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Fernsehen Showtime macht Trump zum Trickfilm-Präsidenten
Nachrichten Medien Fernsehen Showtime macht Trump zum Trickfilm-Präsidenten
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08:49 20.01.2018
Ich hab die dickeren Muckis! Donald Trump und sein nationaler Sicherheitberater Herbert Raymond McMaster in einer Folge der Zeichentrickserie „Our Cartoon President“, Quelle: Foto: Showtime/Screenshot
Hannover

Alec Baldwin kann Trump. Er kann seine Stirn fast so tief in Furchen legen wie das Original. Er hat auch diesen albernen Bullenbeißer-Blick drauf, diese von oben herab blickenden Schlupflidklüsen, dazu den herablassenden linken Brutalo-Mundwinkel. Baldwin wirkt wie Trump, der wie ein orangefarbener Sowjetischer Staats- und Parteichef der Siebzigerjahre wirkt, der einen John-Wayne-Western zuviel gesehen hat. Das Fernsehen, genauer der amerikanische Comedy-Klassiker „Saturday Night Live“, hatte Trump und seine Vasallen schon durch seinen Kakao gezogen, da war der heutige First Man noch ein bizarrer Wahlkämpfer. Dafür erhielt Baldwin im vorigen September den Fernsehpreis Emmy.

Die Simpsons belebten Trumps Markenzeichen – die Frisur

Und die gelbhäutige Zeichentrickfamilie „Simpsons“ zeigten zu „100 Tagen im Amt“ einen mandarinenhäutigen Cartoon-Trump im Himmelbett, um den herum die einer hohen Fluktuation unterworfenen Mitarbeiter einander an die Gurgel gingen. Die berühmte Frisur wurde als wuscheliger Pekinese entlarvt, der sich gelegentlich auf der Glatze des Präsidenten dreht, um sich dann wieder aufs Schlappohr zu hauen. Und das bei Fox, dessen Nachrichten trumpophil zu nennen, eine Untertreibung wäre. Jux und Satire bleiben unbehindert, die Demokratie funktioniert noch in den USA. Sie ist ja auch fast dreieinhalb mal so alt wie der Amtsinhaber. Dreimal so alt wie die (jüngst an Disney verkauften) 20th Century Fox. Es gibt Länder, da säßen TV-Leute wie Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel oder John Oliver die ihr Staatsoberhaupt zur Witzfigur machten, anderntags auf der Straße oder gar im Gefängnis.

Zeichentrickblick in den Präsidentenalltag

In den USA dagegen wird der Präsident demnächst sogar „Held“ einer eigenen Zeichentrickserie. Der US-Kabelsender Showtime zeigt ab dem 11. Februar die erste Staffel von „Our Cartoon President“. Die Macher um den Trump-kritischen Late-Night-Talker Stephen Colbert (ausführender Produzent) benutzen wie der Präsident die Stilmittel vorauseilender Superlativ und alternative Fakten und bewerben die Serie schon vor der ersten Episode als „die höchstbewertete aller Zeiten“.

Man möchte den Zuschauer zehn Folgen lang in den ganz normalen Alltag des 45. Präsidenten entführen, einem Narrenschiff voller höchst vergnüglicher Strichmännchen - nichtsnutziger Verwandter, höchst debiler Berater und einem Kabinett aus Claqueuren. Mittendrin Prahlhans Donald. Der im Schlafzimmer wiederum erstaunlich unsicher ist. Kein Himmelbett, dafür diesmal – Überraschung - die sonst eher absente Ehefrau: „Warum schaust du mich so an? Es ist doch ein Fernseher im Raum“, blafft der sichtlich nervöse Gatte seine First Lady Melania an.

