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Freiheit für Schwarzfahrer

Speakers’ Corner Freiheit für Schwarzfahrer

Zurzeit wird in Berlin diskutiert, ob Schwarzfahren aus dem Strafregister gestrichen werden soll. Das wäre das Beste für die Hauptstadt – zur Entlastung der überforderten Justiz und des Berliner Haushalts, meint unsere Gastkolumnistin Lea Streisand.

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Quelle: dpa

Berlin. Jetzt ist schon wieder ein Häftling verschwunden. Aus der JVA Tegel. Am vergangenen Sonnabend hatte es in Tegel in einer Zelle gebrannt. Es dauerte 55 Minuten, bis die Männer aus dem Trakt evakuiert wurden. Gegen den einströmenden Rauch sollten sie nasse Handtücher in die Ritzen klemmen. Die Flucht aus solchen Haftbedingungen entspringt also schlicht dem gesunden Menschenverstand.

Im Dezember waren der JVA Plötzensee neun Häftlinge entwischt. Vier aus dem geschlossenen, fünf aus dem offenen Vollzug. Letztere saßen wegen Pillepalle-Delikten wie Schwarzfahren ein. Na gut. Aber Anfang Januar kehrte ein verurteilter Doppelmörder erst mit 16-stündiger Verspätung von seinem Ausgang in die JVA Tegel zurück. Was ist da los? Ich denke, wir leben in einem Überwachungsstaat! Der Justizapparat dieser Hauptstadt scheint dank der horrenden Kürzungen von 2012/13 mittlerweile so marode, denen möchte ich nicht mal meine Topfpflanzen in Pflege geben.

Zurzeit wird in Berlin diskutiert, ob Schwarzfahren aus dem Strafregister gestrichen werden soll. Es wäre dann nur noch eine Ordnungswidrigkeit, für die keine Ersatzhaftstrafe verhängt werden kann, falls jemand das Bußgeld nicht bezahlen kann. Das wäre das Beste. Zur Entlastung der Justiz und des Berliner Haushalts. Zum Vergleich: Eine Umweltkarte im Tarifbereich ABC kostet pro Monat rund 100 Euro, ein Tag im geschlossenen Vollzug knapp 150 Euro.

Von mir aus könnten sie den Nahverkehr kostenlos machen und dafür Privatautos höher besteuern. Dann hätte Berlin auf einen Schlag einen ganzen Haufen Probleme weniger.

Lea Streisand ist Kolumnistin, Bloggerin und Radfahrerin in Berlin.

Von Lea Streisand

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