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Raus aus der Nische

Die Zukunft des Rundfunks Raus aus der Nische

Das alte UKW-Radio hat ausgedient: Immer mehr Menschen hören Radio im Internet. Davon profitieren Dienste wie radio.de.

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Rauf auf’s Sofa, Smartphone an und Musik hören: Allein mithilfe der app radio.de hören 6,5 Millionen Menschen digital Radio.

Quelle: radio.de

Berlin. Das klassische Küchenradio hat seine besten Zeiten hinter sich. Davon ist Michael Bruns überzeugt. Zum einen muss er das sein, denn Bruns ist Marketingmanager bei radio.de, Deutschlands größter Plattform für Hörfunkangebote im Netz. Doch auch die offiziellen Statistiken geben ihm Recht. Laut einer Studie von ARD und ZDF hörten 2010 bereits acht Prozent aller Internetnutzer regelmäßig Radio per Live-stream im Internet. 2010 tauschten in Deutschland bereits mehr als zwölf Millionen Menschen ihr altgedientes UKW-Radio gegen ein netztaugliches. Ein Trend, von dem auch radio.de profitiert. Allein 6,5 Millionen Menschen in Deutschland hören mittlerweile über die entsprechende App für iPhone, iPad oder Android-Handys auch unterwegs Musik oder auch Nachrichten. Denn mit dem Wachstum des Smartphone- und Tablet-Marktes steigt auch das Bedürfnis, sich ständig mobil zu informieren oder unterhalten zu lassen, meint Bruns.

Mehr als 10 000 Radiostationen aus aller Welt versammelt radio.de, ein Tochterunternehmen der Mediengruppe Madsack, auf seiner Plattform - kostenlos. Andere Anbieter, wie beispielsweise phonostar.de, die ebenfalls in Hamburg sitzen, erreichen mittlerweile ähnliche Größenordnungen. Wie so oft kommt das Vorbild aus den USA. 2002 wurde dort TuneIn gegründet, 2005 konnten die Hörer bereits aus über 40 000 Sendern wählen.

Doch nicht nur die Hörerzahlen steigen, auch das Angebot hat sich verändert. „Als wir 2007 gestartet sind, hatten wir vor allem kleine Nischensender im Angebot“, erinnert sich Bruns. Kaum Mainstream, dafür stark zielgruppenorientierte Musikangebote wie Techno oder Heavy Metal. „Teilweise gab es bei diesen Sendern kaum Moderationen, und das Publikum war sehr jung.“ Mittlerweile steht auf Platz eins der beliebtesten Sender auf radio.de 1live, gefolgt von SWR3 und NDR 2. „Seit fast jeder ein Smart-phone besitzt, sind auch die klassischen UKW-Marken im Netz gefragt“, sagt Busch. Das scheinen auch die Sender gemerkt zu haben und verstärken mittlerweile ihre Aktivitäten im Netz.

Bleibt die Frage nach der Zukunft. „Ob das Radio am Apparat hängt, also ein technisches Medium bleibt, oder ob es als reines Internetformat, als Multimedia-Erscheinung weiterleben wird?“, wie der Medientheoretiker Wolfgang Ernst von der Humboldt-Universität Berlin es formuliert. Immerhin ergab eine Studie der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, dass vier Fünftel der deutschen Internetsender sogar ausschließlich online zu empfangen sind. Mittlerweile gibt es 2700 dieser reinen Internetradiostationen in Deutschland. Und der Zuwachs ist rasant: 2006 waren es erst 450.

Bruns hält dagegen, denn für ihn hat der Trend, dass jeder sein eigenes Web-Radio betreiben will, seinen Höhepunkt erreicht. „Die Zahlen stagnieren seit zwei Jahren“, sagt er. Der Grund könnte sein, dass viele erkannt haben, dass anfallende Kosten wie Gema-Gebühren oder die Beiträge für die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten durch fehlende Werbeeinnahmen nicht aufzufangen sind.

Während in den meisten Küchen die Musik bereits aus dem Tablet-Lautsprecher oder dem Laptop kommt, gibt es eine letzte Bastion, wo das UKW-Radio immer noch tonangebend ist: im Auto. Denn wer einmal versucht hat, als Beifahrer auf der Autobahn eine E-Mail zu versenden, weiß, dass das Netz dort immer noch löchrig ist. Doch auch das scheint sich mit der Verbreitung des neuen Mobilfunkstandards LTE langsam zu ändern. Der sorgt für ein schnelles und lückenloses Netz.

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