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Panorama Das Ende des Magerwahns?
Nachrichten Panorama Das Ende des Magerwahns?
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14:34 27.06.2017
Nur Haut und Knochen: Bilder wie dieses aus dem Umkleideraum einer Modenschau sollen in Frankreich in Zukunft verhindert werden. Dafür soll ein neues Gesetz sorgen. Quelle: Getty
Paris

„Vielen Dank für Ihr Interesse, aber Valentino möchte sich dazu nicht äußern.“ Mit dieser Mail gehört Valentino zumindest zu den wenigen Modehäusern, die überhaupt auf die Anfrage zu einem Thema reagieren, das in der Branche unbeliebt ist. Vor wenigen Wochen sind in Frankreich zwei Dekrete des „Mannequin-Gesetzes“ in Kraft getreten, mit dem der Staat gegen exzessive Magerkeit von Models vorgehen will.

Zum einen müssen demnach Mannequins auf französischen Laufstegen künftig eine medizinische Bescheinigung vorweisen, die ihre gute Gesundheit, gerade mit Blick auf ihren Body-Mass-Index (BMI) bestätigt – gültig bleibt es zwei Jahre. Ein Mindest-BMI ist nicht vorgesehen. Die Pariser Haute-Couture-Schauen Anfang Juli werden die ersten betroffenen Défilés sein.

Kennzeichnungspflicht für Werbefotos

Zum anderen ist es ab Oktober Pflicht, bei der Veröffentlichung von Werbefotos mit anzugeben, wenn diese retuschiert wurden, um die Silhouette des Models zu verschlanken. In dem Gesetzestext heißt es, die beiden Regeln „zielen darauf ab, auf das Bild des Körpers in der Gesellschaft einzuwirken, um die Bewerbung von unerreichbaren Schönheitsidealen zu vermeiden und Magersucht bei jungen Leuten vorzubeugen“. In Israel, Italien, Chile und Belgien gelten bereits ähnliche Bestimmungen. Er sei sehr zufrieden mit diesem Gesetz, sagte der zuständige französische Abgeordnete Olivier Véran: „Ich glaube, dass es zu einem Mentalitätswandel führen wird.“

Aber kann es das? „Für uns ändert das nichts und die Castingagenturen, mit denen wir arbeiten, halten sich natürlich an die Vorgaben“, sagt Cédric Edon vom Modehaus Schiaparelli. „Unsere Models sind meistens volljährig oder in Einzelfällen minderjährig mit der Erlaubnis der Eltern, die teils zum Casting mitkommen. Sie sind vom Typ her bereits sehr schlank und treiben Sport. Wir setzen auf einen gesunden Look.“ Auch auf Vielfalt achte man, um nicht eine „Armee aus Klonen“ über den Laufsteg marschieren zu lassen. Andere Häuser würden freilich dafür kritisiert, extrem junge und dünne Models anzustellen. „Deshalb ist das Gesetz eine gute Sache, absolut.“

Ähnlich fällt die Reaktion bei Chanel aus: Man sei „äußerst umsichtig, wenn es um die Beachtung von gesetzlichen Vorgaben geht“, erklärt Pressesprecherin Sylvie Thost. „Die Modelagenturen sind verpflichtet, uns sämtliche für einen Auftritt auf dem Laufsteg erforderlichen Dokumente zur Verfügung zu stellen, dazu gehören vor allem die medizinischen Bescheinigungen der Models.“ Auf die Frage nach deren Mindestalter kommt keine Antwort mehr. Eine der größten Modelagenturen, Elite Model, versichert ebenfalls, sich an gültiges Gesetz zu halten. „Wir wenden es an, Punkt“, sagt PR-Managerin Rita Camelli. „Das betrifft übrigens nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Wir sind uns unserer großen Verantwortung für die jungen Leute bewusst.“

Eine überflüssige Verordnung?

Handelt es sich also um ein Nichtthema und um eine überflüssige Verordnung? Sind die Mädchen, die bei manchen Modenschauen nur noch aus Haut und Knochen bestehen, „natürlich schlank“? Wird sich etwas ändern?

Barbara Markert glaubt das nicht. Für die in Paris lebende Deutsche, die mit zwei Kolleginnen den Mode-Blog Modepilot.de betreibt, geht die Diskussion am eigentlichen Problem vorbei. Und das sieht sie im Alter der Mannequins: „Sie werden immer jünger, weil oft nur Teenager den erforderlichen super-schmalen Hüftumfang haben, um in die Entwürfe zu passen.“ Sie nennt es unverantwortlich, wenn Mädchen sehr früh in diese knallharte Branche geworfen werden. Natürlich gebe es Frauen, die sich völlig herunterhungern; aber viele Models, wie beispielsweise die frühere Chanel-Muse Inès de la Fressange, seien nicht krankhaft schlank, sondern hätten einen bestimmten Körperbau.

Die Pflicht, retuschierte Fotos zu kennzeichnen, hält Markert für eine gute Idee – doch sie betrifft nur die Werbung, nicht aber Mode-Blogs oder Instagram-Konten junger Frauen, die als „Influencer“ immer wichtiger werden. Sie könnten in Zukunft sogar eine größere Rolle spielen als herkömmliche Modenschauen; und das Gesetz ginge erst recht ins Leere.

Projekte können gegen Magersucht helfen

Spezielle Programme zur Prävention von Essstörungen bei Jugendlichen können die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper langfristig verbessern. Das hat eine Studie des Universitätsklinikums Jena ergeben. Demnach haben junge Frauen, die zu Beginn der Pubertät an den Programmen PriMa und Torera teilgenommen haben, zehn Jahre danach noch einen höheren Körperselbstwert als Altersgenossinnen ohne Präventionsprojekt.

Ein niedriger Körperselbstwert sei einer der Hauptrisikofaktoren für Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie, sagte Psychologe Uwe Berger. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper zu steigern sei daher ein wichtiger Schutz. Allein an Magersucht erkrankten in Deutschland 5 Prozent der Mädchen und ein Prozent der Jungen im Alter von 14 bis 24 Jahren. Patienten mit Essstörungen leiden der Studie zufolge zudem oft unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.

Laut Berger ist es aber falsch, wenn Eltern oder Lehrer Teenager mit Schockbildern von Magermodels konfrontieren. Dies könne eher das Gegenteil auslösen und Mädchen anstacheln, noch dünner zu werden. Ziel müsse vielmehr sein, dass Kinder im geschützten Rahmen Selbsteinsicht entwickeln.

Von Birgit Holzer/RND

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