Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Provinz-Playboy unter Verdacht

arte-Krimi Provinz-Playboy unter Verdacht

Der arte-Krimi „Für immer ein Mörder“ beleuchtet einen Kriminalfall aus der Wendezeit – alte Stasi-Seilschaften inklusive.

Voriger Artikel
Hackerangriff trübt Ebay-Bilanz
Nächster Artikel
Schauspieler Dietmar Schönherr gestorben

Neue Fakten in alten Akten: Yvonne Weber (Teresa Weißbach), Frau Michel (Anne-Kathrin Gummich) und Frank Wolf (Hinnerk Schönemann) auf Spurensuche im Archiv.Foto: arte

Hannover. Was für eine kniffelige Geschichte! Und was für ein Krimi, der ohne Mord oder spektakuläres Verbrechen auskommt und dennoch spannend bis zum Schluss bleibt. Dabei hat der Fall, bei dem sich Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt von wahren Begebenheiten hat inspirieren lassen, inzwischen sogar seine politische Brisanz verloren. Zum Glück, denn manche Dinge erledigt halt der Lauf der Zeit. Und alte ­Stasi-Seilschaften mag es zwar heute auch noch geben, aber sie haben keine so große Bedeutung mehr wie im Jahr 2000, in dem dieser Film spielt.

Schauplatz von „Für immer ein Mörder - Der Fall Ritter“ ist das thüringische Eisenach. Dorthin wird die aus Frankfurt am Main stammende Kommissarin Yvonne Weber (Teresa Weißbach) versetzt und gleich mit einem scheinbaren Routinefall konfrontiert, der jedoch schnell eine ungewöhnliche Eigendynamik entwickelt: Ein Jahr vor der Verjährungsfrist für alle ostdeutschen Straftaten vor der Wende soll sie mit ihrem Eisenacher Kollegen Frank Wolf (Hinnerk Schönemann) einen ungeklärten Mordfall aus dem Jahre 1983 noch einmal überprüfen. Damals wurde eine Polizistentochter umgebracht und der Rockmusiker und notorische Frauenheld Konrad Ritter als vermeintlicher Mörder festgenommen und verurteilt. Anderthalb Jahre später wurde er nach einem Revisionsverfahren jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Doch für die Bewohner (und für die Polizei) aus Eisenach blieb er dennoch der Frauenmörder. Sie glauben, dass der Provinz-Playboy nur durch die Raffinesse eines Anwalts wieder in Freiheit sei.

TV-Tipp

„Für immer ein Mörder“, Drama mit Hinnerk Schönemann
, am Freitag um 20.15 Uhr auf arte.

Auch Frank Wolf, der sich nur widerwillig an die Ermittlungsarbeit macht und die Sache schnell erledigen möchte, hält ihn für schuldig. Doch bei ihren Untersuchungen stößt das ungleiche Polizistenduo nicht nur schnell auf Ungereimtheiten und Widersprüche. Auch die Fakten wurden damals offenbar zuungunsten Ritters manipuliert. Es gab vermutlich sogar menschenunwürdige Vernehmungsmethoden, die durchaus an Folter grenzten. Und auch die örtliche Stasi mischte irgendwie mit - aus anfangs kaum ersichtlichen Gründen.

Da sich damals auch alte Kollegen von Wolf alles andere als korrekt verhalten haben, steckt er nun in einem Dilemma: Seine bisher so wohlgeordnete kleine provinzielle Polizistenwelt bekommt Risse, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Und Menschen, denen er immer vertraut hat, zeigen plötzlich, zu welchem Unrecht sie einst fähig waren - und immer noch sind, weil die alten Seilschaften eben auch zehn Jahre nach der Wende erstaunlich viel Einfluss besitzen.

Bei alldem kommt der von Johannes Grieser inszenierte Film, der mehr Krimi als zeitgeschichtliches Drama ist, zwar nicht völlig ohne Klischees aus, aber die kniffelige Ermittlungsarbeit und das mühevolle Herumstochern in der jüngsten Vergangenheit werden dafür umso spannender inszeniert. Und vor allem für den Zuschauer stets nachvollziehbar.

Überzeugend agieren auch die beiden Hauptdarsteller: Teresa Weißbach, die anfänglich von ihrem Kollegen noch als „Nervensäge“ tituliert wird, gewinnt im Laufe des Films immer mehr Profil. Und Hinnerk Schönemann, der auch hier - wie in fast allen seinen Filmen - schnell zum Sympathieträger wird, verkörpert den Wandel vom auf Harmonie bedachten Polizisten zum misstrauischen Ermittler überzeugend.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien
24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr