Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Panorama „Babylon Berlin“ – eine Stadt zwischen den Welten
Nachrichten Panorama „Babylon Berlin“ – eine Stadt zwischen den Welten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 29.09.2018
In dem “Rote Burg“ genannten Komplex, Berlins zweitgrößtem Gebäude, saßen der Polizeipräsident und sämtliche Berliner Polizeistruktur. Hier arbeiten in der Serie “Babylon Berlin“ auch Gereon Rath und Charly Ritter. Quelle: Wikipedia
Berlin

Aus der Menschenmenge auf dem Alexanderplatz schält sich Regisseur Volker Heise und strebt auf den Eingang des Alexa zu. Umgeben von rosaroter postmoderner Konsumarchitektur wollen wir uns gemeinsam 89 Jahre zurückversetzen, ins Jahr 1929.

In diesem Jahr ist Volker Kutschers erster Kriminalroman “Der nasse Fisch“angesiedelt, nach dessen Vorlage die Fernsehserie “Babylon Berlin“ gedreht wurde. Die Serie wirft einen realistisch-detaillierten Blick auf den Zustand Deutschlands im Jahr 1929, das Jahr, das Historiker als Wendepunkt werten: 1929 begann das Ende der Weimarer Republik. Der Schwarze Freitag an der Börse im Oktober trieb die Welt in die Wirtschaftskrise und Berlin in einen Strudel aus Unregierbarkeit und Straßenkämpfen.

Auch der Dokumentarfilmer Volker Heise hat sich tief ins Jahr 1929 begeben. Auch er vergleicht das Berlin dieses Jahres mit dem Mythos des antiken Babel – also mit einer Stadt voller Extreme und Verwirrungen. Für die Dokumentation “1929 – das Jahr Babylon“ hat er Trubel und Elend des Jahres untersucht, sich in Polizeiakten und Zeitungsartikel vergraben, Mordermittlungen und Erinnerungen gelesen.

Auch in den Zwanzigerjahren war der Alexanderplatz so wuselig wie heute: Dokumentarfilmer Volker Heise hat sich auf Spurensuche in Berlin begeben. Quelle: Jacqueline Schulz

Er ist tief in eine Stadt eingetaucht, die in vielem dem Berlin von heute ähnelt – eine Stadt des Zuzugs, der Ausschweifungen und der Unsicherheit. Doch die Unterschiede sind vielleicht noch wichtiger: das Elend, die Gewalt, der Beginn der Straßenschlachten, die das Ende der Weimarer Republik begleiteten.

Der 57-Jährige ist als Regisseur Kopf hinter “24 Stunden Berlin“, “24 Stunden Jerusalem“ und “24 Stunden Bayern“, zurzeit produziert er die nächste Mammut-Dokumentation “24 Stunden Europa“. Er denkt groß und liebt die Details. Wie blickt er auf das Berlin der Zwanzigerjahre? Und wie auf das von heute? Unser Spaziergang durch die Geschichte beginnt.

Berlin, Alexanderplatz – schon immer ein wuseliger Ort

Wo heute das Einkaufszentrum Alexa steht, befand sich 1929 das Berliner Polizeipräsidium, genannt “Die Rote Burg“. Es war ein Trumm aus rotem Backstein, errichtet in den Jahren 1886 bis 1889, das zweitgrößte Gebäude der Stadt gleich nach dem Schloss. Der damalige Chef musste seine Burg nie verlassen: Polizeipräsident Karl Zörgiebel residierte dort in einer Dienstwohnung.

Heise berichtet von Fotos, die Zörgiebel beim Weihnachtsfest zeigen. Heute hat das “Alexa“-Sicherheitspersonal Fantasie-Uniformen in Dunkelblau, die sie ein kleines bisschen wie preußische Polizisten wirken lassen. Ein winziges Stück Erinnerungstravestie in einem gesichts- und geschichtslosen Einkaufstempel.

Wir gehen hinüber auf den Alexanderplatz, kämpfen uns zwischen all dem Gewusel hindurch, zwischen dem Aufbau von Rummelbuden, Würstchenverkäufern, Punks und Touristen. Wie immer auf dem Alex, der 1929 nicht weniger wuselig und zugig war – und natürlich auch damals immer Baustelle.

