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#nacktfuergysi – kann Twitter ein Zeichen setzen?

Freikörperkultur #nacktfuergysi – kann Twitter ein Zeichen setzen?

Nackte Menschen sind überall: in Lieblingsserien, Werbung, bei Google-Suchen. Ausgerechnet an Badestränden sehen sie einige auf dem Rückzug. Ein Forscher sieht einen Zusammenhang.

Vielerorts wird FKK immer noch gelebt – wenn auch nicht mehr so freizügig.
 

Quelle: dpa

Merseburg. Else Buschheuer hat ein Herz für FKK. Und für Gregor Gysi. Zumindest startet die Schriftstellerin und Journalistin auf Twitter den Versuch, per Hashtag #nacktfuergysi einen Trend auf dem Kurznachrichtendienst zu starten. Sie selbst geht voran – und postet ein Foto vom Strand, sie selbst hüllenlos am Horizont. Der Linken-Politiker reagierte prompt, offenbar mit einer Textnachricht an Buschheuer: „Liebe Else, auf dem Bild bist du ja kaum zu erkennen. Das ist ja Schummel. Ich mache es erst, wenn es auch Angela Merkel macht. Liebe Grüße Gregor“, schreibt Gysi. Sehr wahrscheinlich, dass er sich ebenfalls hüllenlos zeigt, dürfte es also nicht sein. Und das ist bezeichnend, denn kaum ein Nutzer folgt Buschheuers Beispiel. Damit scheint Twitter einen Beleg für das zu liefern, was der Linken-Politiker Gysi medienwirksam beklagt: Die Freikörperkultur, das Nacktbaden, ist auf dem Rückzug.

Der 69-Jährige bedauert das im „Playboy“, Fachblatt für vornehmlich weibliche Nacktheit. In der „Bild“-Zeitung, die Gysi zum „Nacktivisten“ erklärt, legt er nach. Die Zeit sei reif, FKK wieder auszudehnen: „Da kann der Westen was vom Osten lernen.“ Stirbt FKK ausgerechnet in den Zeiten aus, in denen sogar langjährige Tabus wie Strümpfe in Adiletten zu Fashion-Trends erklärt werden?

Forscher: Keine neue Prüderie

„FKK ist sicherlich nicht totzukriegen, das ist die gute Nachricht“, sagt Konrad Weller, Professor für Sexualwissenschaft an der Hochschule Merseburg. Allerdings gebe es einen Wandel. Er selbst habe in mehreren Studien festgestellt, dass der öffentliche wie auch der familiär-private Umgang mit dem Nacktsein im Osten Deutschlands seit der Wiedervereinigung verhaltener geworden sei. „In den letzten Jahren der DDR hatten 90 Prozent der Jugendlichen FKK-Erfahrungen. Im Jahr 2013 war es nur noch die Hälfte“, sagt Weller. Auch die Vorbehalte seien größer geworden. Eine neue Prüderie sieht er nicht.

Vielmehr sorge die dauerpräsente mediale Nacktheit dafür, dass die leibhaftige Variante wieder beschämender aufgenommen werde, sagt Weller. Blanke Haut verliere ihre Unschuld. Der Blick sei ein anderer als in der entspannten und breit gelebten FKK-Kultur der DDR, die heute viele Heranwachsende nicht mehr erlebten. „Die Vorstellung, Nacktheit zu sehen, ohne erregt zu sein, fehlt“, so der Forscher.

Die meisten FKK-Vereine gibt es im Westen

FKK sei zunächst einmal eine Frage der Definition, sagt der Präsident des Deutschen Verbands für Freikörperkultur (DFK), Herbert Steffan. „Wenn es um die geht, die bei Gelegenheit mal nackt in den Badesee springen, dann reden wir von Millionen.“ Und dann gebe es den harten Kern, der Sommer wie Winter die Freikörperkultur pflege. In den 135 Vereinen in Deutschland seien knapp 35 000 Fans organisiert. Sie frönten nackt ihren Hobbys – von Volleyball, über Tischtennis, Saunagängen oder eben Schwimmen – oft auf eigenem Gelände oder Campingplätzen. Und die meisten Vereine gebe es im Westen Deutschlands. FKK, gar keine klassische Ost-Tradition?

Doch, sagt DFK-Präsident Steffan. Die ersten Vereine für Freikörperkultur seien um 1900 entstanden, in der Zeit des Nationalsozialismus wurden sie aufgelöst. Im geteilten Deutschland sei FKK im Osten einfach wirklich frei und überall gelebt worden. Im Westen wurde sie laut Steffan auf die Vereinsgelände der FKK-Anhänger verbannt. „Bis heute fassen wir im Osten kaum Fuß, weil die Menschen sagen: Warum soll ich eintreten? FKK kann ich überall machen.“

Zum Beispiel im Heidebad am Rande von Halle. Badbetreiber Matthias Nobel nennt die Nacktbader seine treusten Gäste. „Auf die kann man zählen, die kommen auch, wenn es ein bisschen regnet.“ Ein Drittel seiner Badegäste seien textilfrei unterwegs. Die Vorsitzende des Vereins für Körperkultur in Berlin-Südwest, Karin Siebert, konstatiert dagegen abnehmendes Interesse – und größere Vorsicht. „Früher kamen die Menschen nackt auf die Wiese, heute kommen sie angezogen – und ziehen sich dann zögerlich aus.“

Sexualwissenschaftler Weller sieht dafür berechtigte Gründe. Es gebe einen sensibleren Umgang mit Nacktheit, auch wegen des seit einigen Jahren allgegenwärtigen Filmens und Fotografierens.

FKK an der Ostsee immer noch populär

Und wie sieht es dort aus, wo die FKK-Kultur in der DDR ihr Zentrum hatte, an der Ostsee? Dort gibt es nach wie vor viele FKK-Strände, sagt Katrin Hackbarth vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Allein elf von ihnen auf Usedom, sieben auf Rügen. „Es kommt hinzu, dass sich die Gäste auch nicht immer nach den Schildern richten.“ An vielen Stränden gebe es ein friedliches Miteinander zwischen Angezogenen und Nackten.

Das sei durchaus erlaubt, betont DFK-Präsident Steffan. „Solange sich keiner daran stört, kann man auch an nicht extra ausgeschilderten Stränden und Seen nackt baden gehen.“ Sieht Gysi die ostdeutsche FKK-Leidenschaft also übertriebenerweise als bedroht an? Sexualwissenschaftler Weller sieht darin eher ein weiteres Kapitel in einer ewigen Diskussion. „Es ist ein Running Gag des deutsch-deutschen Zusammenwachsens, dass wir auch 27 Jahre nach der Wende noch Eigenheiten propagieren - und da gehört FKK dazu.“

Auf Twitter entpuppte sich dann auch Gysi als zurückhaltender Kämpfer für das Baden ohne alles. Else Buschheuer hatte den Linken-Politiker aufgefordert, sich an #nacktfuergysi zu beteiligen. Statt eines Fotos postete die Schriftstellerin einige Stunden später einen Screenshot einer an sie privat gesendeten Antwort: „Liebe Else, auf dem Bild bist du ja kaum zu erkennen. Das ist ja Schummel. Ich mache es erst, wenn es auch Angela Merkel macht. Liebe Grüße Gregor.“

Von dpa/RND/caro

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

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