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Kräutertee für Kommissarin Odenthal

Ludwigshafen-„Tatort“ Kräutertee für Kommissarin Odenthal

Dieser „Tatort“ ist nichts für zartbesaitete Tierfreunde, denn er geht ziemlich heftig los. Lena Odenthal und ihr Ludwigshafener „Tatort“ kommen trotzdem nicht aus der Krise heraus. Die TV-Kritik um Sonntagskrimi in der ARD.

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Drastische Szene: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) gibt einem verletzten Pferd den Gnadenschuss. 

Quelle: ARD

Ludwigshafen. Das hat uns wirklich noch gefehlt: Nun steckt wie ja jeder zweite TV-Kommissar auch Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) tief in der Krise. Und als waschechter Küchenpsychologe weiß man sofort, dass vermutlich ein handfester Burn-Out an der seelischen Misere Schuld hat. Die früher so toughe und mittlerweile dienstälteste Ermittlerin der populären „Tatort“-Reihe hat sich jedenfalls für jeden sichtbar verändert. Sie ist augenscheinlich älter geworden. Die einstige Coolness fehlt.

Statt wie in den Anfangsjahren Ganoven energiegeladen hinterherzuhetzen, wirkt sie jetzt arg frustriert, müde und ausgebrannt. Grübelt ständig bei Kräutertee über den Sinn ihres Berufes und des Lebens sowieso, zeigt ungemein viel Verständnis für ebenfalls psychisch angeschlagene Zeugen oder Verdächtige. Und selbst ihren langjährigen Partner Kopper (Andreas Hoppe), mit dem sie ja wie ein älteres Ehepaar zusammenwohnt, nennt sie plötzlich bei seinem Vornamen Mario. Außerdem, sagt sie, möchte sie bald in eine eigene Wohnung ziehen, dadurch auch äußerlich Privates und Berufliches zukünftig mehr trennen.

Es sei ihr natürlich gegönnt. Und Gemütsmensch Kopper wird es schon verkraften können. Allerdings muss sich auch beim Ludwigshafener-„Tatort“ so einiges ändern. Seit Jahren schon sind die gezeigten Fälle bestenfalls durchschnittlich, ersticken oft in lähmender Routine, bieten wenig Originelles oder gar Innovatives - wie beispielsweise zuletzt die Kollegen aus Dortmund.

Ob der seit der letzten Folge spürbare Versuch, der Figur Odenthal mehr Tiefgang zu verleihen, allein reicht, um wieder aus dieser Krise herauszukommen, muss angesichts des aktuellen von Patrick Winczewski inszenierten Falls mit dem sonderbaren Titel „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ leider bezweifelt werden. Dabei geht die von Harald Göckeritz geschriebene Geschichte ziemlich heftig los. Nicht nur für zartbesaitete Tierfreunde ist der Anfang des Films vermutlich nur schwer zu ertragen: Lena Odenthal, die wegen ihrer schlechten seelischen Verfassung gerade eine Reha auf dem Land bei Ludwigshafen absolviert, wird trotz ihrer Kur an einen nahe gelegenen Tatort gerufen.

Auf einem Gestüt ist morgens in der Früh der Pferdepfleger ermordet aufgefunden worden. Auf einer Koppel liegt zudem ein grausam misshandeltes Pferd. In einer drastischen Szene, die beim Zuschauen richtig schmerzt, tötet die Kommissarin das Tier mit einem Gnadenschuss. Nach diesem höchst emotionalen Einstieg beginnt dann wieder die ganz normale und leider recht langweilig inszenierte Ermittlungsarbeit. Schnell stellt sich dabei heraus, dass ein sogenannter Tier-Ripper in der Gegend sein scheußliches Unwesen treibt.

Wo bleibt die Spannung?

„Menschen, die Pferde verletzen, sind meistens psychisch gestört“, sagt dazu nachdenklich Küchenpsychologin Lena Odenthal, die im Lauf des Films gern ähnlich tiefschürfende Dinge von sich gibt. Bald haben die Ermittler dann auch einen ganz offensichtlich „psychisch gestörten“ Verdächtigen (Ben Münchow) gefunden. Einen jungen Mann, der eine äußerst schwere Kindheit erleiden musste und vermutlich deswegen stottert, allerdings gleich mehrmals trotzig behauptet: „Ich bin kein Psycho.“ Na klar. Merkwürdig verhält sich jedoch auch die fesche Gestütsbesitzerfrau (Alma Leiberg), die - was für ein Zufall - auch eine schwere Kindheit hatte. Und die allein deswegen ja nach der Logik dieses Films irgendwie verdächtig ist.

Spannend jedenfalls ist die erzählte Geschichte nicht. Auf überraschende Wendungen wartet man beim Zuschauen vergeblich. Die zentralen Personen wirken erschreckend eindimensional. Die Dialoge sind einfach nur platt.

Selbst die neue Kollegin von Odenthal und Kopper, die Fallanalytikerin Johanna Stern (Lisa Bitter), kann diesen mittelmäßigen Krimi nicht retten. Dennoch gibt es am Schluss zumindest eine gute Botschaft: Kein Tier, heißt es, sei bei den Dreharbeiten verletzt worden. Gott sei Dank!

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