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Kultur Wim Wenders präsentiert Papst-Doku in Cannes
Nachrichten Kultur Wim Wenders präsentiert Papst-Doku in Cannes
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21:46 13.05.2018
Regisseur Wim Wenders feierte in Cannes die Premiere seiner Papst-Doku. Quelle: dpa
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Cannes

Wie viele seiner Werke er schon in Cannes präsentiert hat? Das weiß Wim Wenders nicht mehr so genau. 14 oder 15? Mit „Paris - Texas“ gewann er 1984 die Goldene Palme. „Und doch ist dieser Film für mich etwas Besonderes“, hat er im Gespräch vor der Premiere seiner außer Konkurrenz gezeigten Dokumentation über Papst Franziskus gesagt. „Dieser Film ist die Antithese zu allem, was sonst in Cannes passiert - ein Film, der sagt, dass wir weniger besitzen sollten.

Vor fünf Jahren flatterte ein Brief aus dem Vatikan herein: ob Wenders einen Film über den Papst drehen wolle. Warum wurde gerade er ausgesucht? „Das habe ich nicht gefragt.“ Immerhin: In „Der Himmel über Berlin“ hat Wenders schon mal von einem Engel erzählt, der Mensch werden wollte. Und die Bedingungen des Vatikans? „Ich hatte Carte blanche.“

In „Ein Mann seines Wortes“ spricht der Papst weniger über Gott und die Welt als über die Welt und Gott. Direkt in die Kamera schaut Franziskus dank einer besonderen Technik, einer Art umgekehrten Teleprompter. Jeder soll sich angesprochen fühlen. Seine Worte sind glasklar: Er kritisiert unseren zerstörerischen Umgang mit der Natur, den mörderischen Kapitalismus, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich.

Vier Nachmittage hat Wenders den Papst interviewt. Ergänzt hat er die Gespräche durch Bilder aus dem Archiv des Vatikans. Zudem streut er Szenen mit einem Franz-von-Assisi-Darsteller ein, gedreht mit einer uralten Kurbelkamera. Franziskus hat sich als erster Papst überhaupt nach dem Mann benannt, der sich vor 800 Jahren daran machte, die Kirche von innen heraus zu erneuern.

Man versteht, dass Wim Wenders diesem charismatischen Papst verfallen ist. Doch die Sympathie hat Folgen: Jede kritische Distanz fehlt.

Vom Menschenfreund Franziskus zum Grantler Jean-Luc Godard, ein gewaltiger Sprung: Verzweifelt Godard an der Menschheit? Spottet er über sie? Oder rührt da ein irrer Alter in „Le livre d’Image“ einen digitalen Bilderbrei an, vor dem er sich selbst ekelt? Spielfilmszenen und Dokumentarbilder, YouTube-Schnipsel: Alles wird vermengt. Der 87-jährige Godard experimentiert wie ein wagemutiger Junger. Die Legende der Nouvelle Vague lebt - und raunt von Bomben und Revolution.

Explosionen, Erschießungskommandos, Isis-Propaganda: Krieg der Bilder, Bilder des Krieges. Man ergibt sich diesem Bewusstseinssturm und hofft auf Erkenntnisblitze, wenn es mal konkret um Europa oder die Arabische Welt geht.

Die Sphinx vom Genfer See blieb Cannes wieder mal fern, legte aber einen kurzen Überraschungsauftritt hin: Über Facetime ließ er sich mit seiner eigenen Pressekonferenz verbinden Viel schöner kriegt der weise Meister Yoda das auch nicht hin, wenn er in „Star Wars“ als Hologramm auftaucht. Präsent ist Godard sowieso: Das Festivalplakat ist seinem Film „Pierrot le Fou“ (Elf Uhr nachts) entnommen. Ein Mann (Jean-Paul Belmondo) und eine Frau (Anna Karina) küssen sich. 1965 wollte Godard noch verstanden werden.

Vermisst wurde am Wochenende auch der im Iran drangsalierte Jafar Panahi (Berlinale-Sieger mit „Taxi Teheran“) - so wie ein paar Tage zuvor schon der Russe Kirill Serebrennikov. Panahis Bewegungsspielraum ist aber offenbar gewachsen, so lange er nicht aus dem Iran ausreisen will: In „3 Visages“ unternimmt er eine Landpartie.

Zusammen mit der im Iran berühmten Schauspielerin Behnaz Jafari ist er auf einer Rettungsmission. Behnaz bekam ein Selbstmordvideo auf ihrem Handy zugespielt. Eine junge Frau ist darauf zu sehen, die sich in einer Höhle augenscheinlich zu erhängen versucht. Panahi und Behnaz - beide spielen sich selbst - fürchten das Schlimmste.

Es geht dann nicht um Leben und Tod, aber ein verzweifelter Hilferuf steckt doch hinter dem Video: Die Familie hatte der jungen Frau verboten, die Schauspielschule zu besuchen. Und auch sonst liegt in der von den engstirnigen Männern dominierten Bergwelt einiges im Argen.

„Frauen können das besser“

An keiner Stelle aber spielt Panahi den Besserwisser. Das Aufeinandertreffen erinnert an die Begegnung zweier überaus liebenswürdiger Alien-Stämme. Viel Tee wird getrunken, Höflichkeiten werden ausgetauscht. Zwischendurch streut Panahi politische Spitzen ein - sogar über das Berufsverbot, das gegen ihn verhängt wurde. Im Zweifelsfall lässt er seiner Begleiterin den Vortritt: „Frauen können das besser.“ Im Schlussbild dieses humorvollen Films werden Kühe auf einer schmalen Bergstraße zur Besamung in die eine Richtung transportiert, zwei Frauen laufen entschlossen in die entgegengesetzte.

So lässt sich „3 Visages“ als Aufforderung verstehen, dass Frauen ihren Weg gehen sollen. Egal wo: In Cannes sind 82 Frauen, angeführt von Jury-Präsidentin Cate Blanchett und der beinahe 90-jährigen Agnes Varda, die rote Treppe zum Festivalpalais hinaufgestiegen. Auf halber Höhe legten sie schweigend einen Stopp ein - eine symbolische Geste dafür, dass es bei diesem Festival nicht so weitergehen kann: 82 Regisseurinnen haben seit 1946 die Treppe erklimmen dürfen. 1688 Regisseure wurden gezählt.

Von Stefan Stosch/RND

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