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Medien Neue Ära des Journalismus’ unter Präsident Trump
Nachrichten Medien Neue Ära des Journalismus’ unter Präsident Trump
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15:37 27.07.2017
US-Präsident Donald Trump. Quelle: AP
New York

Die Zeitungen liefern eine Enthüllung nach der anderen. Das Fernsehen steigt ein und dreht die Storys weiter. Die amerikanischen Medien müssen derzeit zwar viel Schelte ertragen. Doch gleichzeitig bietet ihnen die politische Lage so viel Stoff, dass sie auftrumpfen können wie schon lange nicht mehr.

„Es ist extrem unberechenbar geworden“, sagt Charles Moore, der die CNN-Sendung „Anderson Cooper 360“ produziert. „Die Unberechenbarkeit ist inzwischen die Norm, und das ist wirklich einzigartig.“ Gerade die Abendnachrichten stehen vor einer ganz neuen Situation. Zum Teil liegt das auch daran, dass große Blätter wie die „New York Times“ oder die „Washington Post“ ihre Aufmacher nicht mehr bis zum Morgen zurückhalten, sondern oft schon am Nachmittag online stellen.

Die festen Rhythmen des Tages gibt es nicht mehr

Die vergangenen Tage und Wochen waren besonders extrem: neue Versuche zur Aufhebung der Gesundheitsreform von Barack Obama scheitern; Trump distanziert sich von seinem Justizminister; Sohn und Schwiegersohn des Präsidenten sollen vor Kongress-Ausschuss aussagen; Senator John McCain erkrankt an Krebs; Trump verkündet per Tweet, dass Transgender-Personen nicht länger beim Militär zugelassen werden sollen – eine Entscheidung, die heftige Kritik nach sich zog.

Von den ständigen Skandalen profitieren dabei Verlage und Sender gleichermaßen. Die Zeitungen bringen alle paar Stunden neue Exklusivberichte, wodurch die Fernsehnachrichten immer frische Themen haben. Befördert wird dies dadurch, dass Reporter der Zeitungen oft in den TV-Studios zu Gast sind. Der Sender CNN hat beispielsweise feste Kooperationen mit Maggie Haberman von der „New York Times“ und mit Adam Entous von der „Washington Post“.

Die erhöhte Aufmerksamkeit zahlt sich für die Verlage auch finanziell aus. So konnte die „New York Times“ in den ersten drei Monaten dieses Jahres 308.000 neue Online-Abonnenten hinzugewinnen, mehr als je zuvor in einem Quartal. Im zweiten Quartal konnte sie „Times“ ihre digitalen Werbeumsätze noch einmal um 23 Prozent auf insgesamt 55 Millionen US-Dollar steigern. Insgesamt verzeichnet das Medium derzeit 2,3 Millionen Abonnenten der Digitalausgaben.

Eine spannende Zeit, um Journalist zu sein

Um sich gegen das Unberechenbare zu wappnen, halten die TV-Sender Experten in Rufbereitschaft. Aufseiten der Mitarbeiter ist Vielseitigkeit gefragt. In der vergangenen Woche etwa habe sich Washington-Korrespondent Jeff Zeleny für eine Übertragung auf dem Rasen vor dem Weißen Haus aufgestellt, sagt Moore. Die Live-Schaltung sei zustande gekommen. Kurzfristig sei es aber um ein ganz anderes Thema gegangen als ursprünglich geplant.

Die Arbeit unter solchen Bedingungen könne ziemlich hektisch und strapaziös sein, meint auch Moderator Denis Horgan von MSNBC. Aber auch deswegen habe er diesen Beruf gewählt. „Es gibt so viele Redaktionen, vor allem die "Times" und die "Post", die gerade alle Register ziehen und dabei fast Unvorstellbares leisten.“ Es sei daher eine wirklich spannende Zeit, um Journalist zu sein.

Das Schwergewicht auf dem amerikanischen TV-Markt ist aber noch immer der erzkonservative Sender Fox News. Und dort ist von turbulenten Zeiten kaum etwas zu spüren. Am Tag nachdem die Konkurrenz sich an dem zunächst geheim gehaltenen Treffen Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin abgearbeitet hatte, kommentierte Fox-Moderator Sean Hannity bloß abfällig die Berichterstattung der „Zerstört Trump“-Medien.

Von RND/ap