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Fernsehen Rückkehr ins Mörderhaus
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16:27 16.01.2018
Schlechtes Omen: Inga (Silke Bodenbender) kehrt in ihr Dorf zurück. Quelle: ARD
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Berlin

In diesem Kaff möchte man nicht begraben sein. So finster wirkt die Gegend rund um dieses namenlose Dorf irgendwo in Vorpommern, genau wie die Bewohner, die jeden Fremden am liebsten wegbeißen würden. Es gibt dort dunkle Familiengeheimnisse und furchterregende Rituale, bei denen jedes Jahr wieder auf dem Dorfplatz eine Teufelspuppe verbrannt wird. Und über alldem wabert beständig der Nebel, eiskalt und bedrohlich. Kurzum: Ein toller Schauplatz für einen Psychothriller wie „Teufelsmoor“, den Brigitte Maria Bertele nach einem Drehbuch von Corinna Vogelsang inszeniert hat. Der kommt streckenweise tatsächlich so gruselig daher, dass man der von Silke Bodenbender verkörperten Protagonistin am liebsten zurufen würde: Pack endlich deine Koffer. Und verlass sofort diese ungastliche Gegend.

Aber Inga, so heißt die Frau, bleibt, was man sich als Zuschauer lange Zeit nicht so recht erklären kann. Gekommen ist sie, um ihren Vater zu begraben. Und nun schafft sie es nach der Trauerfeier einfach nicht, zurück in ihre Stadt zu fahren, obwohl auch das Haus ihres Vaters alles andere als heimelig ist. Vielmehr wirkt das alte Gemäuer wie ein Spukhaus aus einem typischen Hollywood-Gruselfilm mit geheimnisvollen Ecken und Räumen und knarrenden Dielen. Die Dorfbewohner nennen es gar das „Mörderhaus“, weil vor gut 30 Jahren dort offenbar Fürchterliches geschehen ist. Ein Vorfall, der nie abschließend geklärt worden ist. Und über den sich daher herrlich gruselig spekulieren lässt.

Damals verschwanden nämlich plötzlich Ingas siebenjähriger Bruder und ein Nachbar, ein „Zigeuner“, der in einem Wohnwagen lebte. Da die zwei Jahre ältere Inga auf den Kleinen aufpassen sollte, gaben die Eltern, vor allem die Mutter, ihr die Schuld. Darunter leidet sie noch heute. Sie nimmt deswegen offenbar auch Psychopharmaka ein, die ihre unbestimmten Ängste abmildern sollen. Warum sie allerdings diese Pillen nun schlagartig abgesetzt und in der Toilette entsorgt, darüber lässt sich nur mutmaßen. Wie über vieles in diesem mysteriösen Film, der erst kurz vor Ende auf überraschend drastische Weise seine Geheimnisse lüftet.

Jedenfalls kehren bei Inga langsam die Erinnerungen an das damalige schreckliche Geschehen zurück. Zuerst scheint sie sich in eine Psychose hineinzusteigern, sie sieht plötzlich Dinge und Szenen aus ihrer Vergangenheit, verwechselt dann gar ihren Sohn mit dem bei seinem Verschwinden gleichaltrigen Bruder. Und ist regelrecht besessen von dem Verlangen, endlich zu wissen, was einst geschehen ist. Ein Verlangen, das auch Anna (Bibiana Beglau) umtreibt. Die kleine Schwester des damals verschwundenen Nachbarn, die als Waise von Ingas Eltern aufgenommen worden ist. Auch sie scheint ähnlich besessen zu sein wie Inga, verhält sich aber extrem kühl und distanziert. Beide Frauen und nicht zuletzt auch die trotz ihrer Demenz allgegenwärtige Mutter (Barbara Schnitzler) dominieren dann auch diesen Film so ausdrucksstark, dass alle anderen Personen zu reinen Randfiguren werden. Beispielsweise Ingas Mann (Steven Scharf), ein gehetzter Verlagsmanager, der es aus Termingründen noch nicht einmal schafft, zur Beerdigung seines Schwiegervaters zu kommen.

In „Teufelsmoor“ bestimmen also Frauen eindeutig die Szenerie, nicht nur vor, auch hinter der Kamera. Selbst die zuständige Fernsehredakteurin ist eine Frau. Und wie so oft bei von Frauen dominierten Filmen geht es dann vor allem um familiäre Beziehungen und Kränkungen, die hier auch verantwortlich sind für den sich entwickelnden Horror. Erstaunlich gekonnt werden dabei Grusel- und kleinere Schockelemente eingebaut. Der Hauptdarstellerin gelingt es glaubhaft und facettenreich, das seelische Drama ihrer Hauptfigur zu verkörpern.

Von Ernst Corinth/RND

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