagen unbemerkt das Nachbargrundstück des AfD-Rechtsaußen angemietet. Am Mittwoch stellten sie nun 24 Betonstelen in ihren Garten – einen exakten Nachbau eines Teils des Berliner Holocaust-Mahnmals. „Höckes Schafe grasen zwischen den monumentalen Scheingräbern“, teilten die Künstler mit.

„Wir haben das Mahnmal aus der deutschen Hauptstadt um 180 Grad gedreht“, erklärt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS. „Wir wollen und können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht auf sich beruhen lassen. Auch nicht nach fast einem Jahr ohne Distanzierung. Die Erinnerung muss gerade in den braunen Ecken des Landes in Beton gegossen werden.“

Am 17. Januar forderte Höcke bei einer Rede im Dresdner Ballhaus Watzke eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Über das Berliner Mahnmal sagte er wörtlich: „Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben – wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

„Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an“

Wenn Höcke vor dem Mahnmal-Nachbau auf die Knie falle wie einst Willy Brandt in Warschau, würde das ZPS seine Privatsphäre nicht weiter überwachen. Lehne Höcke ab, würden Dossiers mit pikanten privaten und politischen Details den Weg in die Öffentlichkeit finden. Dazu gehörten auch neue Beweise, dass Höcke unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ in NPD-Postillen publizierte.

Die Aktion ist ein Coup mit Beigeschmack. Denn dieser „Deal“ ist natürlich nichts anderes als Erpressung. Ruch weist den Vorwurf zurück, er wende „Stasi-Methoden“ an. „Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an“, sagt er. Die Aktionen des ZPS spenden sich aus „aggressivem Humanismus“. 2014 hatten Aktivisten Gedenkkreuze für die Mauertoten vom Berliner Spreeufer entwendet und temporär an die EU-Außengrenze verfrachtet. Bei der Aktion „Die Toten kommen“ hoben sie zudem symbolische Gräber für im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge vor dem Reichstagsgebäude aus.

Auf der Website www.deine-stele.de ruft das ZPS zu Spenden auf, um das Mahnmal direkt vor Höckes Haus zu finanzieren. Anscheinend haben auch Höckes Exemplar von Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ und seine Axt den Weg zu den klandestinen Nachbarn gefunden und werden nun als Trophäen angeboten. Binnen weniger Stunden gingen fast 28.000 Euro an Spenden ein. 28.800 Euro seien insgesamt nötig, um Bau und Betriebskosten des Mahnmals für zwei Jahre zu sichern.

Von Michael Brakemeier/Jan Sternberg/RND

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