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Panorama Lokaltermin im Emsland: Das Höllenfeuer im Moor
Nachrichten Panorama Lokaltermin im Emsland: Das Höllenfeuer im Moor
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22:28 21.09.2018
Blick auf einen Teil der Moorbrände im Emsland, die seit gut zwei Wochen wüten. Quelle: Lars-Josef Klemmer/dpa
Meppen

Michaela Koch ist ganz ruhig geblieben. Bloß keine Panik, das passt als Alltagsmotto für einen Reiterhof im Emsland. Wir werden womöglich evakuiert? Weil das Moor brennt?

Michaela Koch fragt lieber einmal mehr nach: „Ich habe eben erst mal mit der Einsatzleitstelle gesprochen. Die haben uns gesagt: Katas­trophenfall ausrufen macht man nicht aus Spaß. Die Lage ist ernst.“

Und Michaela Koch ist plötzlich gar nicht mehr ruhig.

Sie hat ihre Tiere verladen und weggebracht zu Freunden. „Sollen wir die Tiere hier stehen lassen und ihrem Schicksal überlassen, wenn evakuiert wird? Wenn es passiert, haben wir keine Zeit mehr. Das ist großer Stress. Für die Tiere und für uns. Wir hoffen, dass das Feuer nicht aufs Dorf übergreift.“

Alle hoffen, dass es irgendwie gut geht

Sie hoffen, all die Familien mit ihren Kindern und ihren Alten, die Bauern mit ihrem Vieh und der Ernte auf dem Feld, all die Menschen in Groß Stavern und Klein Stavern und Sögel, dass es irgendwie gut geht. Dass dieses Feuer, das seit zwei Wochen im Moor wütet, nicht auf ihre Dörfer übergreift. Seit der Landkreis Emsland am Freitagmittag den Brand auf einem Bundeswehrtestgelände zum Katastrophenfall hochgestuft hat, hoffen sie hier. Viele geben sich betont entspannt – wie das Ehepaar, das zwischen Einsatzwagen hindurch mit einer Kutsche zur Kirche fährt, um dem Chaos zum Trotz mit Freunden und Verwandten Silberhochzeit zu feiern. Andere sind wütend. Andreas Wessels ist einer der Wütenden.

„Es kann nicht sein, dass man 14 Tage nichts hört und plötzlich soll man sich für eine Evakuierung vorbereiten“, schimpft der Vorsitzende des Schützenvereins. Er schüttelt ungläubig den Kopf angesichts der Informationspolitik – und muss dann doch lächeln. Vor zwei Wochen sei das neue Schützenhaus eingeweiht worden, das könne jetzt sinnvoll verwendet werden: Feuerwehrleute, viele von weit her, sind hier untergebracht.

Leuten wie Andreas Wessels und Michaela Koch nützt es in ihrer Sorge herzlich wenig, dass die Verteidigungsministerin sie persönlich um Verzeihung bittet. „Ich entschuldige mich im Namen der Bundeswehr bei allen Menschen der Region, die jetzt unter den Auswirkungen des Brandes leiden“, hat Ursula von der Leyen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) auf Anfrage mitgeteilt. „Natürlich werden wir auch die völlig berechtigte Frage klären, ob die den Brand auslösenden Munitionstests in dieser Form nötig und verantwortbar waren.“

Am heutigen Sonnabend will die CDU-Ministerin nach Meppen reisen, das Katastrophengebiet in Augenschein nehmen und „den vielen Helfern von Feuerwehren und THW danken, die schon so lange mit hohem persönlichen Einsatz gegen den Brand kämpfen. Sie sollen jede Unterstützung der Bundeswehr bekommen, die sie benötigen.“

Das, denken die Leute in Stavern, wäre ja auch noch schöner, wenn die Bundeswehr nicht mit anpackte. Schließlich ist sie, ohne jedes Wenn und Aber, ganz allein verantwortlich dafür, dass eine Fläche von 4000 mal 2000 Metern brennt oder schon verbrannt ist – eine Fläche, größer als 1000 Fußballfelder.

Die Bundeswehr schreibt es selbst ganz unumwunden auf ihrer Website: „Schießversuche der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) in Meppen haben am 3. September 2018 einen Moorbrand ausgelöst, der bis heute andauert.“

Grillen war wegen der Dürre verboten, ein Raketentest nicht

Bis heute dauern auch die Fragen an: War das wirklich nötig, in einem Sommer, der so heiß und so trocken war wie seit Langem keiner? Einem Sommer, in dem an manchen Tagen den Menschen – auch denen in den Dörfern rund um das Testgelände an jenem fatalen 3. September – das Grillen wegen Brandgefahr untersagt war? Wie dringend muss eine Rakete in Friedenszeiten getestet werden, dass man dafür einen Flächenbrand riskiert? Ein Höllenfeuer, das nicht nur oberirdisch, sondern auch unterirdisch wütet? Der 46-jährige Andreas Wessels hat jedenfalls eine klare Meinung: „Bei dieser Trockenheit eine Rakete ins Moor zu feuern, das ist einfach unverantwortlich.“

Es verbrennen ja nicht nur ausgedörrte Gras, saftlose Bäume. Dies ist trockengelegtes Moor. Das brennt gut. Das Feuer frisst sich in den Boden hinein.

