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20:09 01.06.2018
Der Asteroid 2015 BZ 509 ist das erste bekannte Beispiel für ein Himmelsobjekt aus einem anderen Sonnensystem, das dauerhaft von unserer Sonne eingefangen wurde. Quelle: NASA/JPL-Caltech
Hannover

Er heißt “Oumuamua“, was so viel wie “Bote aus der Ferne“ bedeutet – und in diese verschwand er Ende vergangenen Jahres auch nach kurzer Zeit wieder. Doch für Astronomen ist er eine Sensation: “Oumuamua“ ist der erste jemals entdeckte Asteroid, der aus einem anderen Sonnensystem stammt.

Für ihn wurde eigens eine neue Kategorie von Himmelskörpern festgelegt: Kategorie I, wobei „I“ für interstellar steht. Nur wenige Monate später haben Wissenschaftler das zweite Objekt der Kategorie I identifiziert – und wieder ist es für die Forschung ein Fest: Der Brocken mit der Katalognummer 2015 BZ 509 stammt nicht nur aus der Ferne des Alls, sondern ist dauerhaft in unser Sonnensystem eingewandert.

Der neue Asteroid bewegt sich ungefähr auf der Umlaufbahn des Riesenplaneten Jupiter um unsere Sonne. Allerdings ist er eine Art kosmischer Geisterfahrer: Er kreist in entgegengesetzter Richtung zu fast allen anderen Himmelsobjekten unseres Systems.

Diese künstlerische Darstellung zeigt den Asteroiden 1I/2017 U1 "Oumuamua". Der unerwartete Besucher aus den Tiefen des Alls begeisterte vergangenes Jahr Weltraumforscher: Zum ersten Mal hatten Astronomen den Durchflug eines Asteroiden aus einem anderen Sonnensystem beobachtet. Quelle: ESO

Die Wissenschaft ist heute überzeugt, dass es einen Grund dafür gibt, dass sich nahezu alle Objekte in unserem System in einer Richtung bewegen. Die Idee dazu hatte schon der Philosoph Immanuel Kant, der 1755 von einer Urwolke schrieb, aus der Sonne und Planeten entstanden sein könnten.

Heute spricht man von einer Molekülwolke, die sich vor 4,6 Milliarden Jahren um sich selbst drehte. Durch die Drehung entwickelte sich eine rotierende Scheibe, die Materie verdichtete sich innen zu einer Sonne, außen zu einer Reihe von Planeten und vielen kleineren Objekten, etwa Kometen und Asteroiden. Alle diese Materieklumpen behielten ihre ursprüngliche Drehrichtung bei.

Asteroiden waren dabei keine Ausnahmeerscheinung. Bis heute sind mehr als 750 000 in unserem Sonnensystem bekannt, nur einige wenige sind mehrere Hundert Kilometer groß. Bis zu einer Größe von 1000 Kilometern nennt man sie Kleinplaneten, größere werden als Zwergplaneten bezeichnet.

Dauerhaft von der Sonne eingefangen

Dank immer besserer Teleskope werden ständig neue Asteroiden entdeckt, 2015 BZ 509 wurde vor drei Jahren gefunden. Seither untersuchen Wissenschaftler seine seltsame Bahn. Fathi Namouni vom Observatorium der Cote d’Azur in Frankreich und Helena Morais von der Staatlichen Universität São Paulo in Brasilien haben ihre Analysen jetzt in einem britischen Fachblatt vorgestellt.

Sie sind überzeugt, dass der Asteroid das erste bekannte Beispiel für ein Himmelsobjekt aus einem anderen Sonnensystem ist, das dauerhaft von unserer Sonne eingefangen wurde.

“Wie der Asteroid dazu kam, sich auf Jupiters Umlaufbahn in diese Richtung zu bewegen, war bislang ein Rätsel“, berichtete Namouni in einer Mitteilung der Royal Astronomical Society. “Wenn 2015 BZ 509 ursprünglich aus unserem System stammen würde, sollte er dieselbe Originalrichtung besitzen wie alle anderen Planeten und Asteroiden, vererbt von der Gas- und Staubwolke, aus der sie entstanden sind.“

Dank immer besserer Teleskope werden ständig neue Asteroiden entdeckt, 2015 BZ 509 wurde vor drei Jahren gefunden. Quelle: Shutterstock

Namouni und Morais hatten die Bahn des Geisterfahrer-Asteroiden mit Simulationsrechnungen in die Vergangenheit zurückverfolgt. Die Analyse zeigt, dass sich bis zur Entstehung unseres Sonnensystems keine Konstellation ergibt, bei der sich die Bewegungsrichtung des Brockens in die heute beobachtete Richtung hätte drehen können.

Denkbar wäre zum Beispiel gewesen, dass er durch einen Zusammenstoß mit einem anderen Objekt auf den neuen Kurs gezwungen wurde. Oder auch die Anziehungskraft der Planeten, vor allem des Riesen Jupiter, hätte 2015 BZ 509 stark beeinflusst haben können.

Doch für eine 180-Grad-Wende kommt keine dieser Erklärungen infrage. Er muss also aus einem anderen Sonnensystem stammen und eingefangen worden sein, folgerten die Wissenschaftler.

Seit Urzeiten auf Kollisionskurs

Zu seinen Besonderheiten gehört, dass er im Grunde seit Urzeiten auf Kollisionskurs mit dem Gasriesen Jupiter ist – ein Zusammenstoß hätte ihn vollständig vernichtet. Warum es bisher nicht zum Crash gekommen ist, hat ein Team von Astronomen schon bald nach seiner Entdeckung erforscht: Über einen Zeitraum von 600 Tagen beobachteten sie die Bahn von 2015 BZ 509.

Dabei stellten sie fest, dass er 11,65 Jahre für einen Umlauf um die Sonne benötig – fast genau so lang wie Jupiter. Etwa alle sechs Jahre treffen sich die beiden. Allerdings bewegt sich der kleine Asteroid auf einer Bahn, die leicht geneigt ist zu der des großen Planeten. So kommen sich die beiden nie näher als 176 Millionen Kilometer. Zum Vergleich: Die Erde ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.

Rückschlüsse auf die Kinderstube unserer Sonne

2015 BZ 509 wurde vermutlich in unser System gezwungen, als die Sonne sich noch in dem eng gepackten Sternenhaufen befand, in dem sie vor Milliarden von Jahren entstanden ist. “Die Nähe der Sterne, unterstützt durch die Gravitationskräfte der Planeten, half diesen Systemen, Asteroiden anzuziehen, herauszulösen und einzufangen“, erläuterte Morais.

Wenn sich die genaue Zeit bestimmen ließe, zu der 2015 BZ 509 in unser System kam, könnte dies Rückschlüsse auf die Kinderstube unserer Sonne erlauben, einschließlich der chemischen Zusammensetzung und einer möglichen Anreicherung mit den nötigen Zutaten, die schließlich zur Entstehung von Leben auf der Erde geführt haben.

Von Valentin Frimmer und Udo Harms

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