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Fernsehen „Ich veröffentliche nicht meine Seele“
Nachrichten Medien Fernsehen „Ich veröffentliche nicht meine Seele“
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12:42 04.04.2017
Nacktbilder sind im Netz: Charlotte (Felicitas Woll, links) und die verzweifelte Lara (Aleen Jana Kötter). Quelle: Foto: Sat.1
Unterföhring

Die Schauspielerin Felicitas Woll ist meist sympathisch und nett in ihren Filmen. Sie wäre aber auch gern mal ein eiskalter Engel.

Frau Woll, zuerst ein prügelnder Ehemann in „Die Ungehorsame“, im Jahr drauf eine Vergewaltigung im Bekanntenkreis, jetzt Cyber-Mobbing – seit 2015 handeln Ihre Filme auffällig oft von Gewalt im Privaten.

Felicitas Woll: Ach ja?

Zumindest die großen Produktionen. Welche besondere Ausstrahlung bringen Sie für solch drastische Themen im häuslichen Umfeld mit?

Das kann ich erst einmal nur aufgrund der Reaktion auf diese Filme vermuten. Aber wenn die Menschen von meiner Arbeit berührt werden und das mitnehmen ins Leben, habe ich offenbar was richtig gemacht.

Premiere in Berlin: Das „Nackt“-Ensemble (v. l.) Niklas Nißl, Aleen Jana Költer, Felicitas Woll und Martin Gruber beim Fototermin. Quelle: dpa-Zentralbild

Was genau?

Vielleicht liegt das daran, dass ich mich bei diesen drei Geschichten auch als Platzhalterin von Schicksalen gesehen habe, die uns allen da draußen jederzeit passieren können. Auch wenn ich selbst gerade in der glücklichen Situation bin, all das nur nachempfinden zu dürfen, nicht durchmachen zu müssen. Aber durch diese Erfahrung bin ich als Darstellerin und Mensch ungleich reicher aus den Dreharbeiten herausgegangen. Andererseits mag ich aber auch Geschichten, die leicht vom Leben erzählen.

„Großer Mann ganz klein“ zum Beispiel.

Genau. Oder „Von Kerlen und Kühen“.

Utta Danella ... Woraus schöpfen Sie bei den schwereren Stoffen das Empfinden einer Gewalterfahrung, die so weit von Ihrem eigenen Alltag entfernt ist?

Aus der Tiefe des Menschseins. Natürlich lese und recherchiere ich zu einer Figur wie meiner Charlotte in „Nackt. Das Netz vergisst nie“ sehr viel. Darüber hinaus mache ich aber auch emotional völlig auf, springe in diesen See hinein und hoffe, den Kopf oben zu behalten.

Hilft es eigentlich bei der emotionalen Öffnung während der Dreharbeiten, wenn man wie Sie nicht durch ein Schauspielstudium gewissermaßen verbildet wurde?

Vielleicht. Aber auch die Ausgebildeten sind ja stets auf der Suche nach einer Wahrhaftigkeit, von der ich übrigens schon als Kind geträumt habe; auch ohne Schule wollte ich nämlich immer Schauspielerin werden. Dabei ging es gar nicht unbedingt um die ganz große Bühne; ich bin kein Typ, der mit großer Geste vors Publikum tritt.

Vielseitig: Felicitas Woll im Alpenkrimi „Liebe bis in den Mord“ an der Seite von Thomas Unger. Quelle: Jacqueline Krause-BurbergJacqueline Krause-Burberg

Festreden halten müssen andere?

Oh ja, bitte! Aber ich liebe es, mich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen.

Wären Sie dafür im Film gern mal so richtig böse?

Doch, natürlich. Die liebe Nette, die sich umdreht und plötzlich nicht mehr warm, sondern eiskalt ist, toll! Schließlich trägt jeder beide Seiten in sich. Ich bin ja auch nicht nur nett.

