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Fernsehen Unser Freund Viva – Ein Nachruf
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17:18 21.06.2018
Eine der ersten Moderatorinnen: Sarah Kuttner. Quelle: dpa
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Berlin

„I want my MTV“, sang Sting mit hoher Stimme den Slogan des US-Musiksenders MTV. Und die Dire Straits knatterten dazu ihr „Money For Nothing“. Einen vergleichbaren Rockklassiker kann das deutsche Senderpendant Viva nicht vorweisen. Weder die Toten Hosen noch Selig fühlten sich je dazu berufen, dem deutschen Musiksender Viva ein „Viva lebe hoch“ zu singen. Vielleicht schickt ihm jetzt ja irgendwer ein „Viva, ade!“ hinterher. Denn Viva läuft auf die Leerrille zu. Ende des Jahres ist Schluss. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung wird der Sender, der sich den Programmplatz schon seit Längerem mit der Sendemarke Comedy Central teilt, eingestellt. So übermittelte es jetzt der Viva-Träger, das Medienunternehmen Viacom.

Stefan Raab in den Neunzigern. Quelle: dpa

Wie schade ist das denn? Unser Viva! „Ich hätte nicht gedacht, dass es Viva nach meinem Wechsel zu Pro7 so lange schafft, zu existieren“, sagte Stefan Raab. Nicht etwa zur jetzigen Grablegungsankündigung. Sondern schon 2003 zum zehnjährigen Jubiläum. Raab war einer der Männer der ersten Stunde gewesen, trat, als die Kameras am 1. Dezember 1993 zum ersten Mal ins Viva-Studio leuchteten, allen Ernstes mit Hornbrille und Rollkragenpulli vor die deutsche Jugend.

Und Heike Makatsch, Moderatorin der Viva-Stunde null, warf sich der Zielgruppe, damals richtig an den Hals: „Wir sind mehr als nur ein Fernsehsender, wir sind euer Sprachrohr und euer Freund, und ab heute bleiben wir für immer zusammen, okay?“ Das war eine Ansage mit Wumms. Erstes Video war „Zu geil für diese Welt“ von den damals noch jungen Fantastischen Vier. So fühlten sich auch die Macher.

Wie Mola Adebisi, der Mann mit dem breiten Lachen und den knuffigen Dreadlocks, der oft viel zu viele Gäste auf dem Sofa seiner Sendung „Interaktiv“ hatte. Der war erst 20 und fuchtelte viel mit den Händen herum. Hip-Hop-Gestik, von der die Viva-Darlings glaubten, sie auf die Moderation übertragen zu müssen. War das niedlich!

Viva-Moderatorin Heike Makatsch. Quelle: dpa

Oder war es rückwirkend betrachtet albern? Dem Ansinnen, deutsche Pop-, Rock-, und Hip-Hop-Produktionen nach vorn zu bringen, pflichtete man bei. Freilich gab’s gar nicht so viele deutsche Sachen. Heute könnte man locker 80 Prozent der Sendezeit damit bestücken. Aber es wäre großenteils der angesagte Seufz-und-Jammerpop von Leuten wie Mark Forster, Andreas Bourani und Revolverheld. Auch nicht schön. Muss man gar nicht weiter drüber nachdenken, denn Vivas große Zeiten waren auch schon vor dem jetzt verkündeten Ende lange vorbei. Mit der Übernahme durch MTV-Eigner Viacom 2004 ging es bergab. Heute, in Zeiten von Youtube, herrscht kein Bedarf mehr an Musik-TV im Lagerfeuerstil. Wer will sich das neue Video von George Ezra aufzwingen lassen, wenn er gerade Lust auf Nirvana hat.

Enie van de Meiklokjes. Quelle: dpa

Darum ist unser „Oweh!“ mehr der Erinnerung an Moderatorinnen wie Charlotte Roche, Enie van de Meiklokjes und die Makatsch geschuldet als den heutigen Zuständen. Heikes „für immer“ dauerte übrigens nur zwei Jahre. Comedy Centrals Sendezeit wird ab Januar laut Viacom auf 24 Stunden ausgeweitet. Und die einstige Viva-Frau Sarah Kuttner verabschiedete sich über Twitter: „Schüssi Viva! Du hast mir viel Spaß gemacht und mir einiges beigebracht. Ich hab für vieles zu danken und schüttle über einiges den inzwischen gräulichen Kopf.“

Die Neunzigerjahre sind nun vorbei, aber zumindest Scooter und DJ Bobo werden Viva nie vergessen. Der Sender hat sie hochgespielt. Hat auch das Comeback von Modern Talking besorgt. Vielleicht sollten sie zur Beisetzung gemeinsam ein Cover von Coldplays „Viva – La Vida“ aufnehmen. Das wäre der Hit!

Von Matthias Halbig/RND

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