Navigation:
AboPlus Anzeigen- und Abo-Service

ARD-Fernsehfilm

Vorzeigefrau mit zwielichtiger Vergangenheit

Sie ist perfekt, glücklich verheiratet, hat Kinder und einen tollen Job. Doch Vera Schlink war nicht immer so. Im ARD-Mittwochsfilm „Die Schatten, die dich holen“ wird eine Vorzeigefrau von ihrer Rotlichtvergangenheit eingeholt.
Foto: Alte Bekannte: Zuhälter Kurt Matzinger (André Hennicke) erpresst Vera Schlink (Aglaia Szyszkowitz).

Alte Bekannte: Zuhälter Kurt Matzinger (André Hennicke) erpresst Vera Schlink (Aglaia Szyszkowitz).

© ARD

Wien. Sie ist 38, glücklich verheiratet, hat einen erfüllten Job, tollen Sex und schafft es sogar, ihre achtjährige Tochter immer pünktlich von der Schule abzuholen. Und vielleicht ist sie sogar in Kürze „Fondsmanagerin des Jahres“. Vera Schlink (Aglaia Szyszkowitz) hat es geschafft.
Sorgen und Nöte dringen nicht durch die dicken Glaswände von Loft und Büro. Das Unerfreulichste, mit dem Vera Schlink zuletzt zu tun hatte, war der Wasserschaden der neuen Nachbarin. Doch selbst den bekam die patente Bankerin schnell in den Griff. Und für Melli (Mavie Hörbiger), die arbeitslose Nachbarin, hatte sie anschließend auch gleich Verwendung – als Assistentin in ihrer Firma.

Doch mit der sterilen Idylle, die Regisseur Robert Dornhelm zu Beginn des Wien-Thrillers „Die Schatten, die dich holen“ entwirft, ist es schnell vorbei. „Wenn man seinen Beruf mit Anstand ausübt, darf man sich auch über eine solche Auszeichnung anständig freuen“, erklärt Schlink auf ihrer Nominierungsparty, als ein ungebetener Gast aufkreuzt. Ein alter Bekannter (André Hennicke). Er hat Fotos dabei – aus einer Zeit, als Vera noch Lola hieß und ihr Geld als Edelprostituierte auf der Reeperbahn verdiente. Zehn Jahre saß der Mann, der sich jetzt Kurt Matzinger nennt, hinter Gittern, weil die Frau, die sich jetzt Vera Schlink nennt, gegen ihn ausgesagt hatte. 

Es kommt, wie es kommen muss: Damit ihr Mann Hannes nichts von der Rotlichtvergangenheit erfährt, gibt Schlink ihrem ehemaligen Zuhälter 100 000 Euro Schweigegeld. Dem reicht das natürlich nicht: „Die Fotos sind bezahlt“, sagt er hämisch. „Was ist mit den Filmrechten?“

Matzinger will mehr. Vielleicht auch mehr, als Vera ihm geben kann. „Ich will akzeptiert sein“, erklärt er der fassungslosen Exprostituierten. „Ich will sauber sein. Ich will ein beschauliches Leben, wie du und Hannes, porentief rein.“

Spätestens hier hat Drehbuchautor Uli Brée übertrieben. Sein Zuhälter ist eine miese Type, ein notorischer Lügner und Schläger, dem man auch einen Mord zutraut. Ein Mephistopheles aber, der spöttisch und lustvoll die Welt der Spießbürger seziert, ist er nicht. „So ist das in unserer feinen Gesellschaft“, sagt Matzinger etwa, „alle gehen in den Puff, aber keiner will ’ne Nutte als Frau.“

Schauspieler Hennicke gibt dennoch sein Bestes. Etwas linkisch späht er sein Opfer aus, dann läuft er – der sich als „alter Freund“ ausgibt – auf der Party zu großer Form auf. So überzeugend ist sein Auftritt, dass Schlinks argloser Mann Hannes Gefallen an ihm findet: „Er hat gute, unkonventionelle Ideen, der Mann.“  Die hat Matzinger ohne Frage. Er will in die Investmentfirma der Schlinks einsteigen. Und die Bedrängte ahnt, dass sie ihrer Vergangenheit nicht entkommen wird, wenn sie nicht zum Äußersten greift.

„Die Schatten, die dich holen“ ist – trotz einiger Schwächen – ein spannender Thriller mit vielen Unbekannten. Was hat Matzinger noch alles in der Hinterhand? Was weiß die Presse? Welche Rolle spielt Nachbarin Melli, die Vera Schlink berät, als diese nur wie paralysiert dasitzt. Und vor allem: Wie entscheidet sich das Erpressungsopfer?

Angst, Lethargie und den Mut der Verzweiflung spielt Aglaia Szyszkowitz exzellent. Die letzten 20 Minuten agiert sie wie im Rausch – da nimmt der Zuschauer auch das abstruse Finale gerne in Kauf.

[Karsten Röhrbein]

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige

Umfrage der Woche

Diego und der VfL

Soll Mittelfeldstar Diego in der nächsten Saison wieder beim VfL Wolfsburg spielen?

Bild der Woche

Schützen- und Volksfest in Wolfsburg: Noch bis zum 20. Mai bieten viele spektakuläre Fahrgeschäfte Spaß und Action für Jung und Alt.

zur Galerie

Magazine

Videos aus Wolfsburg und Gifhorn

Freitags neu: Videos aus unserer Region

Film ab in Wolfsburg und Gifhorn: In Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender tv38 zeigen wir ausgewählte Ereignisse in der Region auch als Video. Schauen Sie rein! mehr


 

Videos

Die Welt im Film

Hier können Sie sich zu allen Bereichen informieren, egal ob es sich um Nachrichten aus aller Welt handelt oder die Filmtrailer der aktuellen Kinowoche. Für jeden ist etwas dabei. mehr