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Fernsehen „Strike“ – Rowlings Krimi-Vögel auf Kuckucksjagd
Nachrichten Medien Fernsehen „Strike“ – Rowlings Krimi-Vögel auf Kuckucksjagd
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10:01 14.05.2018
Er ist findig, aber chaotisch, sie hilfreich und organisiert. Robin (Holliday Grainger) und Strike (Tom Burke) gehen ab Donnerstag bei Sky auf Mörderjagd. Quelle: BBC
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Hannover

Ein Fotomodel ist tot. Aus zwölf Metern Höhe gesprungen, auf dem zugeschneiten Asphalt vor ihrem Apartment gelandet. Depressiv sei sie gewesen, diese Lula Landry, Winter ist die Selbstmordjahreszeit, und das wilde, oberflächliche Leben zwischen Laufsteg und Jetset-Partys kann einen schon mit allerhand Niochts anfüllen.

Cormoran Strike braucht dringend einen Auftrag

Lulas Adoptivbruder John Bristow indes traut der offiziellen Todesursache nicht, glaubt, seine Schwester sei ermordet worden. Es gibt auch Verdächtige. Eine Nachbarin will Streit in der Wohnung gehört haben. Und die in London allgegenwärtigen Überwachungskameras zeigen gleich zwei Läufer, die sich zur Tatzeit vermummt vom Ort der Tragödie entfernten. Bristow platzt damit ins Büro eines Privatdetektivs, der dringend einen Auftrag braucht, weil er nur noch ein paar Pfund von der Gosse entfernt ist.

Die BBC hat die drei Cormoran-Strike-Romane von Harry-Potter-Mama Joanne K. Rowling verfilmt. Der TV-Dreiteiler zum ersten Buch, „Der Ruf des Kuckucks“, ist an diesem Donnerstag quasi am Stück bei Sky Atlantic HD zu sehen. An den beiden folgenden Donnerstagen, 24. und 31. Mai werden jeweils als Zweiteiler „Der Seidenspinner“ und „Die Ernte des Bösen“ gezeigt.

Ein schrulliger und ein süßer Vogel als Helden

„Der Ruf des Kuckucks“ ist ein guter Krimi, ein klassischer Whodunnit mit einem schrulligen und einem süßen Vogel als Heldenpaar: Cormoran (der Wasserrabe) und Robin (das Rotkehlchen).

Cormoran Strike (gespielt von Tom Burke) ist ein großgewachsener Ex-Militärpolizist, unehelicher Sohn eines geizigen Rockstars, der seine Beinprothese mit zu viel Gewicht belastet, von seiner großen (schwierigen) Liebe frisch an die Luft gesetzt wurde und ungewaschen und unrasiert in der Detektei übernachten muss.

Die rothaarige Robin (Holliday Grainger) ist aus bürgerlichem Haus, Mitte 20, attraktiv, pfiffig, unterwegs in einen guten Job in London und in eine Ehe mit einem Spießer, der die Nase rümpft, als sie von den Reizen der Ermittlungsarbeit unverhofft angezogen wird.

Ganz nebenbei wird die britische High Society abgewatscht

Robin organisiert Strikes berufliches Chaos, überspielt sein privates und erweist sich schnell als Assistentin mit Initiative: Informationen werden zusammengetragen, Leute ausgefragt, auskunftsfreudige wie maulfaulem Schlüsse gezogen, Lügen aufgedeckt – das Übliche.

Natürlich hat jemand Lula Landry aus dem Leben geholfen – wozu sonst der Krimiaufwand? All das wird im Film mit demselben leisen Humor erzählt wie in Rowlings Buchvorlage, mit feinen Charakterzeichnungen und durchaus bemerkenswerten Wendungen. Außerdem wird die britische High Society abgewatscht – eine verkorkste Bagage voller Dünkel und Neid.

Und wenn sich Cormoran mit Robin im Schlepptau in einer Gasse hinter dem Unglückshaus an einer Mauer hochzieht, um in den Garten zu spähen, springt einem spontan das Bild aus „16 Uhr 50 ab Paddington“ in den Sinn (aus der Filmversion mit Margaret Rutherford und Stringer Davies), als der paddelige Mr. Stringer Räuberleiter für die massige Miss Marple machen muss.

Agatha Christie hätte das originelle Ermittlerpaar gefallen

Deren Erfinderin Agatha Christie hätte dieses originelle Paar gefallen. Und die Entstehungsgeschichte auch. Rowling hatte den „Kuckuck“ unter dem Pseudonym Robert Galbraith geschrieben. Zur schmalen Erstauflage im April 2013 (1500 Exemplare) gab es überragende Kritiken, einige Rezensenten glaubten einen femininen Stil zu erkennen.

Anderen fiel auf, dass dem Held Strike der Uringestank im Kneipenklo unangenehm in die Nase stach, was doch für hartgesottene, pubpissoirgewohnte Kerle wie ihn eher ungewöhnlich, da olfaktorischer Alltag sei. Was natürlich olfaktorischer Unsinn ist.

Dann kam aber heraus, dass Rowlings Lektor David Shelley auch für Galbraiths Buch verantwortlich war. US-Computerlinguistikexperten wurden eingeschaltet, die den „Kuckuck“ mit Rowlings Vorstadtdrama „Ein plötzlicher Todesfall“ und dem letzten „Harry-Potter“-Roman verglichen. Ein Buch von Ruth Rendell wurde in den Check einbezogen, zudem eines von P. D. James. Das Ergebnis war offensichtlich, Rowling bestätigte den Verdacht sofort.

Ein böser Kuckuck tritt aus dem Schatten

Glücklich nach dieser Enttarnung: der Münchner Verlag Blanvalet, der die Rechte nur wegen der Qualität der Geschichte erworben hatte. Man hatte den Coup des Jahres gelandet. Startauflage: 300 000 Stück.

Der „Kuckuck“ im Titel verdankt sich übrigens dem Spitznamen des Opfers. So hatte der exzentrische Modedesigner Guy Somé (Kadiff Kirwan) die tote Lula (Elarica Johnson) genannt, die sein Lieblingsmodel war. Ganz offensichtlich, warum: Das adoptierte schwarze Mädchen saß seiner Meinung nach in ihrer weißen Familie im falschen Nest.

Doch die Metapher hinkt: Der Kuckuck ist kein Schönling, im Gegenteilm er ist ein äußerlich eher plumper Vogel, zudem ein geborener Schurke, der nach seinem Schlüpfen due Jungvogelkonkurrenz aus dem noch nicht ganz traut gewordenen Heim ins Jenseits befördert.

Rowling kennt die Marotten dieses gefiederten Feindes gut, und so tritt zum Ende dieses altmodisch-gemächlichen, niemals langweiligen Krimis ein ganz anderer Kuckuck aus den Schatten. Ein infamer Brutparasit.

Von Matthias Halbig / RND

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