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Fernsehen Anne Will liefert spannende Sendung zu Trump
Nachrichten Medien Fernsehen Anne Will liefert spannende Sendung zu Trump
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07:25 10.04.2017
Hat US-Präsident Trump richtig gehandelt? Über diese Frage diskutierten Moderatorin Anne Will und ihre Gäste am Sonntagabend. Quelle: NDR
Berlin

Natürlich bleiben auch am Ende dieses Abends viele Fragen unbeantwortet. Was einerseits daran liegt, dass keiner der Gäste eine Kristallkugel dabei hat und andererseits daran, dass es kaum einen Konflikt auf der Welt gibt, der es mit der Verworrenheit und Komplexität des nun schon seit Jahren andauernden syrischen Bürgerkrieges aufnehmen kann. Die wichtigsten zwei Frage des Abends sind allerdings schon beantwortet, bevor die Sendung überhaupt begonnen hat.

„Trump bekämpft Assad - droht jetzt ein globaler Konflikt?“, will ARD-Talk-Queen Anne Will von ihren Gästen wissen. Die Antwort darauf lautet nein - und niemand in der Runde außer der Moderatorin und dem hochumstrittenen vermeintlichen Nahost-Experten Michael Lüders hält die Frage ernsthaft für diskutierenswert. Das gilt noch mehr für die zweite Frage, mit der die Runde am Sonntagabend angekündigt worden war: Droht der syrische Bürgerkrieg jetzt zu eskalieren? Als ob er das nicht schon längst wäre - angesichts von Kriegsverbrechen, Massenvernichtungswaffen, Millionen Flüchtlingen und mehr als 400.000 Toten.

Trotzdem lohnt es sich, die Sendung zu verfolgen. Weil sie das syrische Chaos ein wenig ordnet. Weil sie die Probleme benennt. Und weil es viel zu sagen gibt, zu diesem Krieg.

Von der Leyen findet Angriff „nachvollziehbar“

Der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen reichen wenige Sätze, um das ganze Dilemma zu beschreiben. Da gibt es den Schlächter Baschar al-Assad auf der einen und die Terroristen vom islamischen Staat auf der anderen Seite. Dazwischen eine geschunden Zivilbevölkerung. Und am Rande Mächte wie die Türkei, Saudi-Arabien, Russland, die USA und Iran, die ihre jeweils eigenen Interessen in Syrien verfolgen. Wie eine Lösung für Syrien aussehen kann? „Nur politisch“, sagt von der Leyen. Alle müssen an einen Tisch und an einer Lösung arbeiten. Wie genau diese Lösung aussehen kann, dass allerdings sagt die Ministerin nicht. Wohl aber, dass sie den Raketenangriff der USA als Vergeltung für den Einsatz von Giftgas gegen die Zivilbevölkerung in Syrien „nachvollziehbar“ findet

Es ist eine Formulierung, die die Bundesregierung seit Tagen benutzt. Und die den früheren US-Botschafter John Kornblum ein wenig ärgert. „Deutsche Regierungen müssen immer alles kompliziert sagen“, sagt Kornblum. Der Raketenangriff sei richtig gewesen, ein Zeichen - nicht zuletzt an Russland, sagt er. Manchmal bedürfe es einer solchen Klärung, um danach erfolgreicher verhandeln zu können, findet der erfahrene Diplomat.

Viele Fragen bleiben offen

Das sieht der Linken-Abgeordnete Jan van Aken ganz anders. Dass das Assad-Regime tatsächlich für den Giftgas-Angriff verantwortlich sei, sei nicht bewiesen, sagt der Biologe. Anstatt zu Bomben, solle man erst untersuchen, findet der Bundestagsabgeordnete. Und so oder so sei der Angriff der Amerikaner ein Verstoß gegen das Völkerrecht, so van Aken.

Historiker Michael Wolffsohn weist darauf hin, dass der Raketenangriff der Amerikaner trotz russischer Flugabwehr möglich gewesen sei. Folglich müssten die Russen vorab informiert und deren Flugabwehr deaktiviert gewesen sein - was für ein abgestimmtes Vorgehen zwischen Moskau und Washington spreche. Ob Präsident Wladimir Putin nach einem Weg sucht, sein Syrien-Engagement gesichtswahrend zu beenden? Von der Leyen und Kornblum glauben das. Zusammen mit Historiker Wolffsohn vertreten sie die These, der Raketenangriff könnte unter Umständen sogar hilfreich sein, bei der Suche nach Frieden. Was van Aken und Lüders bestreiten.

Am Ende bleiben natürlich viele Fragezeichen - was aber auch wenig verwundert. Die nächste Sendung zu Syrien kommt bestimmt.

Von RND/Andreas Niesmann