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Fernsehen „Tatort“-Kommissare sind kein gutes Vorbild
Nachrichten Medien Fernsehen „Tatort“-Kommissare sind kein gutes Vorbild
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07:55 31.08.2018
Drei Verstöße pro Folge: Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, l) und Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) in einer Szene des "Tatort: Schlangengrube". Quelle: dpa
Dortmund


Sie lügen, brechen in Wohnungen ein, unterdrücken Beweismittel und manipulieren Zeugen: „Tatort“-Kommissare, Deutschlands berühmteste Vertreter des Rechtsstaats, treten das Gesetz oft selbst mit Füßen. Im Jahr 2017 begingen die TV-Ermittler durchschnittlich drei Rechtsverstöße pro Sonntag – und liegen damit auf dem Niveau von 2015. Der Rechtsverstoß der Kommissare gehört zur „Tatort“-Dramaturgie wie der Mord in der ersten Viertelstunde. Den Typus des überengagierten Fernsehermittlers gibt es nicht erst seit Panzerfaust-Kommissar Nick Tschiller. Er hat seit Horst Schimanski Tradition.

Im Dienste der Gerechtigkeit dürfen „Tatort“-Kommissare Wut oder Abneigung gegen mutmaßliche Täter freien Lauf lassen. Auch die Strafprozessordnung hat schnell das Nachsehen: Beispielsweise erfolgt fast nie eine Belehrung von Beschuldigten. Hinzu kommen unzulässige Hausdurchsuchungen oder Beschlagnahmungen, um nur einige der Rechtsverstöße zu nennen. Dabei bleiben sie oft folgenlos: Die Kollegen ignorieren sie – wenn sie sie überhaupt wahrnehmen.

Gewiss möchte der „Tatort“ keine normale Polizeiarbeit darstellen. Eine spannungsreiche Ermittlungsgeschichte darf übertreiben – und Zuschauer wissen das selbstverständlich. Dennoch bleibt die Darstellung nicht ohne Folgen. Auch Krimikommissare prägen – ob sie wollen oder nicht – das Bild der Polizei. Vielleicht wäre einmal ein streng gesetzestreuer Ermittler eine Alternative? Dramaturgisch spannend könnte das auch sein – und angesichts der damit darzustellenden Bürokratie vielleicht sogar ein bisschen komisch.

Tobias Gostomzyk ist Professor Medienrechtler an der TU Dortmund.

Von Tobias Gostomzyk

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