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Panorama Die Wand lebt
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20:09 01.06.2018
Eine Wiese für die Wand: Vertikale Gärten sind nicht nur schön anzusehen, sondern sorgen auch für weniger Feinstaub und bessere Luftqualität. Quelle: iStockphoto
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Frankfurt am Main

Es ist, als hätte man eine große Rasenfläche viereckig ausgeschnitten und einfach an die Häuserwand geklebt. Da oben, an der Fassade, lebt das Grün dann weiter, und zwar ohne herrunterzufallen. Vertikale Gärten gibt es längst auf jedem Balkon, ganz einfach, in dem man aufgestellte Europaletten aus dem Supermarkt bepflanzt. Aber auch die Architektur hat diese Art zu pflanzen für sich entdeckt.

Eindrucksvolle Beispiele dieser vertikalen Gärten zieren etwa die Markthalle in Avignon. Auf 600 Quadratmetern wachsen da Pflanzen wie Sonnenröschen, Nelke, Salbei und Zwergkoniferen. Und wer regelmäßig am Frankfurter Flughafen in den Flieger steigt, der findet in Terminal 2 ebenfalls solche “Living Walls“ aus Grünpflanzen. Experten sind sich längst einig: Vertikales Gärtnern ist ein natürliches Gestaltungskonzept mit Zukunft.

Internationaler Vorreiter für Wandbegrünungen ist der Botaniker und Gartenarchitekt Patrick Blanc, mit passend grün gefärbter Haarsträhne als Meister seines Fachs bekannt. Seine Gartenkunst verleiht modernen Bauten der Stararchitekten weltweit einen floralen Dreh. Es sind fast schon Kunstwerke, die er da an Wände gezaubert hat. Entsprechend klingen die Titel, die er seinen Arbeiten gegeben hat, etwa: “Butterfly Dance“ – so heißt ein vertikaler Garten am National Theater in Taipeh mit viel Grünfläche und einzelnen Orchideen als Farbakzent.

An den Markthallen von Avignon hat der Künstler Patrick Blanc einen vertikalen Garten geschaffen. Quelle: dpa

Doch hinter den saftig-wuchernden Wänden steht eine lange Entwicklungsphase. Nach Jahren des Experimentierens in der heimischen Wohnung entwickelte Patrick Blanc eine substratlose Konstruktion aus Metallgerüst, Hartschaumplatten und einem darüber gespannten Vlies als Wurzelraum für die Pflanzen. Und natürlich braucht es ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, um die Pflanzen am Leben zu halten.

So komplex der technische Vorbau, so vielfältig ist die geeignete Pflanzenauswahl: Farne, Moose, kleine Sträucher, Johanniskraut, Orchideen und vieles mehr können zum Einsatz kommen. Vor allem tropische Pflanzen eignen sich gut. Neben der Optik haben vertikale Gärten noch weitere Vorteile: “Bepflanzungen im Raum spielen eine immer größere Rolle für Raumakustik, Raumklima. Ich habe gleich ein anderes Raumgefühl“, sagt Olaf Kitzig, Geschäftsführer der Architekturgruppe Kitzig Interior Design. Außerdem verbessert sich die Luft nachhaltig und es bilden sich weniger Feinstaubpartikel.

Die begrünten Wände finde man häufig dort, wo sonst viel Beton ist, also an Flughäfen, in großen Konferenzzentren, in Firmenkomplexen. Dort schaffen solche Begrünungsflächen regelrechte Oasen der Entspannung. “Für mich ist das Thema definitiv eines, um die Natur von außen nach innen zu holen“, sagt Kitzig. Nach und nach haben sich auch inhabergeführte Boutique-Hotels das Konzept zu eigen gemacht und statt einer tropischen Tapete eine noch effektvollere Echtpflanzen-Wand installiert, um ihren Gästen eine exklusive Atmosphäre zu schaffen.

Eine Wandwiese braucht viel Pflege

Jörg Lagger arbeitet bei Leonhards, einem Unternehmen für Garten- und Landschaftsbau. Als Fachmann für Innenraumbegrünung war er auch beteiligt am Bau der grünen Wände im Frankfurter Flughafen. Er weiß, wie hoch der technische Aufwand beim Bau eines Vertikalgartens ist. Die Größe der Wand spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Von Billiglösungen hält der Innenraumbegrüner nichts: “Man braucht einen Bauphysiker wegen der Luftfeuchtigkeit. Die entsteht durch das laufende Wasser in der Pflanzenbewässerungsanlage. Die Bewässerung muss dicht halten. Und das Konzept mit den Pflanzen soll ja langfristig halten. Für Außenfassaden ist das kein Thema, aber innen ist es deutlich schwieriger.“

Für ein Projekt wie in Frankfurt braucht es Wasserleitungen in der Wand. Hinter der Wand befindet sich ein Technikraum, von dem aus alles geregelt wird, etwa Wasserfilter, Osmose-Anlage und vieles mehr. Und durch die Tröpfchen-Bewässerung werden die Pflanzen voll automatisch bewässert. Eine Wandwiese braucht in der Tat viel Pflege.

Bessere Luft und mehr Entspannung für gestresste Reisende: Am Flughafen Frankfurt sorgen begrünte Wände für Leben zwischen Glas, Beton und Stahl. Quelle: Fraport

Und welche Wirkung hat die grüne Wand später? Davon können sich die Gäste am größten Flughafen Deutschlands selbst ein Bild machen. Und sie können die Luft einatmen, die durch mehr als 3000 Pflanzen an den Wänden verbessert wird, mal abgesehen vom natürlich erzeugten Schallschutz. Tatsächlich gibt es auch kleine Lösungen für Privathäuser.

Innenarchitekt und Designer Olaf Kitzig hat bei seiner Arbeit schon vertikale Wandgärten in Häusern und Wohnungen integriert. Durch die Vertikale kann auf minimaler Grundfläche unglaublich viel Bepflanzung in Szene gesetzt werden. Und mit entsprechender Beleuchtung wird die Wirkung noch unterstrichen.

Welcher bauliche Aufwand dafür nötig ist, sollte mittlerweile klar sein. Allerdings gibt es auch Alternativlösungen, sogenannte Hydrokulturwände. Diese sind dann aber nicht fest an der Wand montiert, sondern stehen im Raum, eventuell an der Wand leicht fixiert durch einige Schrauben.

Künstliche Pflanzen sind tabu

Ein absolutes Tabu sind für Innenraumbegrüner Lagger und Designer Kitzig konservierte Moosbilder oder noch schlimmer künstliche Pflanzenwände. “Das ist genau das Gegenteil von dem, was es machen soll“, sagt Olaf Kitzig. “Wenn ich versuche, Natur in den Raum zu bringen, dann sollte ich schon bei echten Pflanzen bleiben.“

Auch tote Baumstämme – wie sie häufig in Restaurantketten als vermeintlich natürliches Gestaltungsmittel zum Einsatz kommen – haben einen komplett anderen Einfluss auf die Raumatmosphäre als lebendige Pflanzen. Tote Bäume und künstliche Pflanzen sind schlicht kalt. Im Gegensatz dazu schafft eine lebendige grüne Pflanzenwand Ruhe. “Sie gibt einem das Gefühl von Freiheit und Natur. Sie bringt Leben, transportiert in Großstädte, in Hotellobbys und in Restaurants.“

Von Andrea Mayer-Halm

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