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Panorama Herzinfarkt: Dieter Wedel gibt auf
Nachrichten Panorama Herzinfarkt: Dieter Wedel gibt auf
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21:09 22.01.2018
„Verstört und erschüttert“: Dieter Wedel zieht Konsequenzen aus den negativen Schlagzeilen. die er seit Wochen macht. Quelle: Foto: dpa
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Bad Hersfeld

Am Ende wurde es einfach zu viel. Wie aus dem Nichts waren vor gut zwei Wochen plötzlich die Vorwürfe gegen Dieter Wedel aufgetaucht, wonach er vor mehr als 20 Jahren Frauen sexuell belästigt haben soll. „Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert“, erklärte der 75-Jährige am Montag in einer Stellungnahme. Und verkündete, dass er sich von nun an nicht mehr öffentlich äußern und zudem seinen Intendantenposten bei den Bad Hersfelder Festspielen abgeben werde. Nicht zuletzt gehe es um seine Gesundheit: Laut einer Sprecherin der Festspiele hat er einen Herzinfarkt erlitten und liegt derzeit im Krankenhaus.

Seit Anfang Januar steht der Erfolgsregisseur am medialen Pranger. Zwei Autorinnen des „Zeit“-Magazins hatten in einem großen Beitrag berichtet, dass mehrere Schauspielerinnen Wedel sexuelle Übergriffe vorwerfen. Die Frauen hatten eidesstattlich versichert, dass es vor gut 20 Jahren in Hotelzimmern zu gewaltsamen Annäherungen gekommen sei. Der Beschuldigte versicherte daraufhin ebenfalls eidesstattlich, dass es diese Vorfälle nie gegeben und er zeitlebens nie jemandem Gewalt angetan habe. Dennoch meldeten sich seitdem immer wieder Frauen aus der Schauspielbranche zu Wort, die von Wedels rüdem Umgangston bei Proben und dem großen Druck berichteten, den er auf die Künstler ausgeübt habe. Zuletzt hatte Iris Berben der „Zeit“ geschildert, wie Wedel sie in den Siebzigerjahren eine Szene 30-mal wiederholen ließ, weil sie zuvor eine Einladung zum Essen ausgeschlagen hatte.

Rückzug wegen neuer Berichte?

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) könnte Wedels Rückzug mit weiteren Recherchen der „Zeit“ zusammenhängen. Die Wochenzeitung plant für die kommende Ausgabe eine weitere umfassende Berichterstattung über mutmaßliche Übergriffe Wedels. Offenbar hat die Redaktion Hinweise auf weitere Fälle erhalten und den Regisseur auch damit konfrontiert. Laut „Bild“-Zeitung hat die Staatsanwaltschaft München außerdem ein Ermittlungsverfahren gegen Wedel eröffnet – wegen eines Anfangsverdachts einer nicht verjährten Sexualstraftat.

Dass die mutmaßlichen Opfer sich erst jetzt, Jahrzehnte später, zu Wort melden, hat eine Debatte um die Zulässigkeit solcher Berichterstattung ausgelöst. Und auch Wedel selbst kritisiert diesen Umstand. „Die Vorwürfe liegen teilweise über 20 Jahre und mehr zurück, für mich wichtige Zeugen, die zu meiner Entlastung beitragen könnten, sind tot“, schreibt er. Wer die Verjährung abwarte, dem müsse doch klar sein, dass „mit hoher Wahrscheinlichkeit vieles im Ungefähren bleibt und erhebliche Erinnerungslücken nicht auszuschließen sind“. Damit nicht genug: Der scheidende Intendant berichtet sogar von Erpressungsversuchen von „vermeintlichen Zeuginnen“, die ihm angedroht hätten, ihn umgehend schwer zu belasten, wenn er ihnen nicht mehr Geld bietet als die Zeitungen, von denen sie angesprochen wurden.

Bürgermeister: „Trauriger Tag für Festspiele“

„In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten ,Verdachtsberichterstattung‘, die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen“, erklärt er. Zwar hätten sich bei ihm und seinem Anwalt Menschen gemeldet, „die dafür einstehen wollen, um dem Gemisch aus Gerüchten, Unterstellungen, Vermutungen und Anschuldigungen Substanzielles entgegenzusetzen“. Die ganze Angelegenheit habe aber ein erträgliches Maß weit überschritten, daher ziehe er sich von nun an zurück. Um die Hersfelder Festspiele aus der „diffamierenden Diskussion“ herauszuhalten, übertrage er die Intendanz seinem bisherigen Stellvertreter Jörn Hinkel.

Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling sprach am Montag von einem „traurigen Tag für die Bad Hersfelder Festspiele“. Innerhalb von drei Jahren sei es Wedel gelungen, die Qualität des Festivals zu steigern und es wieder zu einer bundesweiten Marke zu machen. Trotz der Anschuldigungen hatte die Stadt an ihrem Intendanten festgehalten und immer betont, dass die Festspiele von der Diskussion nicht berührt seien.

Von Stefanie Gollasch / RND

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