Die Zwillingsbauten Berolina- und Alexanderhaus (erbaut 1929 bis 1932) sind die markanten Bauten der Moderne auf dem Alexanderplatz. Sie stehen unter Denkmalschutz und wurden kürzlich saniert. Quelle: akg-images

1929 gerade im Bau ist das Berolinahaus aus modernem, strengem Stahlbeton mit Muschelkalk verkleidet und wie das benachbarte Alexanderhaus ein Bau von Peter Behrens. Der Kontrast zum traditionellen Backsteinmonstrum der “Roten Burg“ konnte nicht größer sein. Für Heise steht das Nebeneinander der beiden Stile auch für die Zerrissenheit und die Widersprüche der Weimarer Republik.

Auch die preußische Polizei in der “Roten Burg“ sollte modernisiert werden. Damals wurde der Satz “Die Polizei, dein Freund und Helfer“ geprägt. Er stammt vom preußischen Innenminister Albert Grzesinski aus dem Jahr 1926 und markierte eher einen Anspruch, eine Hoffnung als die Realität. Sozialdemokraten wie Grzesinski und Zörgiebel standen an der Spitze einer Behörde, “die noch sehr kaiserlich geprägt war“, sagt Heise.

1929 eröffnete am Hermannplatz in Neukölln das modernste Warenhaus Berlins, vom Karstadt-Hausarchitekten Philipp Schaefer erbaut. Hier gerät der Kommissar aus “Babylon Berlin“, Gereon Rath, in die Mai-Unruhen. 1945 wurde das Haus zerstört. Der Ersatzbau soll in Zukunft wieder die alte Größe erhalten. Quelle: Wikipedia

So steuerte Berlin im Jahr Babylon 1929 auf die schwersten Unruhen seit Jahren zu, den “Blutmai“ in den Stadtteilen Neukölln und Wedding. Zörgiebel und Grzesinski hatten ein Demonstrationsverbot erlassen, weil sie Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nazis befürchteten. Die KPD marschierte trotzdem, die Polizei ließ die Lage eskalieren.

Nach drei Tagen wurden 33 Tote gezählt. Mit Maschinengewehren hatte die Polizei auf Fenster geschossen, aus denen rote Fahnen hingen, Querschläger töteten viele Unbeteiligte. “Die Polizei hat den Einsatz geführt, als wäre sie in einen Bürgerkrieg geraten“, sagt Heise. Rund um das brandneue, spektakuläre Karstadt-Kaufhaus auf dem Hermannplatz tobten damals die Straßenkämpfe.

Das Scheunenviertel – heute Hipstermeile, früher ein Slum

Wir verlassen den Alex und spazieren durch das Scheunenviertel, heute eine durchsanierte Hipster- und Touristenmeile mit Edelvietnamesen und Klamottenläden. Damals ein Slum, überfüllt mit Migranten aus dem Osten, darunter viele Juden auf der Flucht vor Pogromen. Ganz Berlin war eine Zuzugsstadt, die meisten Wohnviertel erst 30, 40 Jahre alt, Mietskasernen mit zwei, drei, mehr Hinterhöfen. “In einem Viertel wie Friedrichshain wohnten doppelt so viele Menschen wie heute“, berichtet Heise, “ganze Familien in zwei Zimmern.“

In seiner Dokumentation berichtet eine Hinterhofbewohnerin vom Alltag: “Das ganze Leben spielte sich in der Küche ab. Das Zimmer wurde nur zum Schlafen benutzt. Hier schliefen sechs Kinder in einem Bett, Mutter in der Küche.“ Der Vater kommt in diesem Bericht nicht vor, wenn es ihn gab, war er wohl in der Kneipe unten im Vorderhaus.

Hipstereltern, Designerläden und angesagte Restaurants statt Armut und Elend: Das durchsanierte Scheunenviertel. Quelle: Jacqueline Schulz

Selbst der akribische Heise weiß nicht, ob die Statistik stimmt, nach der es damals auf 200 Berliner eine Kneipe gab. Aber vorstellbar ist es. “In den Wohnungen war schlicht kein Platz, also war die Kneipe das Wohnzimmer. Hier saßen die Männer und machten ihre Politik. Die SPD hatte ihre Lokale, die Kommunisten auch, und die Nazis merkten schnell, dass auch sie Lokale brauchten, wenn sie Erfolg haben wollten.“

Die Frauen arbeiteten rund um die Uhr – in der Fabrik, mit dem Haushalt und den vielen Kindern. “Gerade im Proletariat war das so“, sagt Heise. Die moderne, selbstständige Frau mit Bubikopf und Karriere – “das war ein Thema der Frauenzeitschriften. Außerhalb Berlins, außerhalb einer bestimmten Schicht gab es sie nicht. Wenn Kinder kamen, war es mit der Karriere ohnehin vorbei“, erzählt Heise.