Ach …

Nein! Ich kann auch ganz anders und würde diese Seite gern öfter auch vor der Kamera zeigen. Wobei meine Rollen zuletzt mit warm oder kalt gar nicht so richtig beschrieben sind. Es sind einfach Frauen, die radikal aus ihrem gewohnten Leben gerissen werden und dabei durchaus hart werden können.

Hat Ihr Leben schon mal eine ähnlich dramatische Wendung genommen?

Als ich Mutter geworden bin, hat sich grundlegend etwas verändert. Allerdings im positiven Sinne, zum Glück.

Sympathisch und nett: Felicitas Woll würde auch gern doppelbödige Charaktere spielen – vordergründig liebenswert, in Wahrheit eiskalt. Quelle: dpa

Ihre reale Tochter ist jetzt nah am Alter Ihrer Filmtochter Lara, die durch veröffentlichte Nacktbilder von ihrem Handy zum Mobbing-Opfer wird. Hat Taisha ein Smartphone?

Noch nicht. Wir fangen gerade an, darüber zu sprechen. Mein Ziel ist es, sie auf einen guten Weg zu bringen, damit sie nicht wie meine Filmtochter mit 14 oder 15 bei der ersten großen Liebe blindlings in irgendwas reinstolpert. Bei uns war das leichter, wir haben uns als Teenager ja noch Briefe geschrieben…

Wie ist denn Ihr eigenes Multimedia-Verhalten?

Da würde ich mal sagen: Weitgehend kontrolliert. Ich pflege meinen Facebook-Account, poste auch mal ein unverfängliches Bild und schaue schon auch mal nach einer Weile nach, ob es jemand gelikt hat (lacht). Aber ich veröffentliche nicht meine Seele, es muss nicht alles von mir ins Netz, wie es bei vielen Jugendlichen ja der Fall ist. Und genau das will ich meiner Tochter vorleben.

Hat der Film Ihr eigenes Verhalten da nochmals geprägt?

Ja, aber ich bin sehr analog aufgewachsen und habe mich mit dem Internet nie so vollständig verbunden.

Und haben Sie für jeden Account auch verschiedene Passwörter, wie es ein Hacker Charlotte in dem Film „Nackt“ rät?

Zwangsläufig, weil ich meine bestehenden ständig vergesse. Das macht meine Internetnutzung vergleichsweise sicher. Ich versuche einfach, nicht so viel online zu machen.

Früher sah man noch in den Sternenhimmel: Felicitas Woll warnt als Charlotte in „Nackt“ vor dem steten Blick aufs Smartphone. Quelle: SAT.1

Empfinden Sie das als konservativ?

Wenn konservativ heißt, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, statt ständig in der Cloud zu schweben, darf man das gern so nennen. Ich bevorzuge allerdings altmodisch, auch wenn das für manche uncool klingen mag.

Will der Film diesen Zauber der Analogie vermitteln?

Schon. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern um uns immer mal wieder vor Augen zu halten, wie wir eigentlich leben.

Wie leben wir denn?

Also, unsere Urahnen haben nachts noch in den Sternenhimmel geschaut. Wir hingegen gucken doch nur noch aufs Handy. Ich will das gar nicht grundsätzlich verteufeln; schließlich benutze ich es selber. Aber dieses permanente Draufstarren – das kann es doch echt nicht sein! Wir verlernen dabei langsam, zu kommunizieren, wie es die Menschen in südlichen Gefilden noch beherrschen. Steigen Sie hierzulande mal mit fünf Leuten in den Aufzug: Da holen sofort alle ihr Handy raus, garantiert. Bloß nicht reden, bloß nicht kommunizieren! Dabei ist ein Fahrstuhl doch die große Chance, sich mal locker zu machen und ins Gespräch zu kommen.

Würden Sie sich denn locker machen und ins Gespräch kommen?

Ab und zu probiere ich das. Schlussendlich bleibt man aber doch meistens bei sich und seinem Smartphone. Dabei liebe ich es, stundenlang leibhaftig miteinander zu diskutieren. Wenn wir das verlernen, sind wir alle bald nur noch leere Hüllen.

Von Jan Freitag

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