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Fernsehen Maximilian Brückner über seine Liebe zur Mundart
Nachrichten Medien Fernsehen Maximilian Brückner über seine Liebe zur Mundart
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18:13 16.05.2017
Alfons Zischl (Maximilian Brückner) wird in „Hindafing“ auf rabiate Weise zu einer Unterschrift gedrängt. Quelle: Bayerischer Rundfunk
Berlin

Maximilian Brückner sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Umso erstaunlicher ist, dass er ständig abgründige Rollen spielt wie Alfons Zischl, der sich als korrupter Bürgermeister des Provinznestes „Hindafing“ ab Dienstag (20.15 Uhr, BR) von Folge zu Folge näher an den Abgrund stößt. Ein Gespräch über Lokalpolitik, Heimatdialekt und die Schönheit des Scheiterns.

Herr Brückner, wenn Sie wählen müssen – was wäre der bislang wichtigste und wegweisendste Film Ihrer Karriere?

Das war 2003, mein erster, „Männer wie wir“. Ich kam damals frisch von der Schauspielschule, durfte sofort die Hauptrolle eines großen Kinofilms spielen – und dann auch noch einen schwulen Fußballer. Ich hatte sofort einen Namen und war drin. Drin zu bleiben ist zwar manchmal schwieriger, als drin zu sein, aber der Start war schon mal perfekt – obwohl es oberflächlich betrachtet nur eine Komödie ist.

Welchen Stellenwert hat im Vergleich da Ihr „Räuber Kneißl“ fünf Jahre später?

Warum der?

Weil Sie darin nicht nur einen Schurken mit reiner Seele spielen, sondern auch noch in Ihrer Mundart.

Stimmt schon. Zuletzt hatte ich mit „Pregau“ eine ähnliche Figur in der Gegenwart, die ohne es zu wollen immer tiefer in eine kriminelle Spirale gerät. Vorm Kneißl dagegen war ich tatsächlich viel öfter die Unschuld vom Lande. Trotzdem verlaufen auch Schauspielerleben in Phasen. Vorige Woche erst stand ich als Ibsens Baumeister Solness auf der Bühne, ein älterer Herr um die 60 mit schwerer Midlife Crisis, den halt ein jüngerer wie ich spielt. Meine Rollenauswahl lässt sich vermutlich darauf reduzieren, dass ich Wohlfühlzonen vermeide.

Wie jetzt, in „Hindafing“.

Ganz genau. Wobei Alfons Zischl wie Räuber Kneißl Mundart spricht, aber keine reine Seele hat. Es ist aber völlig offen, wohin es ihn im Strudel aus Korruption und Vetternwirtschaft in der Provinzpolitik treibt.

Die kennen Sie als Dorfbewohner ja auch aus eigener Erfahrung.

Grundsätzlich wird es die in viel schlimmerer Form geben. Es ist verglichen mit meiner eigenen realen Umgebung eine heillose Überspitzung.

In der Sie selbst sogar mal kommunalpolitisch aktiv waren.

Aber wirklich nur ganz kurz und pragmatisch, weil ich die Leute dort halt kannte, wie es auf dem Dorf eben so ist.

Die berüchtigte Amigo-Wirtschaft der CSU haben Sie nicht erlebt?

Nein! Deshalb hat meine Realität mit dieser Serie überhaupt nix zu tun. Zumal Alfons Zischl im Grunde gar nicht am System scheitert, sondern an all den selbst gestellten Fallen, in die er hineintappt. Fernsehen kann natürlich auch in aller Ruhe funktionieren, aber die permanente Eskalation einer heillos überforderten Figur finde ich fesselnd. Zumal man ihn ständig packen, durchschütteln und da rausholen möchte.

Sie empfinden Sympathie für ihn?

Es ist ja das Geheimnis jeder schlüssigen Filmfigur, dass das Publikum selbst dann Empathie empfindet, wenn sie abgründig ist. Nehmen Sie Francis Underwood in „House of Cards“, bei dem das Publikum mitfiebert, ob er es nach oben schafft, obwohl das ein skrupelloser Zyniker ist, der für sein Ziel sogar tötet. Da ist es doch kein Wunder, wenn man den kleinen Zischl aus Hindafing mag. Wobei mir anders als Kevin Spacey bei dessen Figur das Menschliche an meiner wichtig war. Eigentlich will er das Gute, aber die Gier ist stärker und der Drang, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters herauszutreten.

Von Jan Freitag/RND

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