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Fernsehen Anne Will liefert schwache Sendung ab
Nachrichten Medien Fernsehen Anne Will liefert schwache Sendung ab
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06:31 06.03.2017
Günter Verheugen (v.l.), Sevim Dagdelen, Armin Laschet, Anne Will, Heiko Maas und Can Dündar diskutierten am Sonntag über Erdogan. Quelle: Wolfgang Borrs/NDR/dpa
Berlin

Wie verfahren die deutsch-türkischen Beziehungen inzwischen sind, zeigte sich am Sonntagabend an Anne Wills Gästeliste. Der Part des Erdogan-Verstehers blieb unbesetzt. In der Vergangenheit hatte Fatih Zingal, Vertreter der Erdogan-freundlichen Auslandsorganisation „Union Europäisch-türkischer Demokraten“ diese Rolle übernommen. Zingal fiel dabei negativ durch hanebüchene Propaganda für den Sultan vom Bosporus auf. Am Sonntag aber hätte er zumindest die Frage beantworten müssen, warum sich seine Organisation dafür hergegeben hat, unter falschen Vorzeichen Wahlkampf-Auftritte türkischer Minister in Deutschland zu organisieren.

Wie sprachlos diese Auftritte die politisch Verantwortlichen in Deutschland hinterlassen, war gut an Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zu beobachten. Mit kaum versteckter Wut schilderte Maas, wie er am vergangenen Donnerstag von seinem türkischen Amtskollegen Bekir Bozdag gedemütigt worden war. Erst erfuhr er von Bozdags geplantem Auftritt in Gaggenau aus der Zeitung. Dann weigerte sich Bozdag, zu einem Gespräch über den in Istanbul inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel nach Berlin zu kommen. Maas flog nach Karlsruhe, nur um auch dort von Bozdag versetzt zu werden. Dennoch wandte sich Maas am Sonntagabend vehement dagegen, etwas gegen die Wahlkampfauftritte der türkischen Regierung in Deutschland zu unternehmen und etwa einem Einreiseverbot für Präsident Recep Tayyip Erdogan auszusprechen. „Das ist genau das, was Erdogan will“, um sich als Opfer hinstellen zu können, sagte Maas. „Ein Einreiseverbot würde alles nur schlimmer machen. Dann ruft Erdogan die Deutschtürken zu Demonstrationen auf. Das, worüber wir uns heute unterhalten, sind dann im Vergleich Sandkastenspiele.“

„Ich will Erdogan hier nicht haben“

Wie machtlos diese Position ist, machte Maas selbst deutlich, als er wiederum mit mühsam unterdrückter Wut auf Erdogans Tirade antwortete, Deutschland wende „Nazi-Methoden“ an. „Das ist so abstrus, infam und abwegig, dass man es gar nicht mehr kommentieren will.“

Auf Twitter wurde Maas für seine zur Schau gestellte Hilflosigkeit genau so beschimpft wie der nordrhein-westfälische Spitzenkandidat Armin Laschet, der zwischen „Ich will Erdogan hier nicht haben“ und „Ein Einreiseverbot ist ein zu scharfes Schwert“ eierte. Aber im Gegensatz zu Laschet war Maas wenigstens klar in seiner Ablehnung einer härteren Rolle gegenüber Erdogan.

Der stimmte auch der türkische Exil-Journalist Can Dündar zu, allerdings aus generellen Überlegungen zur Meinungsfreiheit: „Der Staat darf nicht entscheiden, wer das Rederecht hat - worum es auch immer geht.“ Nur die Linken-Politikern Sevim Dagdelen forderte eine kompromisslose Haltung gegenüber Erdogan und das Einfrieren der EU-Hilfen für das Land. Dagdelen ist Stammgast bei Anne Will, wenn es um Türkei-Themen geht. Warum, erschloss sich am Sonntag nicht so ganz. Sie trat höchst aggressiv auf und brachte die Debatte nicht wirklich weiter. Andere deutsch-türkische Abgeordnete hatten in der vergangenen Woche mehr zum Dilemma um Yücel und die Wahlkampfauftritte zu sagen.

Will liefert schwache Sendung ab

Erneut lieferte Will eine schwache Sendung ab. Alle Positionen waren medial bereits mehrfach ausgetauscht worden, einen Ausblick konnte die Runde kaum liefern. Am stärksten war noch Dündar, der allerdings mit dem Handicap antrat, dass er auf eine Simultan-Übersetzung angewiesen war. Er hat im selben Gefängnis wie jetzt Deniz Yücel in Untersuchungshaft gesessen. Täglich kamen Kollegen, darunter auch Yücel, zur Mahnwache vor den Gefängnistoren vorbei. „Das Wissen um diese Solidarität hilft einem, das Alleinsein in der Zelle zu überstehen. Diese Solidarität brauchen wir auch jetzt.“

Aus Istanbul zugeschaltet war Ilkay Yücel, die Schwester des inhaftierten Reporters. Sie ist an den Bosporus gereist, weil sie auf einen Besuchstermin bei ihrem Bruder hofft. Einfühlsamkeit ist nicht Anne Wills Stärke, und so stellte sie allen Ernstes die Frage: „Wie lange wird es Ihr Bruder in Haft aushalten - und wann nicht mehr?“ Die Schwester aber wehrte diese Zumutung souverän ab. „Ich weigere mich, darüber nachzudenken, weil ich immer noch auf eine schnelle Freilassung hoffe.“

Unerwähnt bleibt Günter Verheugen, ebenfalls ein Dauergast bei „Anne Will“. Der frühere EU-Erweiterungskommissar trägt nur noch seine Eitelkeit spazieren und breitete genüsslich aus, wie Erdogan noch 2004 vor ihm kuschte. Es gibt würdevollere Wege, seinen politischen Ruhestand zu verbringen.

Von RND/Jan Sternberg

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