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Fernsehen Doku über die Anfänge des Unterhaltungsfernsehens mit Kulenkampff und Rosenthal
Nachrichten Medien Fernsehen Doku über die Anfänge des Unterhaltungsfernsehens mit Kulenkampff und Rosenthal
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15:22 08.08.2018
Musste sich im Russlandfeldzug erfrorene Zehen abschneiden: Der Quizmaster, Schauspieler und Conférencier Hans-Joachim Kulenkampff (1921–1998) in seiner Quizsendung „Einer wird gewinnen". Quelle: SWR/
Köln

Die deutsche Sonnabendshow hat sich nie allzu eifrig um die Nachrichtenlage gekümmert. Ganz gleich ob Peter Frankenfeld, Rudi Carrell oder Frank Elstner, ob Jörg Pilawa oder Kai Pflaume: Wenn Deutschlands Entertainer zur Unterhaltung blasen, bleibt die Politik meist draußen. So weit das Vorurteil.

Dann aber sieht man diese Dokumentation, die am Mittwoch um 22.30 Uhr im Ersten läuft, und erstarrt vor Schreck. Da singt Peter Alexander in seiner gleichnamigen Show ein Lied übers zerbombte Land, in dem „das Hungern“ wenigstens „schön schlank“ mache. Und der Holocaust-Überlebende Hans Rosenthal trägt bei der Jubiläumsausgabe von „Dalli Dalli“ Trauerschwarz statt Quietschbunt wie 1975 üblich. Der Grund dafür: Die Sendung fiel auf den Jahrestag der Reichspogromnacht.

Der Quizmaster Hans Rosenthal während einer „Dalli-Dalli"-Sendung im Juni 1978. Quelle: dpa

Am Anfang der hiesigen Fernsehgemütlichkeit, so belegen die 91 Minuten von „Kulenkampffs Schuhe“ eindrücklich, ging es doch nicht ausnahmslos so eskapistisch zu, wie es die Legendenbildung hierzulande besagt. Genau das arbeitet die prämierte Filmemacherin Regine Schilling („Geschlossene Gesellschaft“) in einer famosen Collage aus Archivmaterial und Super-8-Filmen der Sechziger- bis Siebzigerjahre heraus. Sie beschränkt sich dabei jedoch nicht auf den Abriss des televisionären Zerstreuungsangebots, sondern erstellt am Beispiel ihres eigenen Vaters ein autobiografisch gefärbtes Narrativ der späten Nachkriegsgesellschaft.

Geboren 1925, durchlebt der lebenslustig strebsame Drogeriebesitzer das abflauende Wirtschaftswunder in einer Mischung aus Aufstiegseuphorie und Abstiegsangst. Und wie die meisten seiner Mitbürger lenkt er sich tagtäglich drei Stunden am Röhrenapparat vom harten Alltag ab.

Mit Maria Schraders Stimme erzählt seine Tochter, geboren 1962, von den Sonnabenden ihrer Kindheit, an denen alle Sorgen des Daseins verfliegen, „der Vater rauchend mit Bier, Mutter ein Glas süßen Mosels“, dazwischen die kleine Regine – glücklich, behütet, aber ein bisschen verwirrt, wenn der Veteran Hans-Joachim Kulenkampff mal wieder Witze über den Russlandfeldzug macht, bei dem er sich selbst mit dem Messer mehrere erfrorene Zehen abschneiden musste.

Sang über den Hunger in der Nachkriegswelt: Peter Alexander. Quelle: KEYSTONE

Man muss sich das kurz vergegenwärtigen: Ein Showmaster, der seine Zuschauer nicht nur mit Weltstars in Tiermaske oder Schleichwerbung für Gummibärchen belästigt, sondern nebenbei auch auf die Folgen des Kriegs anspielt. Spaß und Grauen lagen zu Beginn des Unterhaltungsfernsehens in der Bundesrepublik offenbar nahe beieinander. Die Showmaster traten an, eine ganze Generation von ihren Kriegstraumata zu kurieren.

Natürlich bedienten auch die Fernsehgastgeber der Aufbruchsjahre vor allem Fluchtinstinkte. Ein seliges Publikum voller Bienenstock-Frisuren im Saal, waren auch die Conférenciers der Aufbruchsjahre gnadenlos der guten Laune verpflichtet.

Besonders Hans Rosenthal, der sich in seiner Jugend in einer Gartenlaube vor den Nazis versteckte, arbeitete das Trauma des Nationalsozialismus mit einem Frohsinn auf, der „Dalli Dalli“ ab 1971 zum Inbegriff bürgerlichen Verdrängungsbedürfnisses machte. Doch wenn der jüdische Moderator zeitgleich in der Sendung des empathischen Blacky Fuchsberger von seiner Todesangst im Berliner Versteck erzählt, zeigt sich, dass die Hochphase deutscher Fernsehunterhaltung doch ein wenig vielschichtiger war als im Rückblick oft beklagt.

Mit diesem Aspekt allerdings beschäftigt sich Regina Schilling nur am Rande. Im Kern erinnert sie an die Verdrängungskultur der Wirtschaftswunderzeit – und leistet so einen Beitrag zu einer Erinnerungskultur zwischen Auschwitz-Prozessen und „Am laufenden Band“. Die Doku fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Von Jan Freitag

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