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Medien Diese Sechs wollen für Deutschland zum ESC
Nachrichten Medien Diese Sechs wollen für Deutschland zum ESC
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15:06 22.02.2018
Vom Aupair zur Pophoffnung: Die Sängerin und „The Voice Of Germany“-Gewinnerin Natia Todua will Deutschland mit einer Powerballade beim ESC vertreten. Quelle: dpa
Berlin

So – irgendwann muss es ja auch mal gut sein mit dem Gehader. Man hat sich ausführlich im Elend gesuhlt, man die Chronik des Schreckens noch einmal schaudernd Revue passieren lassen: zweimal Letzter beim Eurovision Song Contest, einmal Vorletzter. Tote Hose beim ESC. Keinen Blumentopf gab’s für die deutschen Postulanten, seit Stefan Raab dem Zirkus vor fünf Jahren den Rücken gekehrt hat. Schlimmer geht’s nicht. Nun aber: nach vorn. Das Ziel ist bescheiden: Mal nicht Letzter werden.

Einen „radikalen Neuanfang“ hatte ARD-Unterhaltungskoordinator und ESC-Triebfeder Thomas Schreiber nach den multiplen Blamagen versprochen. Dafür hat sein Team ein mehrstufiges Verfahren entwickelt, bei dem nicht mehr Plattenbossgenörgel und Schnarchpop im Vordergrund stehen sollen, sondern: komplexe Datenmodelle, Fragebögen, ein 100-köpfiges Eurovisions-Panel aus Popfreunden, die den kontinentalen Popgeschmack repräsentieren, eine 20-köpfige Expertenjury mit ESC-Stallgeruch, 15 erfahrene Produzenten, Texter und Komponisten, Vocal-Coaches, Choreographie-Trainer und allerhand verzwickte Algorithmen.

„Unser Lied für Lissabon“

Der deutsche Vorentscheid „Unser Lied für Lissabon geht am Donnerstagabend (22. Februar) im Studio Adlershof in Berlin über die Bühne. Linda Zervakis und Elton moderieren den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2018 (live ab 20.15 Uhr, ARD). Über den Sieger entscheiden zu je einem Drittel die Zuschauer, ein 100-köpfiges Eurovisions-Panel und eine internationale Expertenjury. Das ESC-Finale ist am Sonnabend, 12. Mai, ab 21 Uhr live aus Lissabon zu sehen.

Schluss mit dem Pi-mal-Daumen-passt-schon-Prinzip

Was moderne Fußballtrainer längst praktizieren, hat den deutschen ESC-Trupp erreicht: Erfolgsformeln wurden analysiert, musikalische Typen definiert, Bühneneffekte konzipiert, Gewinnersongs dekonstruiert. Laptop trifft Liebesballade. Schluss mit dem Pi-mal-Daumen-Passt-schon-Prinzip – noch einmal mit Kalkül. Aber kann ein Algorithmus zum Sieg führen? Big Data statt Big Ego? Mathe macht Musik? Es ist das Gegenteil des Raabschen Bauchprinzips. Ob man Erfolg herbeirechnen kann, zeigt sich am 12. Mai beim ESC-Finale in Lissabon. Das Unberechenbare, das musikalische Momentum haben beim ESC immer eine Rolle gespielt. Der Hauch von Magie, der geheime Sternenstaub, der am Ende aus einem starken Lied einen Siegertitel macht, bleibt unberechenbar.

