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Panorama „Du brauchst für diesen Job eine rosa Brille“
Nachrichten Panorama „Du brauchst für diesen Job eine rosa Brille“
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08:15 05.05.2018
Wenn neues Lebe auf die Welt kommt, sind Hebammen zur Stelle. Doch der Beruf bringt viele Hürden mit sich. Quelle: dpa
Berlin

Wenn die Geburt das schönste Ereignis im Leben ist, dann müsste der Hebammenberuf eigentlich der tollste auf der ganzen Welt sein. Trotzdem gibt es seit Jahren einen Mangel an Geburtshelferinnen. Kreißsäle werden geschlossen. Schlechte Bezahlung und steigende Versicherungskosten machen den Beruf auch nicht attraktiver. Viele geben die Arbeit auf – aus Verzweiflung, Erschöpfung und wegen mangelnder Perspektive.

Unser Autor hat zum Internationalen Hebammentag mit der ersten Frau gesprochen, die ihn in den Armen hielt. Yvonne ist unerschütterliche Optimistin. Doch auch sie würde jungen Menschen nicht mehr empfehlen, Geburtshelfer zu werden.

Hallo Yvonne, vor fast 26 Jahren hast du mir auf die Welt geholfen. Wie geht es dir heute als Hebamme?

Schlecht.

Was ist los?

Die eigentliche Tätigkeit ist viel schwieriger geworden. Es geht mehr und mehr um Schreibkram und Organisatorisches. Unnötige Auflagen verkomplizieren vieles. Es werden immer weniger Hebammen, weil sie aus Frust aufhören. Obwohl wir Gebührenerhöhungen bekommen haben, verdienen wir eigentlich immer weniger, weil uns das Geld an anderen Stellen abgezapft wird.

Würdest du heute jungen Frauen empfehlen, Hebamme zu werden?

Nein.

Das ist aber sehr traurig…

Natürlich ist es das. Ich verstehe mich als Handwerkerin. Mittlerweile geht der Beruf aber immer mehr in Richtung Akademisierung. Wir haben viele gute Ärzte und Pharmazeuten. Warum muss eine Hebamme dann auch Wissenschaftlerin sein? Es wird viel geredet, geredet, geredet… Aber nur die wenigsten verstehen ihr Handwerk. Du brauchst für diesen Job eine rosa Brille. Und die werden uns Hebammen peu à peu abgenommen.

Wer hat Schuld an der Misere?

Unsere Lobby ist nicht gut genug organisiert. Deswegen haben wir Vieles zu spät erkannt. Aber auch die Politik und die Gesellschaft allgemein sind verantwortlich. Manche meiner Kolleginnen haben eine Fortbildung über effizientes Arbeiten gemacht. Weißt du, wie lange ich bei einer Frau in der Nachsorge verbringen soll, damit es sich für mich lohnt?

Pro Sitzung?

Pro Sitzung.

Keine Ahnung.

20 Minuten. In dieser Zeit müsste ich die Mutter begutachten, Fragen beantworten und vieles andere. In 20 Minuten ist das unmöglich. Wenn man ordentlich arbeitet, bleibt das Geld auf der Strecke.

Warum machst du es dann?

Weil ich meine Arbeit liebe und weil mein Mann mich unterstützt. Hebamme sein ist eine Berufung. Ich mache es, weil Babys toll sind. Der Beruf ist außerdem so vielseitig. Du kannst in der Vorsorge, Geburt und Nachsorge arbeiten. Du hast mit jungen, glücklichen Familien zu tun und wenn sie nicht glücklich sind, kannst du ihnen langsam zum Glück verhelfen. Ich bin der Ansicht, dass ich Menschen wirklich helfen kann.

Gibt es einen Moment, auf den du dich immer ganz speziell in deiner Arbeit freust?

Bei Geburten freue ich mich immer darauf, wenn das Kind kommt und wir einmal kurz ausatmen können. So eine Geburt dauert ja Stunden. Ich bin währenddessen immer auf 180, also total angespannt. Denn wenn ich einen Fehler mache, werfe ich mir das ein Leben lang vor. Das kann keine Versicherung erstatten.

Aber wenn das Kind dann geboren ist…

…dann siehst du, wie es sich langsam entfaltet. Davor ist es zusammengeknautscht wie ein Origami und dann öffnet es sich. Wenn die Mutter das Kind im Arm hält, werde ich meistens vom Mann umarmt. In diesem Moment fällt die Spannung von allen ab.

Gibt es einen Moment, an den du dich immer wieder zurückerinnerst oder ist jede Geburt und jedes Kind für sich genommen einzigartig?

Da gibt es viele Momente. Frauen, die bei ihrer ersten Schwangerschaft einen Kaiserschnitt machen lassen mussten und fürchterlich verängstigt waren. Bei der zweiten Geburt haben sie dann normal entbunden. Aber auch die Katastrophen bleiben in Erinnerung. Du zum Beispiel.

Ich?

Du hast schrecklich geschrien. Aber ab und zu hattest auch du deine friedlichen Momente.

Von Jean-Marie Magro/RND

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