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Fernsehen Garfield – Der Zeitungskater wird 40
Nachrichten Medien Fernsehen Garfield – Der Zeitungskater wird 40
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11:41 18.06.2018
Dieser Kater ist nicht nett: Garfield mit Warnschild. Quelle: dpa
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Hannover

Spätgeborene kennen Garfield aus dem Kino. Da hatte er – zumindest im ersten der drei Filme – die Stimme von Thomas Gottschalk. Er rappelte sich unter der grünen Decke in seinem Körbchen hervor, seufzte den berühmten Garfield-Eröffnungssatz „Ich hasse Montage!“ und weckte sein drömeliges Herrchen Jon Arbuckle mit einer Arschbombe vom Schrank auf dessen Bauch.

Kater Garfield ist ein Mensch wie du und ich

Mit einem Druck auf die Klospülung nahm er ihm dann den Kaltwasseranteil aus der Duschwasser, was für einiges Verbrühungsgeschrei hinterm Duschvorhang sorgte. Garfield, das war Novizen schon nach fünf Minuten im Kinositz klar, war kein Held, auch kein Verlierer auf der Suche nach der großen Aufgabe.

Sondern ein Mensch wie du und ich, faul, auf den eigenen Vorteil aus, meist hintertrieben, manchmal den Goldstaub eines goldenen Herzens aufschimmern lassend und immer bereit für vier Portionen Lasagne. Nur, dass er eben ein Haustier war.

Der schwere Kater mit der großen, sarkastischen Schnauze, wird am morgigen Dienstag 40 Jahre alt. Er startete als Zeitungskatze, die ihren ersten Auftritt am 19. Juni 1978 in einem Comic Strip in 41 amerikanischen Blättern hatte (sein offizieller Geburtstag im Comic).

Garfield brachte es ins Guinness Buch der Rekorde

Die Chicago Sun-Times ließ den dicken boshaften Philosophen zwar nach einer Testphase wieder fallen. Energische Leserproteste führten aber schnell zu seiner triumphalen Rückkehr. Heute ist Garfield ein Klassiker und Bestseller zugleich und steht im Guinness Buch der Rekorde: eine berühmtere Comic-/Zeichentrickkatze als Tom (Gegenspieler der Maus Jerry), Sylvester (Gegenspieler des Kanarienvogels Tweety) Kater Karlo (Krimineller in der Welt von Micky Maus) oder Felix (der schwarze Wunderkater aus den Zwanzigerjahren – quasi eine tierische Analogie zu Charlie Chaplin).

Nach den Daten, die Paws (Pfoten) Incorporated, das Unternehmen von Garfield-Erfinder Jim Davis, herausgibt, treibt Garfield seinen egozentrischen Schabernack in inzwischen 2400 Zeitungen in 80 Ländern und 40 Sprachen. Seine tägliche Reichweite: 200 Millionen Leser. Andere Quellen sind weniger bescheiden: erhöhen auf knapp 2600 Printtitel und reden von 300 Millionen Lesern. Vielleicht hat Garfield die höheren Zahlen selbst lanciert. Er neigt auch ein wenig zum Angeben.

Jim Davis’ erster eigener Comic handelte von Insekten

Davis zeichnete aus Langeweile. Asthma hielt den Jungen aus der Kleinstadt Marion im US-Bundesstaat Indiana immer wieder zu Hause fest. Zwei Dutzend Katzen strichen über die elterliche Farm, das Motiv lag also nahe. Und trotzdem begann seine Karriere 1972 mit „Gnorm Gnat“, einem Strip über Stechmücken.

Die Tierchen, in der Unbeliebtheitsskala der Menschheit nur knapp vor Zecken, waren fünf Jahre lang fester Bestandteil der Pendleton Times in Pendleton, Indiana. Sonst war niemand interessiert, egal was Davis auch versuchte. In einem Interview erinnerte er sich: „Ich dachte, Insekten wären lustig. Dachte aber keiner sonst.“ Immerhin: Die untertassengroßen Glubschaugen des Gekreuchs verwendete Davis nach Mückenheld Gnats Serientod 1977 auch für Garfield.

Der besonders war schon von seiner Geburt in einem italienischen Restaurant an: Der keine Mäuse fraß, wohl aber Vögel (und natürlich Pasta), der seinen Teddybär Pooky liebte und Spinnen noch mehr hasste als Montage oder Diäten. Der empfindlich und schnell beleidigt war, aber gern andere kritisierte (vorzugsweise Herrchen Jon) oder sie hundsgemein ins Bockshorn jagte (am liebsten den zu Garfields Entsetzen von Jon adoptierten, glücklich doofen Beagle Odie). Und der Sport strikt vermied (O-Ton: „Atmen ist Training!“).

Das Internet erlaubt sich Garfield-Bearbeitungen und -Neudeutungen

Garfields Gedanken und Redebeiträge konnte dabei stets nur der Comicleser verstehen, mit der Ausnahme des „April! April!“-Strips vom 1. April 1997 hört Herrchen Jon nur Gemaunze. Garfield Glück, sonst wäre er wohl längst vor die Tür gesetzt worden.

Heute gibt es Garfield als Spielzeug, auf T-Shirts und Trinkbechern, als Bettwäsche und Schlüsselanhänger. Es gibt supererfolgreiche Garfield-Bücher und -Fernsehserien und in der wilden Welt des Internet haben die dortigen Kreativpiraten Neudeutungen versucht. Diese reichen von „Silent Garfield“, wo nur die Gedankenblasen des Stubentigers entfernt wurden, bis zu der Website „Arbuckle“, wo Garfields Herrchen in den Mittelpunkt rückt. Aus dem etwas paddeligen Männchen wird ein einsamer Verlierer, dessen einzige Sozialkontakte die sinnlosen Gespräche mit seinen Haustieren sind.

Übergewichtig, mit großer Klappe, im Drang sich mit jedem Quatsch durchzusetzen unsympathisch und orangefarbig – das kommt einem heute noch von anderer Stelle bekannt vor. Man fragt sich, ob Garfields Geist vielleicht in den amtierenden US-Präsidenten übergewechselt ist. In der Comicwelt liegen ja prinzipiell alle Wunder im Bereich des Möglichen.

Antihelden wie Garfield sind beliebter als Helden

Jim Davis weiß nichts davon, wohl aber, worin die Beliebtheit seines unsympathischen Geschöpfs liegt: Er sei ein Antiheld, er traut sich das zu sagen und zu tun, was alle gerne sagen und tun würde, gäbe es eine Chance damit durchzukommen. Heute sind Antihelden allgemein beliebter als Helden – sogar Batman ist längst einer geworden.

Der 72-jährige Davis, Vater von drei Kindern, hat sich übrigens als Erwachsener nie eine Katze angeschafft. Als Grund hat er die Katzenhaarallergie seiner ersten Frau angegeben, aber wir wissen es besser. Er kennt die Tierchen einfach zu gut. Und er will seine Lasagne mit niemandem teilen.

Von Matthias Halbig / RND

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