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Fernsehen „Tatort“ aus Stuttgart überrascht heute mit ungewöhnlicher Perspektive
Nachrichten Medien Fernsehen „Tatort“ aus Stuttgart überrascht heute mit ungewöhnlicher Perspektive
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17:58 04.11.2018
Verunsichert: Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) fühlt sich verfolgt, wird verhört und macht sich eines Mordes verdächtig. Quelle: Foto: dpa/Alexander Kluge
Stuttgart

Wer nach den Bremer-Vampiren nun einen Sonntag später Werwölfe in Stuttgart befürchtet hat, der wird angenehm überrascht. Denn weder Horrorwesen noch Künstliche Intelligenz treiben ihr Unwesen, sondern im „Tatort – Der Mann, der lügt“ geht es um einen ganz normalen Mordfall. Allerdings: wirklich „ganz normal“ ist auch dieser von Martin Eigler (auch Drehbuch) inszenierte Fall nicht, mit dem die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) jetzt ihr zehnjähriges „Tatort“-Jubiläum begehen.

Der „Tatort“ Stuttgart wird aus Sicht des vermeintlichen Täters erzählt

Erzählt wird die Geschichte nämlich aus der Perspektive des vermeintlichen Täters, während die Ermittler nur reine Randfiguren sind. Das ist zwar auch für den „Tatort“ nichts radikal Neues, dennoch wirkt diese Erzählweise immer noch ungewöhnlich. Vor allem wenn sie so konsequent daherkommt wie in diesem Fall.

Aber keine Sorge, spannend ist der Film dennoch, weil der Zuschauer bis fast zum Schluss nicht weiß, was genau in der Mordnacht geschehen ist.

Die Titelfigur, also „Der Mann, der lügt“, ist Jakob Gregorowicz, der von dem bei uns weitgehend unbekannten österreichischen Schauspieler Manuel Rubey verkörpert wird. Und er ist ein Glücksgriff für diese Produktion, da es Rubey famos gelingt, seine schwierige Figur und vor allem ihre Wandlung im Verlauf des Films mit Leben zu füllen. Anfangs scheint für diesen Gregorowicz, den die Kamera nun 90 Minuten lang fast ausschließlich verfolgt, alles noch in feinster Ordnung zu sein. Er hat eine kleine Familie, lebt in einem schmucken Häuschen, sein Job in einem Büro ist gut bezahlt und in der Freizeit spielt er mit Freunden Tennis.

Lannert und Bootz erscheinen als bedrohliche Randfiguren

So weit, so bürgerlich. Doch dann tauchen plötzlich Lannert und Bootz an seiner Arbeitsstelle auf. Und die bürgerliche Fassade bekommt langsam erste Risse. Der Grund ihres Erscheinens ist ein Stuttgarter Vermögensberater, der Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist, und nach den Unterlagen, die man bei ihm gefunden hat, hat er offenbar kurz vor seinem Tod einen Termin mit Gregorowicz gehabt.

Dieser leugnet dies jedoch, behauptet gar, ihn lange nicht mehr getroffen zu haben. Und er wirkt in diesem Gespräch so scheu und verunsichert, dass der Zuschauer spürt, dass er wahrscheinlich lügt. Danach zieht die Nachricht von diesem Verbrechen ihre Kreise, wird zum Thema in Gregorowicz’ Familie, in seinem Tennisclub, und der anfangs so smart und jugendlich wirkende Familienvater wird immer nervöser. Vor allem weil zwischendurch immer wieder die beiden Polizisten ganz unvermittelt erscheinen, um Columbo-mäßig noch irgendeine Frage abzuklären.

Spannung erwächst aus der zunehmenden Verunsicherung

Wie aus dem Nichts tauchen Lannert und Bootz dabei auf. Und ihr plötzliches Erscheinen hat stets etwas Bedrohliches – zumindest aus der Perspektive von Gregorowicz. Und ganz ähnlich nimmt es auch der Zuschauer wahr, da er nicht weiß, warum die Ermittler so unangenehm hartnäckig sind. Ihre eigentliche Ermittlungsarbeit, die sonst ja meist im Mittelpunkt des „Tatorts“ stehen, wird nämlich nicht gezeigt.

Gespräche zwischen den beiden und mit ihren Kollegen finden kaum statt. Und auch private Dinge, die sonst immer die Geschichte auflockern sollen oder als Füllmasse dienen, kommen nicht vor.

Doch das schadet dem Krimi nicht. Spannung wird hier erzeugt durch verhängnisvolle Fehler, die der Beschuldigte begeht. So macht er sich durch ein falsches Alibi verdächtig. Und vor allem entwickelt sie sich in oft sehr langen Verhören und Gesprächen, in denen der er immer verunsicherter wirkt. Wie präzise in diesen Gesprächen mit Mimik, Gestik und Sprache gearbeitet wird, das ist faszinierend anzuschauen und macht diesen Stuttgarter-„Tatort“ überaus sehenswert.

Von Ernst Corinth/RND

Aufgeklärt wurde das Verbrechen nie: In dem fesselnden ZDF-Zweiteiler „Der Mordanschlag“ (Montag 5. und Mittwoch, 7. November, 20.15 Uhr) wird das mutmassliche RAF-Attentat auf Treuhandchef Rohwedder fiktionalisiert. Ulrich Tukur glänzt als hemdsärmeliger Treuhandchef.

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