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Fernsehen Reichsbürger-Krimi: Der König von Niederbayern
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09:51 04.06.2018
„König Ludwig“ Schneider (Andreas Döhler), der Anführer der Freiländer, hät eine Brandrede gegen „das System" – Szene aus dem Tatort „Freies Land“. Quelle: dpa
Hannover

Gedacht war das Geld eigentlich für den Aufbau eines eigenen kleines Reiches in der tiefsten niederbayerischen Provinz. Und vor allem für den Traum, dort dann ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ein Leben also mit eigenen Gesetzen und Regeln in einer gut überschaubaren Welt, in dem die Bundesrepublik und ihre staatlichen Organe nicht zu sagen haben. Das klingt ziemlich komisch. Und scheitert im Film dann sogar mit tödlicher Konsequenz.

Und dieser Ludwig, den der „Tatort“ den Spitznamen „König“ verpasst hat, hat ein reales Vorbild. Drehbuchautor Holger Joos hat sich nämlich von Peter Fitzek inspirieren lassen. Der Geschäftsmann aus Halle an der Saale hat sich vor Jahren zum obersten Souverän des „Königreich Deutschlands“ krönen lassen, Einem fiktiven Staat, in dem er dann ohne Erlaubnis eine eigene Bank und mehrere Versicherungen betrieb. Und das Geld seiner Bürger floss reichlich – angeblich auch in die Taschen des selbst ernannten Königs, der seit 2016 mehrfach unter anderem wegen des Vorwurfs der Untreue vor Gericht stand und demnächst wohl wieder stehen wird.

3.500 Reichsbürger – allein in Bayern

Beide, der fiktive Ludwig und der reale Peter Fitzek, stehen für die Reichsbürgerbewegung, über die in letzter Zeit immer öfter berichtet wird. Noch vor zwei Jahren ging beispielsweise der bayrische Verfassungsschutz davon aus, dass es in Bayern nur ein paar versprengte Reichsbürger gebe. Heute hat sich das grundlegend geändert. Bayern hat bundesweit die meisten Reichsbürger, und nicht mehr ausschließlich in der Provinz, sondern auch in München. Registriert sind inzwischen in dem Bundesland 3500 Reichsbürger, die teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Bundesweit rechnet der Bundesverfassungsschutz sogar mit 15.000 Reichsbürgern, davon gelten 900 Personen als Rechtsextreme. Und von 2015 bis Mitte 2017 sollen Anhänger dieser Bewegung mehr als 10.500 Straftaten begangen haben. Kein Wunder, dass diese Bewegung nun auch in einem „Tatort“ thematisiert worden ist. Dabei hat den Filmemachern um Regisseur Andreas Kleinert besonders die Frage interessiert: Wie kommen Menschen dazu, die Bundesrepublik als legitimen Staat abzulehnen, um dann wie der König von Deutschland einen eigenen Staat auszurufen. Und zumindest im Ansatz zeigt der Film, was psychologisch dahintersteht – beispielsweise eine allgemeine Unzufriedenheit, ein beschädigtes Vertrauen in die Politik, aber auch der Wunsch nach Wärme und Geborgenheit in einer überschaubaren Gemeinschaft. Aber ein Krimi ist halt ein Krimi, der solche Frage auch nur anreißen kann. Das macht der Film aber mehr als gut.

Von Ernst Corinth/RND

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