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Medien Der härteste kalte Krieger
Nachrichten Medien Der härteste kalte Krieger
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07:15 04.06.2018
Edmund Stoiber, CSU und Mitglied des Präsidiums des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums. Quelle: imago/photothek
Berlin

Sind es nun ganz normale Spiele oder ist es Putins Propaganda-WM musste sich illustre Runde von Kennern fragen lassen. Mit dabei: Ex-Profi Arne Friedrich, Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms, CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber und Linken-Ikone Gregor Gysi.

Anpfiff. Die Spieler tasten sich ab. Ex-Profi Friedrich erzählt Anekdötchen aus der Umkleide und sagt, dass die Spieler immer sehr stolz sind, wenn die Kanzlerin auf der Tribüne sitzt. Grünen-Politikerin Harms hält dagegen mit dem Fall Skripal, der Annexion der Krim durch die Russen und deren Beteiligung im Krieg in der Ostukraine. „Die Hochkaräter der Politik sollten Putin nicht die Ehre eines Stadionsbesuchs erweisen“, findet sie. Es würde viel legitimieren, was er zu verantworten hat.

1 : 1

Harms fordert, dass Politiker jetzt nach Russland reisen sollten, um beispielsweise Regimekritiker zu besuchen. „Wenn man das mit Spielbesuchen verbindet, wäre das für mich okay. Ich glaube, das würden auch die Spieler verstehen.“ Friedrich nickt: „Der Fußball hat große Verantwortung.“ Tor für Harms.

1 : 2

Fußballexperten Stoiber läuft sich warm. Er können die Gründe von Theresa May, nicht nach Russland zu fahren, nachvollziehen. „Ich weiß aber nicht, was das bringen soll. Das ist reine Symbolpolitik. Was der Sport bewegen kann, haben die koreanischen Teams bei den olympischen Winterspielen im Februar gezeigt.“ Stoiber netzt ein.

2 : 2

Konter Harms: „Diplomatie braucht die WM-Tribüne nicht, die Tribüne ist nur für Putin wichtig. Er will nach innen zeigen, wie mächtig er ist.“ Der hat gesessen.

2 : 3

Eigentlich ist Arne Friedrich nett. Jetzt aber begehrt er auf. Die Weltmeisterschaft sei die Tribüne der Sportler, nicht der Politiker. „Es ist nicht Putins WM, sie gehört den Menschen.“ Gut gebrüllt, Arne! Ausgleich.

3 : 3

Norbert Röttgen will gar nicht mitspielen, sondern Schiedsrichter sein. Im Prinzip sei er ja schon ungefähr sein ganzes politisches Leben der Meinung von Rebecca Harms, aber sorry, heute müsse er widersprechen. „Sport sollte nicht Teil des Sanktions-Instrumentariums sein“, doziert der Christdemokrat und schaut aus, als ob er über eine gelbe Karte für Harms nachdenken. „Am Ende hilft ein Boykott Putin.“

Was ist denn mit dem Gysi los. Erst greift er ziemlich spät ein, dann gibt er sich zunächst wie Röttgens Linienrichter. „Ich bin sowieso gegen zu viele Dienstreisen, die gehen ja immer zu Kosten der Steuerzahler“, hebt er an. „Aber Führungspolitiker sollten hinfahren. Wir sind doch angewiesen auf Russland.“ Halbzeit-Pfiff.

Mit dem Unentschieden geht es in die Kabine

Stoiber ist wieder als erster auf dem Platz. Er bebt. Der muss sich was angehört haben. Anpfiff. „Wir müssen umdenken“, fordert der Bayer. „Putin hat uns in den 1990-ern unendlich viel Hoffnung gemacht. Wir hatten gemeinsam viel vor. Jetzt sagt er seinen Leuten, der Westen hat uns über den Tisch gezogen. Obama hat Russland 2014 als Regionalmacht bezeichnet.“ Das alles sitze tief und schmerze.

Jetzt rennt Stoiber auf den gegnerischen Strafraum zu. „Ich war der härteste kalte Krieger an der Seite von Franz Josef Strauß. Ich denke jetzt komplett anders, diese Entspannungspolitik war das Richtige. Wir müssen da mehr tun.“ Drin!

4 : 3

Kalter Krieg? Den könnt ihr haben. Auch Gregor Gysi schnappt sich jetzt die Pille. „Der Putin“, dribbelt er dem Stoiber nach, „kam in den Bundestag und hat Angebote gemacht, und der Westen konnte nicht aufhören zu siegen.“ Rebecca Harms versucht, ihm das Leder abzulaufen. Sie erinnert an den ARD-Journalisten Hajo Seppelt, dem wegen seiner Dopingrecherchen die Einreise verweigert werden sollte, den Abschuss von MH-17 - mutmaßlich durch eine russische Rakete.

Doch Gysi kann den Ball behaupten. „Während des Kriegs in Jugoslawien haben Sie geschwiegen. Nur bei Russland reagieren sie so allergisch. Das nervt mich ein bisschen, Frau Harms.“ Rumms.

5 : 3

Die Grüne geht zum Mittelkreis. Anstoß. Sofort Konter. „Ich bin Frau Merkel außerordentlich dankbar, dass sie zu den Sanktionen gegen Russland steht. Ich liebe Russland, aber ich bin eine hartnäckige Putin-Kritikerin. Wir müssen denjenigen Mut machen, die unter Putin leiden.“ Der Ball ist hinter der Linie.

5 : 4

Kurz vor Schluss kommt eine Phase des allseitigen Verständnisses. Wollen die sich auf ein Remis einigen? Friedrich sagt, es sei wichtig, den Spieler die politische Situation im WM-Land, aber auch den Staaten der Kontrahenten zu erklären. „Politisch hat der Sport eine Riesenverantwortung, Fußballer sind Vorbilder und haben viel Power, auch Zeichen nach außen zu setzen.“ Röttgen holt den Spieler zu sich und erklärt: „Spieler sollten sich auf den Sport konzentrieren, sie sind keine Politiker und Diplomaten.“ Aha.

Edmund Stoiber rennt los. Ohne Ball. „Gehen wir mit den gleichen Maßstab an alle Länder ran? Ich denke dabei an China.“ Niemand antwortet. Er läuft ins Leere.

Da war keine Abwehr

Harms hat sich durch die gegnerischen Reihen geschmuggelt. Jetzt schlägt sie noch einmal zu: „Es sind Putins Spiele, mit ihnen will er nach innen all seine Schwächen überspielen. Von uns sollte ihn niemand dabei unterstützen.“ Der Ball trudelt über die Torlinie. Da war keine Abwehr. Harms kann noch einmal ausgleichen.

5 : 5

Stoiber kann es nicht glauben. Er reißt dem Röttgen, der eigentlich schon abpfeifen wollte, den Ball aus dem Arm. Er umspielt Harms in einer für ihn typischen weiten Kurve, dann zieht er ab: „Der russische Fußball wird bei dieser WM keine Rolle spielen, der ist weit unter internationalem Niveau. Frau Harms, und Sie tun so, als würde Putin da als Mittelstürmer der russischen Mannschaft auftreten.“ Toooor!

6 : 5

Der Torschrei weckt die Moderatorin. Wie gut ist sie eigentlich, die russische Mannschaft, fragt Anne Will den Ex-Profi in der Runde. Arne Friedrich antwortet lieb: „Russland hat Außenseiterchancen.“ Abpfiff!

Von Thoralf Cleven/RND

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