“So geleckt wie in Rothenburg ob der Tauber“

Das Scheunenviertel war noch altes Berlin, das hieß vor allem: katastrophale hygienische Bedingungen, Klo auf dem Hof. “Heute sieht hier alles so ruhig und geleckt aus wie in Rothenburg ob der Tauber“, wundert sich Heise beim Gang durch die sanierte Mulackstraße. Hier war die Mulackritze, offiziell Sodtkes Restaurant. Hierhin kamen Kulturgrößen wie Gustav Gründgens, Marlene Dietrich, Bert Brecht, wenn ihnen nach Unterweltgrusel zumute war.

Hier verkehrte auch “Muskel-Adolf“ Leib, Chef des Ringvereins Immertreu. Die Ringvereine waren die Clans und Gangs jener Zeit – das organisierte Verbrechen jener Tage. In Fritz Langs Film “M – eine Stadt sucht einen Mörder“ beteiligen sie sich an der Jagd nach dem Kindermörder. Ringbruder Leib stand Lang damals auch als Berater und Vermittler von Komparsen zur Seite.

Berlin 1933: Straßenszene in der Grenadierstraße (heute Almstadtstraße) im sogenannten "Scheunenviertel". Quelle: P. Buch, ADN-ZB/Archiv Berlin

Das Scheunenviertel mit all seinem Elend und die bürgerliche, ebenfalls jüdisch geprägte Spandauer Vorstadt lagen direkt nebeneinander – und hatten doch so wenig miteinander zu tun. Die Nazis nannten die ganze Gegend Scheunenviertel, sie meinten mit ihrem Rassismus die Armen und die Reichen gleichermaßen.

In Volker Heises Dokumentation über das “Jahr Babylon“ kommt Polizei-Vizepräsident Bernhard Weiß zu Wort, er beklagt sich über das liberale Bürgertum, das dem Antisemitismus der Nazis damals nicht nur nichts entgegenzusetzen hat, sondern ihn sogar übernimmt. Sind wir wieder an dem Punkt, an dem das liberale Bürgertum versagt? Heise pausiert kurz, um eine Touristengruppe auf Leihrädern passieren zu lassen. Dann sagt er: “Bernhard Weiß war einer der wenigen, die damals frühzeitig gesehen haben, wie groß das Unglück ist.“

Und was ist heute? Erklärungen aus der Vergangenheit funktionieren nicht, sagt Heise. Die angstlüsternen Weimar-Vergleiche heutiger Kommentatoren findet er absurd, aber natürlich gibt es Parallelen: “Die technischen Gegebenheiten verändern sich, das erzeugt Unsicherheit. Das gilt damals, und es gilt heute. Dazu kommt die Zuwanderung, alles weckt ein Bedürfnis nach Verlässlichkeit. Und es gibt politische Kräfte, die das ausnutzen.“

Die schicke Friedrichstraße war früher ein Straßenstrich

Wir haben während dieses Gesprächs die Synagoge an der Oranienburger Straße passiert, biegen nun auf die Friedrichstraße ein. Wir nähern uns der damaligen Amüsiermeile und dem Straßenstrich, der damals viel größer war als heute und sich bis an die Ecke Unter den Linden zog.

Es war Prostitution aus Not oder als Zuverdienst. In der Serie “Babylon Berlin“ schafft die Hauptfigur Charly, tagsüber Stenotypistin, nachts im Bordell unter dem legendären Lokal Moka Efti an der Leipziger Straße an. Unrealistisch ist diese Figur nicht.

Volker Heise verabschiedet sich an den Treppen zur U-Bahn-Station Friedrichstraße. Er sagt einen Satz zum Abschied, der sich auch als Fazit verstehen lässt: “Im Grunde wächst Berlin wieder in die Größe hinein, die es damals hatte.“ Bald hat Berlin wieder vier Millionen Einwohner – und bereits jetzt schon ähnlich viele Extreme wie 1929, im Jahr Babylon.

