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Medien Rauer Umgangston bei Wikipedia verprellt immer mehr Autoren
Nachrichten Medien Rauer Umgangston bei Wikipedia verprellt immer mehr Autoren
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19:13 04.04.2011
Kostenloses Wissen: In der deutschsprachigen Version der Wikipedia sind derzeit über 1,2 Millionen Artikel abrufbar. Quelle: dpa

Das Online-Lexikon Wikipedia eilt von Bestmarke zu Bestmarke. Fast jeden Monat verkündet Sue Gardner, Direktorin der Wikimedia Foundation, Rekorde bei den Zugriffszahlen, allein im März suchten weltweit 400 Millionen Menschen nach Informationen. Die deutschen Wikipedianer, wie sich die Wissenssammler nennen, wollen das Projekt sogar zum Weltkulturerbe ernennen lassen. Es könnten also goldene Zeiten anbrechen – doch das Gegenteil ist der Fall: Der Internet-Enzyklopädie laufen im zehnten Jahr des Bestehens die ehrenamtlichen Autoren davon.

Laut einer Studie der Wikimedia Foundation werden die Artikel von immer weniger unterschiedlichen Personen geschrieben. Immer seltener bleiben Neulinge dem Autorenkreis erhalten, die meisten haben nach einem Jahr wieder aufgegeben. Und besonders gravierend ist die Situation in der deutschsprachigen Wikipedia, schreiben die Macher der Studie. Schuld daran sei ein nervenaufreibender und im Umgangston rauer Kleinkrieg, der seit Langen hinter den Kulissen der deutschen Wikipedia tobt. Dabei geht es stets um die Relevanzfrage: Was darf rein und was nicht?

Das ursprüngliche Ziel von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales lautete, „jeder Person freien Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit zu ermöglichen“. Nur – was umfasst das „gesamte Wissen“? Alles, was relevant ist – darauf haben sich die Wikipedianer geeinigt. Regeln soll das ein detaillierter Kriterienkatalog, der wichtige von unwichtigen Artikeln unterscheidet. Auf den 30 DIN-A4-Seiten steht zum Beispiel, dass ein Busunternehmen mindestens eine Million Kilometer pro Jahr zurücklegen und ein Weingut zwei Staatsehrenpreise bekommen haben muss, um als „relevant“ zu gelten. Nicht nur für Neulinge ein schwer zu durchschauendes Sammelsurium. Was gegen diese Kriterien verstößt, wird zum Löschen vorgeschlagen.

So erging es auch Ernie G. Wasson, der unlängst zum Sinnbild der ausufernden Relevanzdebatte geworden ist. Der Beitrag über den US-Salbeiforscher war Ende 2009 der einmillionste Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia. Ein Teil der Wikipedia-Gemeinde verfuhr mit dem Jubiläumseintrag jedoch äußerst rabiat: Wasson sollte gelöscht werden. Der sei nur ein simpler Gärtner, monierte ein Nutzer, und löste damit eine wochenlange Diskussion über Sinn und Unsinn der Relevanzkriterien aus. Die Debatte offenbarte ein Dilemma, das die Wikipedia bis heute verfolgt: Da fast alle großen Themen ausführlich behandelt sind, wird es für Autoren zunehmend schwerer, nicht mit den Relevanzkriterien zu kollidieren. Eine Gruppierung innerhalb der Autorengemeinschaft, die sogenannten Inklusionisten, fordert dennoch, weiterhin möglichst viele Informationen in die Wikipedia aufnehmen. Überzeugte Inklusionisten haben gar ein Wiki für gelöschte Wikipedia-Artikel ins Netz gestellt (www.pluspedia.de). Die Gruppe der Exkludisten dagegen will die Zahl der Einträge beschränken und stattdessen die Qualität der bestehenden Artikel erhöhen. Die Heftigkeit der Debatte zwischen den Gruppen zieht einen tiefen Graben durch die Community und verprellt immer mehr Neuautoren.

Auch die rund 280, von der Autorengemeinschaft gewählten Administratoren sind sich untereinander nicht grün. In einer Umfrage kritisierten sie im vergangenen Jahr die „unterirdische“ Diskussionskultur sowie eine „feindliche Atmosphäre“. Einige Administratoren attestierten ihren Kollegen gar eine „Elitenbildung und Abschottung“. Jeder Vierte gab an, „frustriert zu sein“. Unklar ist, warum besonders die deutsche Wiki-Community offenbar zu Erbsenzählerei und Kleinkrieg neigt. Immer schneller greift man sich immer heftiger an, dabei geht es nicht selten um Eitelkeiten statt um Sachargumente.

Und was sagt Lexikon-Gründer Jimmy Wales? Der hat sich in der Debatte unlängst auf die Seite der Exkludisten geschlagen. „Es gibt einige Dinge, die man getrost rausschmeißen könnte“, sagte er in einem Interview. Die Artikelanzahl allein sei nicht entscheidend. Er wolle die Qualität erhöhen und mehr Akademiker zum Schreiben animieren. Ohnehin sieht Wales die Löschdebatten als Garant für Neutralität und Qualität. Denn nicht alles, was zum Löschen vorgeschlagen wird, verschwindet zwangsläufig. Wie Ernie G. Wasson: Der Salbeiforscher durfte online bleiben, nachdem eifrige Autoren das Netz nach Belegen durchstöberten hatten, dass Wasson eben doch mehr als nur ein Gärtner ist.

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