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Latein am Ende – Radio Cicero funkt nicht mehr

Medien Latein am Ende – Radio Cicero funkt nicht mehr

Der ARD-Sender Radio Bremen beerdigt nach 16 Jahren seine Online-Nachrichten auf Latein. Dem ehrenamtlichen Redaktionsteam war die Arbeit zu viel geworden. Der Name Radio Cicero war ein Ehrentitel – verliehen von der FAZ.

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Die Radio-Cicero-Macher waren findig: Für die Lateinnachrichten wurde der „US-Präsident“ zum „Civitatum Unitarum Americae praesidens“. Keine Lösung gabs für den „Hashtag“.

Quelle: dpa

Bremen. Olympia fient sine Russia“: Die Olympischen Spiele werden ohne Russland stattfinden. So lautete eine der letzten Meldungen, mit denen Radio Bremen (RB) jetzt ein weltweit fast einmaliges Online-Angebot gestrichen hat: monatliche Nachrichten auf Latein.

Der Zauberlehrling wird latinisiert

Dem ehrenamtlichen Redaktionsteam – überwiegend pensionierte oder noch praktizierende Lateinlehrkräfte – war die Arbeit nach 16 Jahren zu viel geworden. Zwei der einst acht Sprachliebhaber sind inzwischen gestorben und zwei Jüngere beruflich zu stark eingespannt.

Einer der Erfinder der „Nuntii Latini“ war der leitende RB-Redakteur Jörg-Dieter Kogel. Auch nach seiner Pensionierung 2016 blieb er ihnen treu. Seit der ersten Ausgabe 2001 stellte er die Meldungen zunächst auf Deutsch zusammen. Die Lateinlehrkräfte übertrugen sie dann in die offenbar doch nicht ganz tote Sprache. So erfanden sie zum Beispiel die „bomba atomica“. Einen gewissen Zauberer verwandelten sie in „Harrius Potterus“. Aus der CSU wurde die „Unio Christianorum Socialium“, und der US-Präsident firmierte unter „Civitatum Unitarum Americae praesidens“. Etwas länger tüftelten die Übersetzer an der „Magnetschwebebahn“ herum. Die Lösung: „Tramen magnetice libratum“. Kapituliert haben sie nur selten, etwa beim Twitter-Stichwort „Hashtag“.

Es gab Resonanz aus aller Welt

Die Resonanz von Sprachkennern aus aller Welt war so groß, dass die Redaktion zeitweise sogar wöchentlich Meldungen anbot, außerdem Bücher rezensierte und Nachrichtenfilme ins Internet stellte, alles auf Latein. Und Gymnasiasten steuerten regelmäßig Kindernachrichten bei: „Nuntii Liberorum“.

Die Älteste im Übersetzerteam war zuletzt die Ex-Lateinlehrerin Hannelore Zöllner. „Es ist nicht nur Hobby – es ist schon ein klein bisschen Besessenheit“, sagt die 77-Jährige über ihre praktizierte Liebe zur Sprache der alten Römer.

Mögen sie in Frieden ruhen!

Soweit bekannt, gibt es auf der Welt nur zwei weitere Nachrichtenangebote auf Latein: bei einem finnischen Sender und bei „Radio Vatikan“, dort allerdings nur zu kirchlichen Themen.

„Radio Cicero funkt nicht mehr“, schrieb das Bremer Latein-Team in einer Abschiedsbotschaft. „Radio Cicero“ war nicht der offizielle Name des Internetprogramms, sondern eine Art Ehrentitel, verliehen von der FAZ.

Jetzt kann man den „Nuntii Latini“ nur noch zurufen: Requiescant in pace - Ruhet in Frieden!

Von Eckhard Stengel

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