Der sanierte Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße hat eine lange Geschichte als Vergnügungsort. Hier gab es Solebäder und eine Eisarena und im Vorderhaus zur Friedrichstraße Kegelbahnen, ein Café und ein Lichtspieltheater. Quelle: Jacqueline Schulz

Mythos Berlin: Die Stadt in Film und Serie

Volker Heises Dokumentation “1929 – Das Jahr Babylon“ erzählt das Schicksalsjahr in Entscheidungen. Regisseur Volker Heise hat dazu zahlreiche historische Zeitdokumente wie Akten, Tagebücher, Protokolle und Briefe ausgewertet, die Fritzi Haberlandt, Volker Kurth und andere Darsteller der Serie “Babylon Berlin“ zum Leben erwecken. Zu sehen ist der Dokumentarfilm am Sonntag um 22.30 Uhr im Ersten.

Die Fernsehserie “Babylon Berlin“ ist eine bisher einmalige deutsche Serienproduktion. Die 40 Millionen Euro für die Kosten kamen durch eine Koproduktion von privaten und öffentlich-rechtlichen Geldgebern zusammen. Die ersten beiden Staffeln mit insgesamt 16 Folgen waren 2017 auf dem Bezahlsender Sky zu sehen und werden ab Sonntag, 20.15 Uhr (Folge eins bis drei, dann donnerstags ab 20.15 Uhr), im Ersten ausgestrahlt. Die Regisseure Tom Tykwer, Hendrik Handloegten und Achim von Borries arbeiten zurzeit an der dritten Staffel.

“Ich habe keinen fertigen Plan für Gereon Rath“

Volker Kutscher legt am 30. Oktober den siebten Kriminalroman “Marlow“ (KiWi) um den Kriminalbeamten Gereon Rath und Assistentin Charly Ritter vor. Die Bestsellerreihe beginnt mit “Der nasse Fisch“ im Jahr 1929 und arbeitet sich im Jahresrhythmus vor. Band eins bildet die Vorlage für die TV-Serie “Babylon Berlin“. Quelle: picture alliance / StockPix

Herr Kutscher, mit Gereon Rath sind Sie nun im Jahr 1935 angelangt. Es wird für den eigenwilligen Kriminalkommissar immer schwerer, die Nazis zu ignorieren und sein Leben weiterzuleben. Wird er noch lange in Deutschland bleiben?

Das werden wir sehen. Ich habe keinen fertigen Plan für Gereon Rath. Ich schicke ihn jedes Mal so in den nächsten Roman, wie er aus dem letzten herausgekommen ist, und schaue dann, was mit ihm passiert. Aber die Nazis zu ignorieren, das schafft er schon im neuen Rath-Roman “Marlow“ nicht mehr.

Wie viele Rath-Romane planen Sie noch? Sie wollten unbedingt die Olympischen Spiele 1936 in Berlin noch mitnehmen. Ist dann Schluss?

Jedenfalls wird nicht 1936 Schluss sein, wie ursprünglich geplant, sondern erst 1938. Ich möchte die Rath-Reihe mit einem Jahr beenden, in dem unmissverständlich klar ist, wohin Deutschlands Reise mit den Nazis geht: in den Krieg und in den Holocaust.

Schreiben Sie anders, seit Gereon Rath nicht mehr nur ein Romancharakter, sondern auch Hauptfigur der TV-Serie “Babylon Berlin“ ist?

Nein. Die TV-Serie und meine Romanreihe, das sind zwei unterschiedliche Projekte, die ich sehr gut auseinanderhalten kann. Was umso leichter fällt, da die Serie erst im Jahr 1929 angelangt ist und ich mit meinem neuen Roman “Marlow“ schon im Jahr 1935. Allein das sind schon völlig unterschiedliche Welten.

“Babylon Berlin“ spielt noch im Jahr 1929, nutzt Ihre Romane als Grundlage für ein opulentes Sittengemälde der Zeit. Finden Sie sich in der Serie wieder?

Was heißt wiederfinden? Auch in meinen Romanen geht es ja nicht darum, dass ich mich persönlich in ihnen wiederfinde. Es geht darum, dass ich das erzähle, was ich zu erzählen habe, die Gedanken anstoße, die mir wichtig sind, etwa über die Fragilität der Demokratie oder darüber, wie schnell es gehen kann, dass man sich in einer Diktatur wiederfindet. Und wie schnell der Moment verpasst ist, das zu verhindern. All dies erzählt auch die Fernsehserie, und sie erzählt es sehr gut.

Berlin war in den Zwanzigerjahren Europas Hauptstadt der Vergnügungen – wie heute. Worin gründen diese Parallelen?

