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Medien Arte ehrt das Königreich des Pop
Nachrichten Medien Arte ehrt das Königreich des Pop
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06:00 13.07.2017
Sie fegten das Trallala aus dem Britpop: Die Beatles (v. l. Ringo Starr, John Lennon, Paul McCartney und George Harrison) beeinflussten mit ihren Songs von 1964 an Musiker auf der ganzen Welt. Quelle: dpa
Hannover/London

Das Wort Brexit knackst beim Sprechen wie ein trockener Ast. Der Bruch mit der Europäischen Union erscheint als britischer Bruch mit der Zukunft, das Land, das in Sachen Demokratie allen anderen Ländern Europas voranging, will wieder eine Insel für sich werden. Dieser einzigartigen Lage hat es viel zu verdanken. Auch die bunteste Popkultur der Welt.

Verspielt und wild – die schrägsten Songs kamen aus dem Königreich

Kein anderes Land hat und hatte so schräge Lieder wie „I was Kaiser Bill’s Batman“ (Whistling Jack Smith), „I’m Henery the Eighth I am“ (Herman’s Hermits) oder „In the Summertime“ (Mungo Jerry) in den Charts, und wenn es um die beiden größten und einflussreichsten Bands aller Zeiten geht, müssen unzweifelhaft die Beatles und die Rolling Stones genannt werden. Großbritannien ist Pop – verspielt und wild, faszinierend und krass - sogar seine Hochhäuser sind Pop, wie ulkige Silhouetten wie The Shard („die Scherbe“) oder 30 St. Mary Axe („die Gewürzgurke“) beweisen. Dem bunten Land in der grauen Nordsee widmet Arte seinen Fernseh-„Summer of 2017“ und nennt ihn nach dem englischsten Fast Food von allen einen „Summer of Fish’n’Chips“.

Von Freitag, 14. Juli an, geht es auf dem Kultursender sechs Wochenenden lang um englische Musik (vornehmlich), darüber hinaus um englischen Film, englische Mode, Architektur, Humor. Mit der Dokumentation „United Kingdom of Pop“ wird zu Beginn um 21.50 Uhr die „Geschichte von Europas Popnation Nr. 1“ umrissen. Hinterher dürfen Monty Python zeigen, wie fantasievoll, respektlos und grenzenlos schräg Comedy in London schon in den Sechzigerjahren war. Wobei hier freilich ein Comebackauftritt der Alt-Montys von anno 2014 auf dem Programm steht.

Sogar die Posträuber von 1963 sind Pop

Alles Mögliche ist in Artes Auswahl Britpop: Die Posträuber von 1963 ebenso (13. August, 22.20 Uhr) wie der Komiker Peter Sellers, dessen berühmteste Rolle ein Franzose war: Inspektor Clouseau (16. Juli, 23.25 Uhr). Ob ausgerechnet das Kuba-Gratiskonzert der Stones von 2016 (16. Juli 22.35 Uhr) oder der Wacken-Auftritt der Metal-Truppe Judas Priest (29. Juli. 1.20 Uhr) aufgenommen werden mussten, darüber könnte man trefflich streiten. Die mythischen Gestalten König Artus, auf dessen Wiederkehr England bis heute wartet (30. Juli, 23 Uhr) und von Robin Hood, dem vorbildhaften Streiter wider eine ungerechte Obrigkeit (30. Juli, 22.10 Uhr) dürfen nicht fehlen.

Präsentiert wird das Poppaket von einem der größten Outlaws des britischen Popbetriebs: John Lydon. Als Johnny Rotten, Sänger der Sex Pistols, schockte er 1977 das Establishment mit angriffslustigen Punksongs wie „Anarchy in the U.K.“ und „God save the Queen“. Ach ja, die Queen: auch sie ist selbstverständlich Pop. Stephen Frears‘ Film „Die Queen“ mit Helen Mirren und zwei Dokus widmen sich dem Phänomen der wieder recht beliebten, ewigen Monarchin, ein vierter Film ist dann der Band Queen gewidmet. Deren Sänger Freddie Mercury fehlt bis heute (23. und 24. Juli).

Einige dicke Fische werden vermisst

Wir vermissen natürlich auch nach Kräften einige Fische und so manchen dicken Fisch in diesem Arte-„Summer“: Sendungen über The Kinks und The Clash, T. Rex und Bay City Rollers, Slade und The Sweet. Vor allem David Bowie hätte dringend eines Specials bedurft. Und Kultserien wie „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Department S“ und „U.F.O.“ dito. Oder Miss Marple, Hercule Poirot, Agatha Christie. Letztlich muss im Arte-Sommer alles Beispiel bleiben, und man muss in thematischen Dokus wie „24 Hour Party People (21. Juli, 0.15 Uhr), „London Beat – Musik als Revolte“ (28. Juli, 22.45 Uhr) oder dem Special „Dark Glamour“ über den Aufstieg und Fall der Horrorfilmfabrik „Hammer“ (6. August, 21.55 Uhr) auf Spuren seiner Lieblinge hoffen.

Auch die Auswahl der Spielfilme zeigt naturgemäss nur einen Ausschnitt. „Yeah, Yeah Yeah“, der beste der fünf Beatles-Streifen ist dabei (11. August, 21.45 Uhr), „Peeping Tom“, der unangenehme Psychothriller, der dem deutschen Filmstar Karlheinz Böhm die Karriere knickte (6. August, 20.15 Uhr), und „Shaun of the Dead“ (6. August, 22.45 Uhr), der uns zeigte, wohin britische Zombies sofort nach ihrer Auferstehung hintaumeln – Richtung Tresen, Richtung Bierglas.

Der Rat der Beatles: „All you need is Love“

Der Brexit wird laut knacksen. Die Britkultur dagegen kann uns keinen nehmen. Wir werden weiterhin Britpop hören, britische Spielfilme und Serien ansehen, britische Literatur lesen und britische Freundschaften pflegen. Wir werden weiter nach England, Schottland, Wales und Nordirland reisen, Pints im Pub ordern und Essig in die Tüte mit Fish’n’Chips träufeln. Was immer politisch passiert, Großbritannien ist in unseren Plattenregalen, Bücherschränken, privaten Filmarchiven und Herzen. Dazu brauchen wir keine Extraeinladung. Was wir für das Miteinander brauchen, wussten die Beatles vor exakt 50 Jahren, damals, als das Kingdom noch gar nicht in der Europäischen Union war: „All you need is Love“, sangen sie, und dann noch mal andersherum „Love is all you need“.

Von Matthias Halbig / RND

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