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Medien SPD-Politikerin erhält Hassbotschaften – weil sie eine Rolex trägt
Nachrichten Medien SPD-Politikerin erhält Hassbotschaften – weil sie eine Rolex trägt
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18:38 22.10.2018
Dieses Foto aus dem Jahr 2014 steht im Fokus der Debatte: Sawsan Chebli, damals stellvertretende Sprecherin des Außenministeriums. Quelle: Hannibal Hanschke/dpa
Berlin

Das Social-Media-Team des Schweizer Uhrenherstellers Rolex konnte die letzten beiden Tage getrost frei nehmen. Der Hashtag #Rolex läuft rauf und runter in den sozialen Netzwerken – dank eines für digitale Verhältnisse uralten Fotos der Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli aus dem Jahr 2014.

Ein Facebook-Nutzer postete es mit dem Kommentar „Alles was man zum Zustand der deutschen Sozialdemokratie 2018 wissen muss“. Das Foto zeigt die damalige Vizesprecherin des Auswärtigen Amts und heutige Berliner Staatssekretärin mit der Luxusuhr, Modell „Datejust 36“, die 7300 Euro kostet, am Handgelenk.

Darf eine Sozialdemokratin eine so teure Uhr tragen?

Darf also eine aus Steuergeldern bezahlte Sozialdemokratin eine so teure Uhr tragen? Die Frage im Fokus der Debatte offenbart auf der einen Seite die intellektuelle, moralische und politische Begrenztheit, mit der sich Nutzer über eine Frau wie Sawsan Chebli hermachen. „Ich empfehle übrigens dringend eine Umbenennung in Raffzahn Chebli, dem Wähler zu Liebe“, empfiehlt jemand auf Twitter. Ein anderer witzelt: „Bei der SPD spielt Geld keine Rolex.“ Der nächste Follower twittert über die „sozialistische Heuchlerin“.

Auf der anderen Seite schafft es die Netzgemeinde aber auch immer wieder, die Schieflage in „Debatten“ wie dieser einigermaßen in die Waage zu bringen. Twitter-User etwa schreiben „Was geht euch Neidhammel eigentlich an, welche Uhr jemand trägt?“ oder „Deutschland, am Samstag Nachmittag. Die Lage ist dramatisch“.

FDP-Chef Lindner hält Vorwürfe für abwegig

Unterstützung erfährt sie sogar von politischen Gegnern. FDP-Chef Christian Lindner, dem Chebli im September via Twitter „Kuscheln mit der AfD“ vorgeworfen hatte, twitterte: „Was Sawsan Chebli im Öffentlichen Dienst verdient, ist bekannt. Über ihre Arbeit kann man demokratisch entscheiden. Was sie mit ihrem verdienten Geld privat macht, geht niemanden etwas an. Soll sie doch x Rolex tragen. Man muss nicht arm sein, um gegen Armut zu sein.“ Später fügt der Liberale hinzu: „Hier geht es darum, dass ihr vorgehalten wird, SPD-Werte nicht vertreten zu können WEIL sie eine Rolex trägt. Das ist abwegig.“

Chebli beherrscht Klaviatur der sozialen Netzwerke

Die 40-jährige Chebli beherrscht selbst die Klaviatur sozialer Netzwerke ausgezeichnet, formuliert kantig und setzt sie zu ihren Zwecken ein. Wütende Kommentare erhielt sie 2016 nach der Bemerkung, die Scharia sei mit dem Grundgesetz vereinbar oder dem Vorschlag, Jugendliche zu Besuchen in KZ-Gedenkstätten zu verpflichten. Auch die jüngste Debatte konterte sie noch: „Wer von Euch Hatern (Hassern) hat mit 12 Geschwistern in 2 Zimmern gewohnt, auf dem Boden geschlafen&gegessen, am Wochenende Holz gehackt, weil Kohle zu teuer war? Mir sagt keiner, was Armut ist. #Rolex“.

„Ich würde sie ja sofort verschenken“

Doch ausgerechnet bei einer Diskussionsrunde des Bundesrats-Rechtsausschusses zum Einfluss des Netzes auf die Politik musste Chebli gestern zugeben, dass sie ihren Facebook-Account deaktivieren musste. „Ich erlebe nahezu täglich Shitstorms“, konstatierte die Politikern. Und normalerweise könne sie damit umgehen.

Die Menge von Hassbotschaften im #Uhrengate #Rolex konnte Chebli jedoch nicht mehr bewältigen. Immerhin hat die streitbare Sozialdemokratin, die wegen der Uhr für den Misserfolg ihrer Partei haftbar gemacht wird, ihren Humor nicht verloren. „Ich würde sie ja sofort verschenken und mit ihr meine Schuhe und Klamotten und überhaupt alles, was ich habe, wenn wir dann allein regierten.“ Schrieb sie. Auf Twitter.

Von Thoralf Cleven/RND

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