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Netzwelt Kunstfreiheit: Hakenkreuze in Videogames teils legal
Nachrichten Medien Netzwelt Kunstfreiheit: Hakenkreuze in Videogames teils legal
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13:16 10.08.2018
In der US-Version des Spiels „Wolfenstein II: The New Colossus“ sind auf dem Arm, den Helmen und am Hemdkragen Hakenkreuze statt des fiktiven Symbols. Quelle: Bethesda Softworks/Steam
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Hannover

Viele Videospieler dürfte es freuen – ab sofort gilt die sogenannte Sozialadäquanzklausel auch für Videospiele. Das gab die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) bekannt. Man wolle jetzt Videospiele im Einzelfall prüfen und dann entscheiden, ob die NS-Symbole ein Indizierungsgrund seien. „Durch die Änderung der Rechtsauffassung können Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, erstmals mit einem USK-Alterskennzeichen versehen werden“, sagt Elisabeth Secker, die Geschäftsführerin der USK. Das sei bei Filmen schon lange der Fall und „auch im Hinblick auf die Kunstfreiheit richtigerweise jetzt auch bei Computer- und Videospielen“, so Secker weiter.

Bisher durften in Deutschland veröffentlichte Spiele keine Hakenkreuze, SS-Runen oder Hitler-Abbildungen zeigen. Ausnahmslos galt das bisher als „Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen“ und war nach §86 StGB und nach §86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) verboten. Darauf stehen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren.

Ausnahmen gab es schon immer

Für Forschung, Lehre, Wissenschaft, zeitgeschichtliche Dokumentationen und die Kunst waren schon immer Ausnahmen vorgesehen. So sind auch Serien wie „Ein Käfig voller Helden“ oder „Men In The High Castle“ und Filme wie „Der Untergang“ oder „Inglourious Basterds“ möglich gewesen. Bei Videospielen war es bisher die Regel, dass Produkte, die Hakenkreuze oder sonstige Nazi-Symboliken enthalten, indiziert wurden – was einem faktischen Verkaufsverbot gleichkam. Daher wurden Spiele, die eigentlich im „Dritten Reich“ spielen, oft von den Entwicklern selbst zensiert. Hakenkreuze und SS-Runen wurden entfernt, die Handlung oft in eine fiktive Welt verlegt.

Gewalt in Videospielen

Eine weitere Besonderheit des Deutschen Rechts – neben dem Verbot von NS-Symbolen –, auf die Entwickler achten müssen, ist §131 – Gewaltdarstellung. Auch hier kann es Freiheits- oder Geldstrafen geben, wenn die Darstellung eine Gewaltverherrlichung oder -verharmlosung zeigt. Auch hier sollte eigentlich die Kunstfreiheit greifen, doch die Entwickler wollen keine Indizierung riskieren und schneiden die Videospiele schon entsprechend, bevor die Spiele der USK vorgelegt werden. In „Call of Duty: Modern Warfare 2“ gibt es eine Mission, bei der man auf Passanten in einem Flughafen schießen kann. In der originalen US-Version hat der Spieler die Wahl: Er könnte auf die unschuldigen Fluggäste schießen oder sich nicht an dem Gemetzel der virtuellen Partner beteiligen. Dann bekommt er aber keine Punkte für die Mission gutgeschrieben und kann den Spielstand nicht mit 100 Prozent abschließen. In der Deutschen Fassung wurde diese Option gestrichen – man kann schlicht nicht schießen.

Videospiele indizieren kann nur die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die Sichtung der Spiele übernimmt die USK. Ist ein Videospiel indiziert, darf das Spiel weder beworben noch verkauft werden. Werden Spiele nicht von der USK überprüft, dann werden sie generell als „keine Jugendfreigabe“ eingestuft und dürfen erst ab 18 Jahren gespielt werden. Eine Überprüfung der USK kostet die Herausgeber der Spiele 1200 Euro.

Entwickler bearbeiten die Spiele für den deutschen Markt

Das Videospiel „Wolfenstein“ spielt eigentlich im Zweiten Weltkrieg, jedoch wurden in der deutschen Version alle Anzeichen dafür entfernt. Der Protagonist Blazkowicz kämpft in dem Ego-Shooter nicht etwa gegen die Nazis, sondern gegen die „Sekte der Wölfe“. In einem Nachfolger des Spiels, Wolfenstein II: The New Colossus“, wurde aus der Sekte ein namenloses Regime. Im amerikanischen Original kommt Hitler als Gegenspieler vor. In der Deutschen Version heißt er „Heiler“ und wird mit „mein Kanzler“ angesprochen. Selbst sein Äußeres wurde verändert, der Oberlippenbart wurde – extra für die Deutsche Version – entfernt. Der Protagonist und Held des Spiels hat auch keine jüdischen Eltern, die in einem Vernichtungslager ermordet wurden, sondern sie starben einfach in Gefangenschaft.

Von Frida Kammerer/RND

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