Schwer zu sagen. Ich vermute, es liegt an der Kombination von einem einerseits faszinierend bunten, freizügigen und wilden Angebot im Berliner Nachtleben, das andererseits viel preisgünstiger zu haben ist als das in London, Paris oder New York. Das war auch in den Zwanzigern schon so und lockte Menschen aus aller Welt in die Stadt.

Bunt, freizügig und wild: Das Berliner Nachtleben lockte auch schon in den Zwanzigerjahren Menschen aus aller Welt in die Stadt (Szene aus “Babylon Berlin“). Quelle: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier"

Die politische Lage ist heute ungewohnt instabil – und jede Zeitung hat schon einmal einen “Hauch von Weimar“ beschworen. Ist da mehr als nur ein Hauch?

Den Menschen, jedenfalls dem ärmeren Teil der Bevölkerung, ging es damals weitaus dreckiger als uns heute. Was wir heute aber sehen, ist, dass die einst so stabile Nachkriegsdemokratie der Bundesrepublik nicht so selbstverständlich und stabil und in Stein gemeißelt ist, wie die Angehörigen meiner Generation das jahrzehntelang geglaubt haben. Unsere parlamentarische Demokratie mag ihre Fehler haben, aber wir dürfen sie nicht grundsätzlich in Frage stellen. Wir müssen im Gegenteil um sie kämpfen, denn es gibt immer mehr Kräfte, die sie beseitigen wollen.

Welche Kräfte meinen Sie damit?

Ich meine nicht nur die rechtsextremen und populistischen Kräfte, sondern auch Islamisten und Salafisten innerhalb und außerhalb des Landes, auch Autokraten wie Putin, Erdogan oder Trump, die sich über dem Gesetz wähnen. Und nicht zu vergessen gibt es einen durch das Internet befeuerten Kapitalismus, der den Menschen nur noch als Konsumenten sieht. Der Konsum hat die Religion als Opium für das Volk hierzulande abgelöst. Und das sind längst nicht alle Kräfte, die unsere Demokratie bedrohen, es tauchen immer wieder neue auf, viele sind uns vielleicht noch gar nicht bewusst oder wirken zunächst gar nicht wie eine Gefahr. Daher gilt es, wachsam zu sein. Wir müssen uns endlich und deutlich bewusst werden, welche Errungenschaft unser freiheitlich demokratischer Staat darstellt, wie viele Opfer es brauchte, ihn zu errichten, und wie schnell es gehen kann, ihn wieder abzuschaffen. Sind wir wirklich wachsamer als unsere Vorfahren in den Jahren vor und nach 1933? Ich hoffe: ja.

Welche Parallelen zwischen 1929 und 2018 sind auf jeden Fall falsch?

Es gibt keine konkreten Parallelen, die AfD ist nicht die neue NSDAP, so einfach funktioniert das nicht. Geschichte wiederholt sich nicht, aber man kann – und sollte – aus ihr lernen. Nicht dieselben Fehler noch einmal machen etwa. Nicht denselben Floskeln glauben, nicht denselben Rattenfängern hinterherlaufen. Geschichtsvergessenheit ist eines der großen Probleme unserer heutigen Zeit. Wenn heute versucht wird, Nazi-verseuchte Begriffe wie “völkisch“ oder “Lügenpresse“ wieder salonfähig zu machen, und das kritiklos hingenommen wird, dann finde ich das sehr bedenklich. Und richtig perfide ist es, wenn sich die neuen Rechten als Opfer darstellen und sich mit den Opfern der Nazis vergleichen.

“Der nasse Fisch“, der Auftakt der Romanserie um Kriminalkommissar Gereon Rath, spielt im Jahr 1929. Quelle: Verlag

Von Jan Sternberg

Ein 21-Jähriger sticht auf Passanten ein – mitten am Tag, mitten in einem Stadtzentrum. Er verletzt in Ravensburg (Banden-Württemberg) drei Menschen schwer. Nun werden die Hintergründe bekannt, die mit einer Erkrankung zu tun haben.

29.09.2018

Erneut ist auf der Autobahn 5 ein Fernbus verunglückt. Auf der Ausfahrt zu einer Raststätte krachte der Flixbus ungebremst gegen eine Leitplanke. Mehrere Menschen wurden verletzt.

29.09.2018

Im Hause Murphy läuten bald die Hochzeitsglocken: Der US-Schauspieler Eddie Murphy hat sich mit seiner Freundin Paige Butcher verlobt. Die beiden erwarten ihr zweites gemeinsames Kind.

29.09.2018