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Panorama Höchststrafe für Marias Mörder
Nachrichten Panorama Höchststrafe für Marias Mörder
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17:34 22.03.2018
Keine Reue, kein Mitgefühl: Den Angeklagten Hussein K. (li.) hält das Gericht für kaum therapierbar – eine vorzeitige Entlassung aus der Haft ist daher unwahrscheinlich. Quelle: Foto: dpa
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Freiburg

Der Mörder ihrer Tochter muss lebenslang ins Gefängnis – aber Friederike und Clemens Ladenburger haben die Urteilsverkündung gegen Hussein K. nicht miterlebt. Die Eltern des 19-jährigen Opfers Maria sind nicht im Gerichtssaal, als die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk die Höchststrafe gegen den jungen Flüchtling K. verhängt. Und so hören sie nicht erneut die Schilderung, wie der Täter Maria in der Nacht des 16. Oktober 2016 auf dem Heimweg von einer Party vom Fahrrad riss, sie würgte, mehrfach vergewaltigte und schließlich zum Sterben in den Fluss Dreisam legte. Die Familie Ladenburger ist offenbar fest entschlossen, sich durch dieses grauenvolle Ereignis nicht verbittern zu lassen – einen Tag vor der Urteilsverkündung gründete sie in Freiburg mit 100 000 Euro aus ihrem Privatvermögen eine Stiftung, die Not leidenden Studierenden helfen soll, ausdrücklich auch jungen Menschen aus dem Ausland. Damit wollten sie „das Geschenk des Lebens“ ihrer Tochter an Studierende weitergeben und in ihrem Sinne ein Zeichen der Mitmenschlichkeit setzen, erklärten die Ladenburgers.

Ein totaler Mangel an Empathie

Die Größe dieser Geste steht in krassem Gegensatz zum totalen Mangel an Empathie, den das Gericht Hussein K. bescheinigt hat. Als er die schwer verletzte und mutmaßlich bewusstlose Maria ins flache Wasser des Dreisam-Ufers legte, habe er gewusst, dass sie noch lebt, sagte Richterin Schenk. Laut Gerichtsmedizin habe das Sterben der jungen Frau länger als eine Stunde gedauert. „Er wusste, dass sie ertrinken würde, ertrinken musste“, erklärte die Richterin.

Das Landgericht sprach den Flüchtling der besonders schweren Vergewaltigung und des Mordes an der 19-Jährigen schuldig. Außerdem behielt sich das Gericht die Sicherungsverwahrung vor und stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Zuschauer im voll besetzten Gerichtssaal klatschten nach der Verkündung des Urteilsspruchs am Donnerstagmorgen. Der Pflichtverteidiger kündigte an, er werde Revision einlegen.

Hussein K. war zunächst vor der Jugendkammer angeklagt, wurde jedoch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Nach seiner Festnahme hatte er behauptet, zur Tatzeit erst 17 gewesen zu sein. Später räumte er ein, dass dies gelogen war. Da hatten aber schon mehrere Gutachten belegt, dass er mindestens 22 Jahre alt war, als er die Tat beging.

Hussein K. kam ohne Papiere und behauptete minderjährig zu sein

Im November 2015 war K. ohne Papiere nach Deutschland gekommen und hatte behauptet, ein minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan zu sein. Damals, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle aus Syrien, zweifelte keine Behörde seine Geschichte an. K. wurde in einer Pflegefamilie untergebracht, bei der er bis zur Tat ein gutes Jahr später lebte. Von seiner kriminellen Vorgeschichte wusste da noch niemand in Deutschland: Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau im Jahr 2013 auf der Insel Korfu war er in Griechenland bereits zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Er tauchte unter und reiste dann nach Deutschland.

Hussein K. wird die Haft in Deutschland absitzen müssen

Der Mordfall Maria hat Deutschland erschüttert – und er hat die Debatte über Flüchtlinge angeheizt. Das Freiburger Landgericht hat erfolgreich versucht, diesen Aspekt aus dem Prozess herauszuhalten. Akribisch und unbeirrt ging Richterin Kathrin Schenk am Donnerstag auch in ihrer Urteilsbegründung auf die scheinbare politische Dimension und die Diskussionen ein, die der Fall auslöste. Wie zur absichtlichen Untermalung ist durch die Fenster des bis zum letzten Platz besetzten Saales ein knappes Dutzend skandierender Rechtspopulisten zu hören. Sie stehen auf der Straße vor dem Gericht und prangern den Fall Hussein K. als Symbol für verfehlte Flüchtlingspolitik an. Schenk lässt sich jedoch nicht beirren: „Die Tat ist nicht von einem Ausländer, einem Flüchtling, einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling, einem Mann verübt worden – sondern von einem Menschen“, sagt sie.

Da es sich um einen Mord und nicht um ein Bagatelldelikt handelt, wird K. seine Strafe auch in Deutschland verbüßen und nicht als straffällig gewordener Asylbewerber abgeschoben. „Jeder, der in Deutschland zu einer Haftstrafe von über zwei Jahren verurteilt wird, hat diese Strafe in einem deutschen Gefängnis abzusitzen – unabhängig von seiner Herkunft“, erklärt Rechtsanwalt Tim Kliebe, Dozent für Migrationsrecht an der Deutschen Anwaltsakademie. Erst nach Verbüßen der Strafe könne ein Staatsanwalt die Zustimmung zur Abschiebung geben.

Doch der Mord an der 19 Jahre alten Studentin „hätte auch durch kein Gesetz, keine bessere Ausstattung der Polizei, keine andere Betreuung verhindert werden können“, betonte Richterin Schenk. Denn der Mord sei begründet im Charakter des Angeklagten und seiner Unfähigkeit, sich in das Leid eines anderen, insbesondere von Frauen, hineinzuversetzen. Er habe die Tat geplant und nicht, wie von ihm behauptet, betrunken im Affekt begangen. „Drogen sind nicht Ihr Problem – es ist Ihr fehlendes Mitgefühl, Ihre starke Ichbezogenheit, die wenig Hoffnung für Therapie geben, auch nach einem langen Strafvollzug“, sagte Schenk, direkt an den Angeklagten gewandt. Der hatte sich am vorletzten Prozesstag entschuldigt mit den Worten, es tue ihm leid. Ein psychiatrischer Sachverständiger attestierte ihm jedoch eine hohe Gewaltbereitschaft, ohne jegliche Fähigkeit zu Reue und Mitgefühl.

Von dpa/ego/kö/RND

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