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Medien Kollegah und Farid Bang dürfen auf den Echo hoffen
Nachrichten Medien Kollegah und Farid Bang dürfen auf den Echo hoffen
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18:10 06.04.2018
In der Kritik: Rapper Kollegah bei seinem Auftritt im März im Haus Auensee in Leipzig. Quelle: dpa
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Berlin

Die Rapper Farid Bang (31) und Kollegah (33) bleiben trotz Antisemitismus-Vorwürfen für den Musikpreis Echo nominiert. Der Ethikbeirat des Preises hat sich mehrheitlich gegen einen Ausschluss der Künstler entschieden, wie der Bundesverband Musikindustrie am Freitag in Berlin mitteilte. Die Rapper könnten damit bei der Echo-Gala am 12. April ausgezeichnet werden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte die Entscheidung.

Kollegah und Farid Bang sind für ihr Album „Jung, brutal, gut aussehend 3“ in der Kategorie „Album des Jahres“ nominiert. Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song „0815“: „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“. Der Bundesverband Musikindustrie hatte nach einem kritischen Bericht der „Bild“-Zeitung über den Text in der vergangenen Woche den siebenköpfigen Echo-Ethikbeirat eingeschaltet.

„Provozierend, respektlos und voller Gewalt“

Bei der Nominierung der Künstler handele es sich um einen „absoluten Grenzfall zwischen Meinungs- und Kunstfreiheit und anderen elementaren Grundrechten“, sagte der Vorsitzende des Beirats, der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen. Die Wortwahl einiger Texte, etwa in „0815“, sei „provozierend, respektlos und voller Gewalt“, betonte er. „Nach intensiver und teilweise kontroverser Diskussion sind wir dennoch mehrheitlich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein formaler Ausschluss nicht der richtige Weg ist“, sagte Börnsen. Die beiden Künstler werden bei der Preisverleihung auch live auftreten.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, kritisierte die Entscheidung. „Die Nominierung wirft die Frage auf, ob die Echo-Preisverleihung noch seriös ist“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Schuster verwies darauf, dass sich auf dem nominierten Album auch gewaltverherrlichende Texte fänden, die sich auf den Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 beziehen. „Während wir von Zuwanderern fordern, dass sie unsere Werte akzeptieren, werden in solchen Liedern Gewalt und Intoleranz gepriesen“, betonte er.

Ethikbeirat gibt es seit dem „Fall Frei.Wild“ 2013

Für den Echo nominiert werden je Kategorie die Künstler oder Bands, die in den Deutschen Charts auf den fünf besten Rängen platziert sind. Landet ein Album auf dem Index für jugendgefährdende Medien, fällt es automatisch von der Liste. Charterfolg und die Stimmen von Fachjuroren werden am Ende zusammengezählt und entscheiden so über die Echo-Preisträger.

Einen Ethikbeirat gibt es beim Echo seit 2013: Damals hatte eine Echo-Nominierung für „Frei.Wild“ für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Der Südtiroler Band wird von Kritikern vorgeworfen, rechtsextremistische Motive zu verbreiten. „Frei.Wild“ wurde 2013 nach Protesten kurzfristig wieder von der Liste der Nominierten gestrichen, erhielt 2016 aber dennoch eine Auszeichnung in der Kategorie „Gruppe Rock/Alternative National“. Auch dem sechsfachen Echo-Gewinner und Moderator der letztjährigen Gala, Xavier Naidoo, wurde wiederholt vorgeworfen, antisemitische und verschwörungstheoretische Texte zu verbreiten.

„Vereinbarkeit mit grundlegenden gesellschaftlichen Normen“

Der Ethikrat kann in Zweifelsfällen vom Vorstand des Bundesrates Musikindustrie einberufen werden. Die Kommission soll unter Abwägung der künstlerischen Freiheit „die Vereinbarkeit eines Werkes mit grundlegenden gesellschaftlichen Normen“ beurteilen und entscheiden, ob ein Künstler nominiert oder ausgezeichnet werden darf. Das Gremium setzt sich aus Vertretern des öffentlichen Lebens, von evangelischer und katholischer Kirche, des Deutschen Musikrats, der Lehrerschaft und des Deutschen Kulturrats zusammen. Der Echo wird seit 1992 jährlich von der Deutschen Phono-Akademie, dem Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie, vergeben.

Von Dominik Speck

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