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18:25 11.02.2018
Wookie Chewbacca und Han Solo. Quelle: Imago
Berlin

Eine „Star Wars“-Fernsehserie soll auch noch kommen? O weh! Das ist haarig wie der Wookie Chewbacca. „Star Wars“ ist die Science-Fiction-Monstranz, eines der größten Heiligtümer der Popkultur.

Die Fans sind feinnervig, hyperkritisch, reden schlichtweg alles schlecht, wollen eigentlich überhaupt nichts Neues mehr sehen, was den Mythos des Originalfilms und seiner Fortsetzung „Das Imperium schlägt zurück“ ankratzen könnte. Das ist so, seit in „Die Rückkehr der Jediritter“ 1983 plötzlich eine Ansammlung Teddybär-ähnlicher Wesen mitmischte und nach dem Sieg der Rebellen übers Imperium possierlich-peinliche Freudentänze aufführte. Tenor der „Star Wars“-Gemeinde: Sehen aus wie von Steiff – nur ohne Knopf im Ohr.

Die zweite Star Wars Trilogie war in den Augen der Fans ein Disaster

Nichts kann man diesen miesepetrigen Gralshütern recht machen. Die zweite Trilogie – alle drei Filme wurden vom „Star Wars“-Guru George Lucas selbst inszeniert – war in ihren Augen ein erzählerisches Fiasko: „Die dunkle Bedrohung“ – eine Clownerie allein schon wegen des endlos sabbelnden Amphibienkamels Jar Jar Binks, „Angriff der Klonkrieger“ – „Sissi“-Romantik im Weltall, „Die Rache der Sith“ – zu düster und zu brutal.

„Das Erwachen der Macht“, erster Film der dritten Trilogie, wurde 2015 als lauer Remix alter Motive abqualifiziert. „Die letzten Jedi“, der vorige Weihnachten gestartete jüngste Film des größten Kino-Franchise aller Zeiten, sollte dann sogar aus der offiziellen Zählung der Episoden entfernt werden. Wegen Luke Skywalker als mürrischem, gebrochenem Altjedi und überhaupt. Ein Wunder, dass die jüngsten Einspielergebnisse dennoch jedes Mal die Milliardenmarke überschritten. Offenbar sind die Fans zwiegespalten und saugen trotz aller Kritik jedes neue Partikelchen aus dem „Star Wars“-Universum gierig auf.

Schauen. Meckern. Fan ist nun mal die Abkürzung von Fanatiker. Zwei Trickfilmserien „Star Wars – Clone Wars“ und „Star Wars – Rebels“ stießen auf geteiltes Echo. Begeisterung gab’s dafür vor allem vom „Star Wars“-Nachwuchs der Nullerjahre, der noch nicht ins Kino durfte, aber endlich mehr wollte als nur mit dem Lego-Millennium-Falken durch Kinderzimmer zu flitzen. Via Fernsehen konnten die Kleinen auch in die sagenumwobene „weit, weit entfernte Galaxis“ blicken.

Während die notorisch erbosten Hardcore-Fanzirkel sich derzeit schon mal über die angeblich miese Leistung Alden Ehrenreichs echauffieren, obwohl sie ihn erst im Mai im Kinofilm „Solo“ als jungen Weltraumhasardeur Han Solo sehen können, prasseln Ankündigungen über neue Projekte über sie herein wie Meteoritenschauer.

Gerüchte über Einzelfilme zu Obi-Wan Kenobi

Nicht nur, dass gerüchteweise auch Obi-Wan Kenobi, der weise Jedi Yoda und Kopfgeldjäger Boba Fett ihre Einzelfilme bekommen sollen und dass Rian Johnson – Regisseur des umstrittenen Films „Die letzten Jedi“ – mit einer neuen Trilogie betraut wurde. Auch David Benioff und D. B. Weiss, die mit „Game of Thrones“ die komplexeste Fantasysaga der Geschichte auf den Bildschirm brachten, sollen ihre eigene Dreifilmigkeit bekommen. „Wir sind geehrt durch diese Möglichkeit und erschrocken angesichts der Verantwortung und dringen darauf, damit anzufangen, sobald die letzte Staffel von ,Game of Thrones‘ im Kasten ist“, bekundeten die „GoT“-Macher. Anhänger befürchten von ihnen allzu tiefe, gespaltene, zerfressene Charaktere. Von den begrenzten Autorentalenten der beiden ist in Fanforen jetzt schon die Rede: Von dem Moment, als sich Benioff und Weiss von den Romanvorlagen von George R. R. Martin gelöst hätten, habe sich die Qualität verschlechtert. Allerdings stehen die „Star Wars“-Filme auch nicht gerade für Autorenkino. Sex und Crime à la Westeros? Das wird das Disney-Imperium zu verhindern wissen.

Star Wars als Todesstern im Kampf um die Krone in der Streamingwelt

Eigentlich wären Benioff und Weiss das perfekte Paar für die von Disneys CEO Bob Iger angekündigte „Star Wars“-Live-Action-Serie gewesen. Über die ist bislang personell wie inhaltlich gar nichts bekannt, über weitere „Star Wars“-Serien, die Iger beiläufig erwähnte, weiß man noch nicht einmal, ob sie Trick- oder Realverfilmungen werden sollen. Iger wollte wohl nur mal klarstellen: „Star Wars“ wird neben den Marvel-Superhelden ab Ende 2019 den Hauptangriff des neuen Disney-Streamingportals gegen Netflix führen.

„Star Wars“ quasi als Todesstern in „Stream Wars“? Das könnte die Gemeinde in kollektive Agonie stürzen. Und während sich das „Star Wars“-Universum nun also drastisch ausdehnt, stagniert dort Gender-mäßig alles. Die Zeitschrift „Variety“ fand heraus, dass 96 Prozent der Autoren und Regisseure Männer seien. Gern würden wir nun aber auch mal die weibliche Seite der Macht kennenlernen. Und überhaupt: Wo bleibt der Film über Prinzessin Leia als kleines Mädchen?

Von Matthias Halbig/RND

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