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Fernsehen Schöner wohnen in London
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06:00 19.04.2017
Einander in guten wie in sehr guten Zeiten verbunden: Robert (Toby Jones) hat nur einen Bruchteil der fest eingeplanten Weihnachtsgratifikation bekommen, was Arabellas (Rachael Stirlings) Luxuswut bremst. Quelle: foto: Kudos/Hal Shinnie
London

Der Briefkasten klappert, die alte Witwe Petunia Howe (Gemma Jones), die schon als junge Braut hier einzog, findet in ihrem Hausflur in der Pepys Road eine Postkarte mit der fordernden Aufschrift „Wir wollen, was ihr habt“ vor – ohne Absender, aber ordentlich frankiert mit dem Basistarif. Sie nimmt’s mit trockenem Humor. „Das will in Wirklichkeit keiner“, seufzt sie zu sich selbst. „Weil wir alle Millionäre sind, durch die Häuser“, vermutet die 84-Jährige dann gegenüber dem Kioskbesitzer Ahmed (Adeel Akhtar). „Aber doch keine richtigen Millionäre“, erwidert der. Der Kontostand ist ernüchternd. Richtig reich würde man durch Verkauf.

Ein geheimnisvoller Kartenschreiber

Alle in der Straße bekommen diese Karte, dann wieder eine und noch eine. Nicht alle stecken die immer gleiche Botschaft so locker weg wie Petunia. Da ist jemand im Dunkeln, der streift durch die Straße, greift aus nach fremdem Besitz. Unheimlich. Gefährlich. Die Polizei nimmt das mit den „blöden Postkarten“ „sehr ernst“, mehr nicht. Dann folgen DVDs mit derselben Drohbotschaft.

Sie sind alle reich – auch wenn bei manchem kaum ein Penny auf dem Bankkonto liegt. In dem satirischen britischen Fernsehdreiteiler „Wir sind alle Millionäre“ werden die Bewohner einer besseren Wohngegend in London durch den Immobilienboom zu gemachten Leuten. Aber das Leben spielt auch ihnen einen Streich. Und Unbekannte verschicken an alle Häuscheneigentümer Drohbriefe.

John Lanchesters Roman „Kapital“ ist verfilmt worden, ein Buch von dickensscher Dickleibigkeit und einem Autor mit dem dickensschem Talent dafür, das große Ganze im Kleinen zu finden, Gegenwart genau und unterhaltsam zu beschreiben. Die Miniserie „Wir sind alle Millionäre“ wirft einen wissenden Blick in die britische Hauptstadt kurz vor dem Brexit. Bis vor Kurzem war das Leben hier noch normal und klein, jetzt sitzen alle auf den Schatzinseln der explodierenden Londoner Immobilienpreise und Neureiche ziehen ein. Zum Mikrokosmos gehören auch die, die nur in der Pepys arbeiten – der polnische Handwerker Bogdan (Rad Kaim), der für Schwarzgeld Räume schadhaft renoviert, und die Scheinpolitesse Quentina (Wunmi Mosaku), die allen das tägliche Knöllchen hinter die Windschutzscheibe schiebt und die der Staat nach Simbabwe abschieben will. Die Pepys im Südosten Londons ist fiktional (obzwar zwei Straßen dieses Namens in London existieren), eine stinknormale Straße mit muckeligen Häuschen, abgesehen vielleicht von der opulenteren Nummer 92, dem Anwesen der Bankerfamilie Younts. Aber die Pepys ist wahrhaftig bis ins Detail.

Kleiner Mann, was nun?

Den Geldmann Roger Yount spielt Toby Jones, britischer Bühnenstar, Kinozuschauern bekannt aus den „Tribute von Panem“- und „Avengers“-Filmen und englische Stimme von Dobby, dem befreiten Hauselfen der „Harry Potter“-Filme. Yount hat als Geldzauberer in Londons Wirtschaftszentrum keinen Kopf für irgendwas außer Zahlen. Schon gar nicht dafür, den Kindern Josh und Conrad Lob für ihre selbst gemalten Bilder Lob zu spenden oder ihnen abends was vom Maulwurf vorzulesen, wozu gibt es denn Hörbücher? Was ihn interessiert, ist die jährliche Gratifikation, um Urlaube, Countryhouse, Gärtner und die nimmersatte Gattin Arabella (Rachael Stirling), deren unbrechbare Shopping- und Hausneugestaltungslust zu finanzieren. Dann gibt’s statt der erhofften 2 Millionen nur 30 000 Pfund Zugabe, wegen der Finanzkrise im Allgemeinen und den Schwierigkeiten des Schweizer Tochterunternehmens im Besonderen. Yount fühlt sich auf hohem Niveau ruiniert, muss sich erst mal übergeben und wird dann auch noch von der Gattin mit den Kleinen allein gelassen. Jones ist hinreißend: klein, überfordert, entfremdet. Irgendwann beginnt man sogar, ihn zu mögen.

Der Thrill wird fast zur Nebensache

Ein großartiges Ensemble lässt diese Geschichte über drei Stunden swingen. Ihr satirisches Gewicht wirkt dabei niemals zu schwer, selbst Islamismus, Islamophobie, Rassismus werden von Drehbuchautor Peter Bowker und Regisseur Euros Lyn relativ leicht verhandelt, und der Thrill mit den Karten gerät darüber beinahe zur Nebensache.

Immer wieder blendet eine Registrierkasse den Vermögenszuwachs ein. Was im September 2,5 Millionen Pfund wert war, liegt im Dezember bei 2,8 Millionen. Die Moral von der Geschicht‘ ist freilich alt: Geld macht nicht glücklich, die Leute in der Pepys sind – egal ob reich oder arm – so einsam wie Eleanor Rigby in dem traurigen Lied der Beatles, und sie müssen sich zurechtfinden in einer Straße, Stadt, Welt, in der sie selten Besseres finden als Neid, Missgunst und Gleichgültigkeit. Man erkennt hier alles wieder, außer vielleicht die Laubbäume Londons. Die stehen hier zur Weihnachtszeit in sattestem Grün.

Von Matthias Halbig

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