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Medien Kaitlin Olson – Plötzlich Tante in „The Mick“
Nachrichten Medien Kaitlin Olson – Plötzlich Tante in „The Mick“
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00:00 26.06.2017
Underdog bei Gartenparty: The Mick (Kaitlin Olson, r.) wollte ihre Schwester Pamela „Poodle“ (Tricia O’Kelley) um eine größere Geldspende anpumpen. Quelle: Fox
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Hannover

Greenwich/Connecticut - Gartenparty in guter Gegend. Livrierte mit Getränken blicken zuvorkommend und gelangweilt zugleich auf einen geradezu gemein grünen Rasen. Dazu spreizt sich klassische Musik. Definitiv kein Ort für Underdogs. Deswegen wagt es die herausgeputzte Gastgeberin Pamela auch ein bisschen auf ihre Schwester Mackenzie „Mickey“ Murphy in ihrem Working-Class-Karohemd und ihrem Adler-T-Shirt herabzulächeln, während diese sie um eine „Investition in meine Zukunft“ anpumpt. „Ich war halb so alt wie du, als ich sesshaft wurde“, schlüpft der Grande Dame über die spitzen Lippen.

Arm, angetrunken und angepisst

Was sie besser nicht hätte schlüpfen lassen, denn Mackenzie ist arm, angetrunken, angepisst sowieso, und muss nun in aller gebotenen Lautstärke auf die gemeinsame Herkunft verweisen: „Du wurdest von einem reichen Kerl geschwängert, als du als Stripperin gearbeitet hast.“ „Ich war eine Kellnerin.“ „Du warst eine Oben-ohne-Kellnerin. Und das ist noch schlimmer, das heißt nämlich, du konntest nicht tanzen.“ Plötzlich brüllt im Garten jemand noch viel lauter „FBI!“ und Mackenzie hechtet sicherheitshalber über die Terrassenbrüstung in eine Hecke, weil sie die Anwesenheit der Bundescops auf sich bezieht (hat sie doch gerade in einem Supermarkt ein Räuberdinner samt Körperpflege durchgezogen). Abgeführt wird dann aber Madame Etepetete, die ihre unterprivilegierte Schwester noch schnell zum Babysitten ihrer drei Kinder verpflichtet. Sei Tante für einen Tag!

Der Junge mit dem Herz aus Gold

Daraus wird eine unabsehbar lange Zeit und eine Fernsehserie (mit vorerst zwei Staffeln, deren erste am Dienstag, 27. Juni, um 21.45 Uhr im „Circus Halligalli“-Loch bei Pro7 beginnt), weil die Eltern wegen Steuerhinterziehung außer Landes flüchten müssen. „The Mick“ (Serientitel, Spitzname der Heldin) zieht kurzerhand von Rhode Island zu ihrer Nichte und ihren Neffen. Ganz bestimmt nicht aus familiärem Verantwortungsgefühl, sondern weil es einfach unwiderstehlich ist, in so einem Palast zu leben, tolle Kleider zu tragen und die Straßen in einem eleganten roten Mercedes-Oldtimer entlang zu kreuzen. Wobei der eine verflixt schwergängige Gangschaltung hat.

Die Kinder sind da lästiges Beiwerk, ein Pflichtprogramm, eine verwöhnte neureiche Brut, was zumindest die beiden älteren, Sabrina (Sofia Black) und Chip (Thomas Barbusca), betrifft. Ben (Jack Stanton), der Kleine, ist dagegen ein Junge mit einem Herz aus Gold, den man sofort ins Abendgebet aufnimmt. Der Sympathieanker in einer Serie voller unsympathischer Charaktere, dessen Geburtstag von allen vergessen wird, ja von dem kein Geschwister weiß, wie alt er eigentlich ist. Ooch! Nur der geschundene Mercedes tut einem ähnlich leid.

Kaitlin Olson (bekannt aus der von Emmy-Verleihungen sträflich vernachlässigten, 13 Staffeln starken Kneipen-Comedyserie „It’s always Sunny in Philadelphia“) spielt eine Frau, die trinkfest ist, die allseits verpönten Zigaretten in Kette raucht und außer blauem Dunst jede Menge ungewaschene Worte aus ihrem Mund schickt. Die ihre Nichte zum Absinthtrinken lockt (in Wahrheit ist es ein Cocktail aus sechs verschiedenen Schlafmitteln, mit dem sie die ausgehlustige Sabrina zu Hause zu halten versucht), die Ben schlecht berät, er möge doch mal Witze über den Penis eines schulischen Widersachers machen („Mädchen mögen lustige Jungs“) und die dem kleinen Ben zeigt, wie man sich mit einem dramatischen Ablenkungsmanöver (Feuer im Abfalleimer) ein Gratis-Eis abzweigen kann. Im Grunde ist Mackenzie eine Version ihrer Figur aus der „Sunny“-Serie. Auch Dee Reynolds‘ Kratzbürstigkeit dort rührte von ihrer Unsicherheit her. Jedoch steht Sozialkritik und Charaktertiefschürfen bei „The Mick“ stets hintan. Hauptsache, der Gag sitzt!

Rücksicht auf den Moralkodex von Fox

Eine rasante Serie über eine aus der Unterschicht, die feststellen darf, dass die oberen Zehntausend in ähnlich dysfunktionalen Familien leben wie die Trailerpark-Parias. Eine Serie, die komisch ist, und die noch komischer hätte sein können, die aber im ganz normalen Network-Fernsehen auf den Moralkodex des US-Senders Fox Rücksicht nehmen musste. Sobald man heraus gefunden hat, dass Mackenzie es im Grunde immer gut mit den Kindern meint, wenn sie sie in neuen Schlamassel schubst, ist ein „Alles wird gut“-Sicherheitsnetz gespannt, das „The Mick“ in einer Liga mit den köstlichen Pritchetts aus „Modern Family“ spielen lässt. Wer danach Lust hat auf richtige Underdogs und richtig bösen Humor hat, der streamt am besten bei „Shameless“ und William H. Macy vorbei.

Von Matthias Halbig / RND

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