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Panorama Geschminkte Wahrheit
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18:16 03.03.2018
Make-up für bessere Genesung: Die Kosmetikseminare vermitteln mehr als nur Schminktipps. Quelle: Fotolia
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Frau Laukart, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kosmetikseminare für Frauen mit Krebserkrankungen zu geben?

Als Heilpraktikerin begleite ich selber Patientinnen mit Krebserkrankungen und versuche zum Beispiel, mit Naturheilverfahren die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern. Daher kenne ich die Problematik, dass viele unglücklich über die körperlichen Veränderungen sind, die damit einhergehen. Zudem habe ich lange Zeit als Kosmetikerin gearbeitet. In den Seminaren kann ich mein Wissen als Heilpraktikerin mit der Schönheitsberatung verbinden: Ich gebe den Frauen Schminktipps, erkläre ihnen aber auch, was sie sonst noch Gutes für ihren Körper tun können.

Bei Krebserkrankungen geht es um Leben und Tod. Schminktipps könnte man da auch für nebensächlich halten.

In den Seminaren geht es um viel mehr. Für den Genesungsprozess ist es wichtig, dass Frauen sich bewusst mit sich selbst beschäftigen, und sich etwas Gutes tun. Viele sagen mir am Ende, wie schön sie es fanden, zwei Stunden lang mal an etwas ganz anderes zu denken. Zudem ziehen sich viele Krebspatientinnen zurück, weil sie sich in der Öffentlichkeit mit ihrem veränderten Aussehen nicht mehr wohl fühlen. Das wollen wir durch die Seminare ändern.

Wie muss man sich ein solches Seminar vorstellen?

Es gibt Firmen, die Kosmetikprodukte spenden. Jede Frau bekommt dann eine Tasche geschenkt, die eine komplette Palette enthält, von Reinigungsprodukten bis hin zur Mascara. Ich erkläre dann Schritt für Schritt deren Anwendung.

Was sollten Krebspatientinnen bei der Wahl von Kosmetikprodukten beachten?

Durch die Medikamente ist der Körper ohnehin schon mit Chemie belastet. Daher sollte man künstliche Produkte eher meiden. Ich als Heilpraktikerin setze ohnehin auf Naturkosmetik ohne Zusatzstoffe. Meine Regel ist: Auf die Haut sollte nur kommen, was man auch essen kann.

Solche Produkte sind oft sehr teuer, nicht jeder kann sie sich leisten.

Bevor ich vor 28 Jahren nach Deutschland gekommen bin, habe ich in Russland gelebt. In den Geschäften gab es damals nicht allzu viel an Kosmetik zu kaufen. Also haben die Frauen viele Produkte zu Hause aus natürlichen Zutaten selbst hergestellt. Ich gebe auch Rezepte an die Patientinnen weiter: Dafür, wie sie sich zum Beispiel eine Haarmaske oder ein Pflegebad mit Natron selbst zubereiten können.

Seminar Look good feel better von DKMS Life: Schmink-Seminare für krebskranke Frauen Quelle: DKMS-life

Was sind die größten Schönheitsmakel, unter denen Frauen nach einer Chemotherapie leiden?

Vielen fallen die Haare aus, auch Augenbrauen oder Wimpern. Zudem haben viele Frauen Hautprobleme.

Mit welchen Tipps können Sie helfen?

Im Seminar zeige ich den Frauen, wie man die Augen mit Schminke so umranden kann, dass der Verlust von Wimpern nicht auffällt, und wie sie ihre Brauen nachzeichnen können. Ich zeige ihnen auch schöne Techniken, sich ein Tuch um den Kopf zu binden. Ein möglicher Trick dabei ist, sich ein Schulterpolster darunter zu schieben, das den Eindruck von Haaren vermittelt. Manche Frauen bevorzugen auch Perücken – die sollten aber nicht immer getragen werden, damit die Haare gut nachwachsen können.

Worum geht es den Frauen in erster Linie: Wollen sie ihre Erkrankung verbergen, oder sich einfach trotz der körperlichen Veränderungen weiterhin schön fühlen?

Das ist auch eine Typfrage. Manche Frauen haben sich vielleicht schon vorher gerne und viel mit ihrem Aussehen beschäftigt. Andere haben sich vorher vielleicht noch nie geschminkt, aber es ist ihnen nun wichtig, trotz Krankheit einigermaßen gesund und lebendig auszusehen. Viele möchten nicht, dass ihr Umfeld einen allzu drastischen Unterschied im Erscheinungsbild bemerkt. Das gilt auch für jüngeren Frauen mit kleinen Kindern, für die es manchmal schwierig sein kann, wenn sich das Aussehen ihrer Mutter verändert.

Früher oder später werden sie ihre Mutter ungeschminkt sehen.

Das ist richtig, aber es geht auch darum, wie man ihnen das Ganze vermittelt. Ich empfehle, die Kinder spielerisch mit einzubinden, etwa, wenn man sich die Haare abschneidet. Dann ist es nicht so ein Schock.

Fällt es nicht insgesamt leichter, Veränderungen, wie zum Beispiel den Haarausfall, zu akzeptieren, wenn man dazu steht? Man kann ja trotzdem versuchen, sich hübsch zu machen, ohne sich zu verstecken.

Da ist jeder anders. So eine Erkrankung ist eine sehr persönliche Sache, und es ist auch verständlich, wenn man das nicht mit jedem teilen möchte. Es gibt Situationen, in denen man sich eher zeigen möchte als in anderen. In den Seminaren erlebe ich es oft, dass ein Frau beginnt, in entspannter Runde ihre Perücke abzusetzen. Nachher machen es alle nach. Das ist immer eine sehr schöne Erfahrung.

Was versuchen Sie den Frauen für den Alltag mit auf den Weg zu geben?

Ich möchte sie ermutigen, Kosmetik- oder Pflegeprodukte, die ihnen gefallen, weiterhin anzuwenden. Dabei geht es längst nicht nur um das Äußere: Sondern darum, sich weiterhin selbst wertzuschätzen und sich täglich liebevoll mit sich selbst zu beschäftigen.

Heilpraktikerin und Kosmetikerin Roxane Laukart, die Schmink-Seminare für krebskranke Frauen gibt. Quelle: Natalia Kistner

Von Irene Habich

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