Besetzungspläne für eine „Fire and Fury“-Serie

„Ich glaube, Michael Wolff muss all unsere zehn Episoden gestohlen haben“, frotzelte Colbert gegenüber der Branchenzeitschrift „Variety“ über dessen Trump-Enthüllungsband „Fire & Fury: Inside the Trump White House“. „Es gibt nichts in diesem Buch, was nicht auch in unserer Show ist.“ Naja, fast nichts. Trumps einst wichtigster Berater Steve Bannon beispielsweise ist nicht im Showtime-Trickfilmboot. Angesichts der raschen Personalwechsel in Trumps politischer Entourage wird ziemlich zeitnah an der Gegenwart animiert. Aus Wolffs Buch soll, so vermeldeten die amerikanischen Branchenblätter „Variety“ und „The Hollywood Reporter“ am Donnerstag, nun auch eine Serie werden. Kaum hat die Produktionsfirma Endeavor Content Interesse gezeigt, da ist das Internet schon voller Besetzungsvorschläge. Die einen fordern John Lithgow (der Winston Churchill der Serie „The Crown“) als Trump, die anderen empfehlen Cate Blanchett (Elfin Galadriel aus den „Herr der Ringe“-Filmen), die immerhin schon mal einen Mann gespielt hat – nämlich Bob Dylan im Film „I’m not There“.

Trump hat eine Goldene Himbeere und einen Walk-of-Fame-Stern

Präsidenten müssen hart im Nehmen sein. Seit George Steele 1914 im Film „The Sleeping Sentinel“ Abraham Lincoln spielte, ist in Fernsehen und Kino der Respekt vor der Institution längst verloren gegangen. Vor allem in „Saturday Night Live“ waren von Anfang an die Parodisten los. Dan Aykroyd schlüpfte 1975 für das taufrische Comedy-Format in die Rolle des (damals schon zurückgetretenen) Watergate-Präsidenten Richard Nixon. Seither hat noch jeder Präsident in dieser Show seinen Meister gefunden. Chevy Chase folgte als Gerald Ford, Aykroyd als Jimmy Carter und so weiter.

Das Problem, das Alec Baldwin heute hat: Das Original ist eigentlich unschlagbar komisch. War er auch schon vor Amtsantritt. Wie sein Darsteller hat der einstige Gelegenheitsschauspieler Trump einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Und sogar einen Filmpreis auf dem Kaminsims. Für seine erste Rolle - er spielte sich selbst in der Spukromanze „Ghosts Can’t do it“ („Mein Geist will immer nur das Eine“) - bekam er 1990 die Goldene Himbeere. „Sie sind zu attraktiv, um böse zu sein“, haucht ihn Bo Derek in dem Film an. „Das haben sie also bemerkt“, antwortet der erfreute Trump. Und lächelt präsidial.

Macht der Präsident im Oval Office Reality-TV?

Der Verdacht wird immer öfter geäußert, dass auch der echte Trump in Wahrheit nur Fernsehen ist, dass der orangefarbene Mann im Weißen Haus seit seiner Inauguration munter die „24/7/365/4-Donald-Satire-Liveshow“ abzieht. Dass da ein Spaßpräsident an der Macht ist, der vom Oval Office aus den Globus rund macht, der den groben Dummbatz nur spielt, auf dass sich die gesamte Welt an den Kopf fasst und beim nächsten Mal das Wählen wieder als Privileg und Verantwortung erkennt und die Demokratie als Schatz. Man hätte dem Comedian Trump, der 2015 auch Gastgeber von „Saturday Night Live“ war, die Sache neulich mit dem „größeren Knopf“ auch gern als superlustigen Allmachtsgag attestiert, wäre man sich nicht unsicher gewesen über das Folgedrückverhalten des verdrucksten dicken Nordkoreaners mit dem vermeintlich kleineren Knopf.

Man stellt sich das Ende von „Donald Live“ am 20. Januar 2021 so vor: Donald wirft sein Toupet Richtung Kamera und ruft: „American Furs!“ – amerikanischer Pelz. Lacht. Übergibt das Amt an Oprah Winfrey. Und geht ab. Gibt garantiert einen Emmy!

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