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Fernsehen Maximilian Brückner über seine Liebe zur Mundart
Nachrichten Medien Fernsehen Maximilian Brückner über seine Liebe zur Mundart
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17:02 15.05.2017
Alfons Zischl (Maximilian Brückner) wird in „Hindafing“ auf rabiate Weise zu einer Unterschrift gedrängt. Quelle: BR
Berlin

Maximilian Brückner sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Umso erstaunlicher ist, dass er ständig abgründige Rollen spielt wie Alfons Zischl, der sich als korrupter Bürgermeister des Provinznestes „Hindafing“ ab Dienstag (20.15 Uhr, BR) von Folge zu Folge näher an den Abgrund stößt. Ein Gespräch über Lokalpolitik, Heimatdialekt und die Schönheit des Scheiterns.

Herr Brückner, wenn Sie wählen müssen – was wäre der bislang wichtigste und wegweisendste Film Ihrer Karriere?

Das war 2003, mein erster, „Männer wie wir“. Ich kam damals frisch von der Schauspielschule, durfte sofort die Hauptrolle eines großen Kinofilms spielen – und dann auch noch einen schwulen Fußballer. Ich hatte sofort einen Namen und war drin. Drin zu bleiben ist zwar manchmal schwieriger, als drin zu sein, aber der Start war schon mal perfekt – obwohl es oberflächlich betrachtet nur eine Komödie ist.

Welchen Stellenwert hat im Vergleich da Ihr „Räuber Kneißl“ fünf Jahre später?

Warum der?

Weil Sie darin nicht nur einen Schurken mit reiner Seele spielen, sondern auch noch in Ihrer Mundart.

Stimmt schon. Zuletzt hatte ich mit „Pregau“ eine ähnliche Figur in der Gegenwart, die ohne es zu wollen immer tiefer in eine kriminelle Spirale gerät. Vorm Kneißl dagegen war ich tatsächlich viel öfter die Unschuld vom Lande. Trotzdem verlaufen auch Schauspielerleben in Phasen. Vorige Woche erst stand ich als Ibsens Baumeister Solness auf der Bühne, ein älterer Herr um die 60 mit schwerer Midlife Crisis, den halt ein jüngerer wie ich spielt. Meine Rollenauswahl lässt sich vermutlich darauf reduzieren, dass ich Wohlfühlzonen vermeide.

Zischl (Maximilian Brückner, rechts) ist ein korrupter Bürgermeister. Doch dann wird er erpresst. Quelle: Bayerischer Rundfunk

Wie jetzt, in „Hindafing“.

Ganz genau. Wobei Alfons Zischl wie Räuber Kneißl Mundart spricht, aber keine reine Seele hat. Es ist aber völlig offen, wohin es ihn im Strudel aus Korruption und Vetternwirtschaft in der Provinzpolitik treibt.

Die kennen Sie als Dorfbewohner ja auch aus eigener Erfahrung.

Grundsätzlich wird es die in viel schlimmerer Form geben. Es ist verglichen mit meiner eigenen realen Umgebung eine heillose Überspitzung.

In der Sie selbst sogar mal kommunalpolitisch aktiv waren.

Aber wirklich nur ganz kurz und pragmatisch, weil ich die Leute dort halt kannte, wie es auf dem Dorf eben so ist.

Die berüchtigte Amigo-Wirtschaft der CSU haben Sie nicht erlebt?

Nein! Deshalb hat meine Realität mit dieser Serie überhaupt nix zu tun. Zumal Alfons Zischl im Grunde gar nicht am System scheitert, sondern an all den selbst gestellten Fallen, in die er hineintappt. Fernsehen kann natürlich auch in aller Ruhe funktionieren, aber die permanente Eskalation einer heillos überforderten Figur finde ich fesselnd. Zumal man ihn ständig packen, durchschütteln und da rausholen möchte.

Sie empfinden Sympathie für ihn?

Es ist ja das Geheimnis jeder schlüssigen Filmfigur, dass das Publikum selbst dann Empathie empfindet, wenn sie abgründig ist. Nehmen Sie Francis Underwood in „House of Cards“, bei dem das Publikum mitfiebert, ob er es nach oben schafft, obwohl das ein skrupelloser Zyniker ist, der für sein Ziel sogar tötet. Da ist es doch kein Wunder, wenn man den kleinen Zischl aus Hindafing mag. Wobei mir anders als Kevin Spacey bei dessen Figur das Menschliche an meiner wichtig war. Eigentlich will er das Gute, aber die Gier ist stärker und der Drang, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters herauszutreten.

Kennen Sie es als ältestes von acht Geschwistern, sich behaupten zu müssen?

Nein. Wir sind zwar alles andere als stets harmonisch; das schafft man ja nicht mal in Zweierbeziehungen. Aber die Grundlage ist solide genug, um bei allen notwendigen Auseinandersetzungen am Ende immer gut miteinander klarzukommen.

Wohnen Sie noch mit zwei Brüdern auf dem Bauernhof in Oberbayern?

Brüder ja, Bauernhof klingt zu sehr nach Landwirtschaft. Wir haben ein bisschen Kleinvieh, das war’s.

Alfons Zischl (Maximilian Brückner) wird von Visionen heimgesucht. Quelle: Bayerischer Rundfunk

Apropos Kleinvieh: Warum läuft „Hindafing“ im Dritten, nicht Ersten Programm?

Weil es in seiner Besonderheit hervorragend auf diesen Sendeplatz passt. Am Anfang geht es ja noch gemächlich los, aber mit jeder weiteren Folge nimmt alles so absurd Fahrt auf, dass es für die ARD vielleicht etwas zu wild ist.

Suchen Sie als Hauptrollenschauspieler manchmal gezielt nach solchen Abseiten?

Ich suche weder das eine noch das andere, schließe aber auch nichts aus. Nachdem ich zum Beispiel Martin Luther gespielt habe, mache ich jetzt ein Low-Budget-Projekt fürs Kino. Dabei bin ich mir allerdings auch des riesigen Glückes bewusst, diese Wahl zu haben.

Nutzen Sie die auch, um Ihre Bandbreite zu erweitern?

Ich drehe jedenfalls keine schlecht geschriebene Komödie, weil ich grad was mit Humor zur Primetime brauche. Dann mach ich lieber weiter gute Krimis, danach besteht hierzulande ohnehin ständig Bedarf, gerade in meinem Alter. Oder ich spiele Theater, um mich wieder mehr der Gefahr auszusetzen, auf die Schnauze zu fallen.

Schon mal passiert?

Mit Schillers „Die Räuber“, ja. Das hat mich aber eher angestachelt, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Solange dich die Niederlage nicht zerstört, macht sie dich anders als Erfolg nur stärker.

Von Jan Freitag/RND

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