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Fernsehen „Dietland“ – Stinkefinger gegen Schönheitswahn
Nachrichten Medien Fernsehen „Dietland“ – Stinkefinger gegen Schönheitswahn
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13:07 08.06.2018
Gerät in Teufels Küche: Das Leben der übergewichtigen und unglücklichen Ghostwriterin Plum Kettle (Joy Nash) wird schon bald ziemlich spannend. Quelle: Foto: AP
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Los Angeles

Hier kommt die rabenschwarze und bitterböse Antwort auf den Schönheitswahn und seine Auswüchse wie etwa Heidi Klums Show „Germany’s next Topmodel“: Die neue US-Serie „Dietland“ (übersetzt: „Diätland“) spießt mit sarkastischem Humor vieles von dem auf, was moderne Frauen bewegt – es geht um übertriebenen Schlankheitswahn, sexuelle Gewalt, Frauenfeindlichkeit und patriarchalische Strukturen. Kurzum: Die Serie, deren zehnteilige erste Staffel derzeit beim Streamingdienst Amazon Prime zu sehen ist, passt allerbestens in eine Zeit, in der die Rolle der Frau in der Gesellschaft wieder heiß diskutiert wird – und das nicht nur im Rahmen der Metoo-Debatte.

Verloren und einsam beim New Yorker Modemagazin

Im Mittelpunkt von „Dietland“ steht Plum Kettle (Joy Nash), die ein Leben lang mit bizarren Diäten, Selbsthilfegruppen und Abnehmratgebern gegen ihre vermeintlich überflüssigen Pfunde gekämpft hat. Die mollige Heldin arbeitet als Ghostwriterin. Im Namen der gertenschlanken Herausgeberin Kitty Montgomery (Julianna Margulies, bekannt aus der Serie „Good Wife“) beantwortet sie die Mails der jungen Leserinnen an ein New Yorker Modemagazin.

Die sind zumeist suizidgefährdete Mädchen ohne jedes Selbstbewusstsein, die ihren Körper hassen, sich mit Rasiermessern die Haut aufritzen und sich von Männern missbrauchen lassen. Auch die einsame Plum hasst sich selber, sie plant eine Magenbypass-Operation und denkt, dass sie endlich glücklich sein wird, wenn sie nur erst schlank ist.

Doch dann landet die vollschlanke Heldin in einem mysteriösen Kosmetiksalon, der sich als geheime Zentrale einer feministischen Gruppe entpuppt, die Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen will. Die Leiterin des Instituts sagt Plum, sie solle doch endlich anfangen, sich so zu mögen wie sie ist, mit jedem einzelnen Speckröllchen. An diesem Punkt ist die Serie beim aktuellen Thema „Bodyshaming“ angelangt, der Stigmatisierung von Übergewichtigen.

Die noch unbekannte Joy Nash überzeugt in der Hauptrolle

Doch „Dietland“ funktioniert nicht nur als finstere Comedy, Emanzipationsdrama und Gesellschaftskritik, sondern auch als Krimiserie: Gleich in der ersten Episode werden mehrere Männer, die junge Mädchen vergewaltigt haben sollen, von Unbekannten in Hexenkostümen grausam umgebracht. Ist es ein Racheakt radikaler Feministinnen? Zu Plums Beunruhigung heftet sich ein FBI-Agent an ihre Fersen.

Auch wenn die Botschaft hier manchmal etwas überdeutlich aufgetragen wird, ist „Dietland“ doch ausgesprochen vielschichtig und sehenswert, die noch wenig bekannte Joy Nash überzeugt als sympathische Hauptfigur. Als Vorlage diente der Bestseller „Dietland“ von Sarai Walker, die darin satirisch mit dem Schönheitswahn und der Degradierung von Frauen zum Objekt abrechnet.

Wie bei den meisten modernen Qualitätsserien ist auch der Vorspann von „Dietland“ ein künstlerisch wertvolles Aushängeschild und macht klar, worum es geht: Eine pummelige Zeichentrickfrau klettert einen Berggipfel aus kunterbuntem Zuckerkram empor – am Ende ihrer Leidenstour ist sie gertenschlank, aber so gut wie tot.

Von Cornelia Wystrichowski

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