Das Ziel ist klar: Nicht Letzter werden

Andererseits: Ein starkes Lied wäre ja schon mal etwas. Nach all dem grauen, lahmen Einerlei. Sechs Kandidaten treten an – nicht mit einem Song, von dem ein müder A&R-Manager in seinem Büro den Staub gepustet hat, sondern mit sechs eigens zum ESC produzierten und genau auf die sechs Bewerber zugeschnittenen Beiträgen. Und Raab? Ist raus. Auch seine Heimatfirma Brainpool produziert die Show nicht mehr, sondern Matthias Alberti von Kimmig Entertainment. Ein letztes Echo seligerer ESC-Zeiten ist die Tatsache, dass Wolfgang Dahlheimer, Bandleader und Arrangeur der Raabschen Studioband The Heavytones, die Neulinge beriet. Drei davon haben bei „The Voice Of Germany“ Castingluft geschnuppert. Zu hören und sehen sind folgende Kandidaten:

Xavier Darcy: „Jonah“

Der 22-jährige, in Schottland geborene Sohn britisch-französischer Eltern lebt aus Gründen, die im Dunkeln bleiben, in der 2000-Seelen-Gemeinde Oberpframmern in Oberbayern. Als Kind sang er im Knabenchor der Münchener Frauenkirche, inzwischen ist er Vollzeitmusiker.

Der Song: Folkinspirierter, eher nordischer Geradeaus-Gitarrenpop. Nett, aber eben auch nur nett. Reicht das?

Xavier Darcy hat noch kein Video zu „Jonah“ veröffentlicht.

Ivy Quainoo: „House On Fire“

Quainoos Eltern stammen aus Ghana, sie selbst wuchs in Berlin-Neukölln auf. 2012 gewann sie – damals 19-jährig – die Castingshow „The Voice Of Germany“. Dann wurde es – wie es in beschönigender Milde stets zu heißen pflegt – „ruhiger“ um die Musikerin. Zwei Jahre lang studierte sie Schauspiel in New York.

Der Song: Eine unentschlossene, sphärische Ballade, die leider nie richtig in die Gänge kommt

Ryk: „You And I“

Ryk – ganz korrekt: Rick Jurthe – aus Gehrden ist der niedersächsische Lokalmatador im Feld, auch wenn der Lebensmittelpunkt des 28-Jährigen in London liegt. Er studierte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Seine glasklare, feine Stimme ist unverwechselbar – ein wichtiges Kriterium im ESC-Überangebot.

Der Song: eine cineastische, sparsam instrumentierte Elektroballade. Musikalisch komplex – aber nichts, was Sofortbegeisterung auslöst.

Michael Schulte: „You Let Me Walk Alone“

Der aus Dollerup bei Flensburg stammende 27-Jährige ist ein Kind der sozialen Medien. Bei Youtube ersang er sich eine treue Fanbasis. Mit den bigotten Cremedöschen-Influencern seiner digitalen Nachbarschaft allerdings hat er nichts zu tun. Auch Schulte war Finalist bei „The Voice Of Germany“.

Der Song: eine Glen-Hansard-artige Klavierballade mit einem Hauch von Ed Sheeran, sehr nachdenklich.

Natia Todua: „My Own Way“

2016 kam die Georgierin Natia Todua aus der kriegsgeplagten Kaukasusregion Abchasien als Aupair nach Deutschland. Ein Jahr später schon folgt ein kleines Medienmärchen: Die 21-Jährige mit der dunklen, kräftigen Stimme gewinnt bei „The Voice Of Germany“.

Der Song: klassisches ESC-Powermaterial: eine Powerballade mit ordentlich Powerorchester und Powerfrauencharme. Favoritin.

voXXclub: „I Mog Di So“

Volksmusik ist ja immer dann besonders anstrengend, wenn sie sich als „modern“ und „frisch“ bezeichnet. Die fünf Sänger von voxxclub sind mit krachledernem Jodelrock bekanntgeworden. Man wolle Volksmusik „aus der verstaubten Ecke herausholen“. Ja, Kruzifix – warum bloß? Hax’n gibt’s doch auch nicht vegetarisch. Fünf Oktoberfest-Klischeedeutsche für Europa?

Der Song: hirnzerstörender, infantiler Après-Ski-Schwachsinn, musikalisch so interessant wie ein Meniskusriss auf der blauen Piste.

Von Imre Grimm

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