Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Fernsehen „Polizeiruf“: Lokale Milieustudie mit Todesopfern
Nachrichten Medien Fernsehen „Polizeiruf“: Lokale Milieustudie mit Todesopfern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:26 26.05.2017
Das Sozialverhalten lässt zu wünschen übrig: Alexander Bukow (Charly Hübner) und seine Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau). Quelle: NDR
Rostock

Der Sonntagabendkrimi gibt sich ja seit Jahren redlich Mühe, so eine Art regionale Milieustudie mit Todesopfern zu sein. Und der Rostocker „Polizeiruf“ gibt dem ostdeutschen Krimifan das, was dem Wessi sein Dortmund-„Tatort“ ist. Deutschland ganz unten. Da, wo es richtig wehtut. Nur, dass man für den Dortmund- „Tatort“ nicht nach Hamburg fahren muss, um die wirklich hässlichen Schmuddelecken zu finden, wie es das NDR-Team seit Jahren mit dem Rostocker „Polizeiruf“ abliefert. Wer sich durch 90 Minuten Bukow/König (Charly Hübner/Anneke Kim Sarnau) oder Faber/Bönisch (Jörg Hartmann/Anna Schudt) gekämpft hat, braucht ’nen Schnaps und ’ne kalte Dusche, sonst kann man nicht mehr einschlafen.

Im 15. Fall des Rostockers Teams beginnt das mit einem Hitlergruß, in die Büsche pinkelnden Fußballfans und einer ordentlichen Prügelei unter Hooligans. Es geht um zwei Morde, offene Rechnungen, nie erfüllte Sehnsüchte, Schuld und Sühne. Und das Prinzip der Charaktere funktioniert, wie es schon im Western der Sechzigerjahre entwickelt wurde: Der Schurke und sein Jäger sind sich näher, als beide glauben. Wer lange genug im Dreck wühlt, wird irgendwann selbst Dreck. Bei den Rostocker Kommissaren beginnt das mit ihrer Sprache („Fuck off, Bukow“), ihrem Sozialverhalten („Wir ham ’nen Toten an der A 20. Woll’n Se mit?“ – „Unbedingt! Das ist genau das, was ich mir heute Morgen gewünscht habe.“) und endet bei ihren Essgewohnheiten, ihrer Klamottenverwahrlosung und der Auswahl ihrer Sexualpartner (Frau vom Chef). Der „Polizeiruf“ spielt recht geschickt mit diesen über Jahre aufgebauten Handlungsverzwickungen wie der versuchten Vergewaltigung Königs im letzten Fall und den noch immer spürbaren psychischen Folgen im gesamten Team oder der Affäre von Bukows Kollegen Volker Thiesler (Josef Heynert) mit Bukows Ex-Frau Vivian (Fanny Staffa).

Gespräche im eigentlichen Sinne sind in diesem Milieu ebenso wenig bei Kriminellen wie bei Polizisten möglich. Eigentlich sind das nur noch Artikulationsrudimente unterdrückter Wut. Sex hat hier mit Gewalt zu tun („Ich ficke, wen ich will und so oft ich will. Und ab und zu muss’s wehtun.“), gesoffen wird immer – gegen den allgegenwärtigen Schmerz und die grassierende Hoffnungslosigkeit. Und Tanzen steht für Einsamkeit: „Tanzen Sie mit mir“, sagt König, und Bukow antwortet: „Kann nicht tanzen.“ „Dann stellen Sie sich in die Mitte. Ich tanz’ um sie rum.“

Hooligans geraten aneinander. Quelle: NDR

Der Krimi ist eine graue Folie für die Ausweglosigkeit allerorten. Eine Verdächtige fragt, was sie denn tun, ob sie sich scheiden lassen soll. Klar, am besten von allem. Besser wird’s sowieso nicht – nicht bei den Ermittlern, nicht bei den Opfern, nicht bei der Hooligantussi, nicht bei der Frau des Polizisten, den Fußballfans ins Wachkoma geprügelt haben. Ach ja, der gesamte Krimi spielt im Fanmilieu, und da werden die Heulsusen in Blau, Gelb, Rot oder sonst welchen Vereinsfarben wieder rumnölen, dass sie sich nicht realitätsnah dargestellt sehen. Also, liebe Krimiautoren, wenn’s um Fußballfans geht, beim nächsten Mal bitte etwas härter!

Übrigens: Wer in den Achtzigerjahren als Jugendlicher mal eine halb nackte Frau sehen wollte, der schaltete sonntagabends um 21 Uhr den ARD-Krimi ein. Der Loop klappt noch immer, auch wenn das heutzutage keinen Elfjährigen mehr flasht. Kinder im Bett, Klamotten runter – im Rostocker „Polizeiruf“ nach 47 Minuten (21.02) gab’s den halb herabgelassenen BH und kurz danach die nackte Pobacke. „Tatort“ und „Polizeiruf“ – das ist Lindenstraße als Autorenkino mit Nackedei und Todesfall. Und im „Polizeiruf 110: Einer für alle, alle für Rostock“ von Regisseur Matthias Tiefenbacher nach einem Drehbuch von Wolfgang Stauch mit richtig guten Dialogen. Bukow lernt, dass man beim polizeilichen Pfadfinderspiel rund um die Platte verdammt alt aussieht, wenn man nur noch Fast Food in sich reinschlingt und nachts so lange den Frust mit Alkohol wegballert, dass man bei Dienstantritt noch eine Fahne hat, die durchs gesamte Revier zu wittern ist. „Sie müssen Ihre Ernährung umstellen, Bukow“, sagt Katrin König nach missglückter Verfolgungsjagd: „Weniger flüssig.“ Das ist richtig gut!

Und der Mörder? Ach, wer im „Polizeiruf“ noch nach Tätern fahndet, der kann auch bei Rosamunde Pilcher auf eine richtig harte Sexszene warten.

Von Michael Meyer/RND

Die Schauspielerin Caroline Peters wollte die Zuschauer von „Mord mit Aussicht“ amüsieren, indem sie immer wieder einen Gegenstand im Bühnenbild der Serie versteckte.

25.05.2017

Streaming goes Hollywood: Nach eigenproduzierten Serien wartet Netflix jetzt auch im Film mit großen Namen auf. Brad Pitt spielt ab Freitag in der Kriegskomödie „War Machine“. Auch weitere Filmstars wurden verpflichtet.

25.05.2017

Für Fans der Erfolgsserie „Game of Thrones“ hat das Warten ein Ende: Der erste echte Trailer für die siebte Staffel macht einen Eindruck, wie es in der Saga weiter geht. Das Interesse ist gewaltig: Binnen weniger Stunden wird der Trainer mehr als zwölf Millionen mal gesehen.

25.05.2017