Der Moorbrand bei Meppen sorgt weiter für Ausnahmezustand. Jetzt wurde der Katastrophenfall im Kreis Emsland ausgerufen.

„Moore bestehen aus ganz vielen abgestorbenen Pflanzen“, erklärt der Experte Josef Zens. „Ein Moorbrand ist also nicht viel anders als ein Waldbrand – es verbrennt pflanzlicher Kohlenstoff.“ Doch es gibt ein großes Aber: Der Moorbrand lässt sich viel schwerer löschen. Denn Schwelbrände im Untergrund sieht man an der Oberfläche oft nicht. Das Feuer kann sich unbemerkt ausbreiten und an ganz anderen Stellen plötzlich wieder an die Oberfläche kommen.

Mit Wasser oder Löschschaum kommt die Feuerwehr nur schwer an diese Brandstellen heran. Und: „Torf ist erst mal wasserabweisend“, sagt Feuerwehrmann Karl-Heinz Knorr. Man muss sehr viel Wasser in den Boden pumpen, ehe es etwas bringt. Wo es nur geht, werden nun riesige Wassermengen aus der Umgebung abgezapft und in den Moorboden des Testgeländes bei Meppen gepumpt.

1300 Helfer kriegen den Brand nicht in Griff

Und doch: Es ist ein Brand, der womöglich trotz des Einsatzes von rund 1300 Soldaten, zivilen Feuerwehrleuten, Experten des Technischen Hilfswerks und der Polizei noch lange nicht in den Griff zu kriegen ist. Wie besorgt die Bundeswehr ist und wie erschöpft die Feuerwehrleute sein müssen, zeigt allein schon die Tatsache, dass am Freitag das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr aus Berlin zu Hilfe gerufen wurde. Es ist so etwas wie die Blaulichteinheit der Armee.

„Es steht außer Frage, dass ein Moorbrand dieses Ausmaßes ein sehr ernster Vorfall ist, der so nicht passieren darf“, sagt die Verteidigungsministerin.

„Die älteren Leute haben Angst vor der Ungewissheit“

So sehen es die Menschen in den umliegenden Dörfern auch. Es ist ein Vorfall, so ernst, dass sie nicht nur um ihr Zuhause, sondern auch um die Gesundheit ihrer Kinder und der Schwächeren fürchten müssen. In Stavern und Sögel könnte die Evakuierung am Ende für manche ein Segen sein. Wenn sie nur weit genug weggehen. „Bei den Kindern und den Alten hat die Nachricht von der drohenden Evakuierung eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt der 17-jährige Azubi Thomas Büter aus Sögel. „Die älteren Leute haben Angst vor der Ungewissheit. Ich glaub ja nicht daran, dass das passiert. Aber es ist schon sehr viel Unruhe im Ort.“

Tatsächlich sind es aber die Kinder und die Alten, die am meisten gefährdet sind. Vor allem durch die dicken Rauchschwaden, die weit übers Land ziehen und manchmal einfach über den Dörfern stehen.

Moorbrand setzt Giftstoffe frei

Bei einem Moorbrand werden Experten zufolge feine und ultrafeine Partikel, Stickoxide und andere Verbrennungsprodukte wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe freigesetzt. Letztere bauen sich schlecht oder gar nicht in der Umwelt ab, sie reichern sich in Organismen an – und sie sind giftig.

Das Umweltministerium in Hannover und die Bundeswehr wiegeln ab, die Belastungen seien „vorübergehend“, aber Ärzte sind besorgt. Patienten mit Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen, Kleinkinder und Alte könnten gefährliche Beschwerden bekommen, wenn sie höheren Feinstaub- oder NO2-Konzentrationen ausgesetzt seien, sagt die Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann von der Universität Düsseldorf. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Beschwerden steige. In den Dörfern am Rande des Moores dürfen die Kinder schon seit Tagen nicht mehr draußen spielen.

So viel CO2 freigesetzt wie durch 100.000 Menschen in einem Jahr

Ganz leise und unsichtbar leidet noch jemand: das Klima. Matthias Drösler, Vegetationsökologe an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising, hat im „Spiegel“ erklärt, warum das so ist: „Moore enthalten ungefähr zehnmal so viel Kohlenstoff wie Mineralböden.“ Wenn der Torf verbrennt, verbindet sich auf großer Fläche Kohlenstoff mit Sauerstoff. Bei einem Brandherd von acht Quadratkilometern werden dann riesige Mengen klimaschädliches CO2 frei. Um die 900.000 Tonnen Kohlendioxid können es bei diesem Brand dem Naturschutzbund Deutschland zufolge werden. Das entspricht etwa der Menge, die 100.000 Menschen in Deutschland in einem Jahr verursachen.

Für Bernd Einspannier aus Klein Stavern sind das in diesem Moment Zahlen, die ihn nicht im Geringsten interessieren. Am Morgen hat das Veterinäramt des Landkreises den Milchbauern angerufen. Er solle schon mal seine Tiere füttern, damit sie im Fall des Falles versorgt sind. Aber: „Natürlich muss ich die Tiere auch zweimal am Tag melken. Dafür darf ich dann für jeweils zwei Stunden zurück.“ Der 42-Jährige hält einen Moment inne. „Der Wind hat sich gedreht. Vielleicht haben wir Glück.“ Und dann: „Moorbrände kennen wir hier ja, aber das ist besonders.“

Von Karl Doeleke und Alex Krenn/RND

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