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Kultur Weshalb Wonder Woman als Feministin taugt
Nachrichten Kultur Weshalb Wonder Woman als Feministin taugt
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12:57 21.06.2018
Neues Bild vom Set von „Wonder Woman 1984“. Quelle: Warner
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Berlin

Die Schauspielerin Gal Gadot hat soeben das erste Foto von den Dreharbeiten zu „Wonder Woman 2“ getwittert. Dieser Film wird von Comicfans sehnsüchtig erwartet und setzt zugleich Maßstäbe: Er ist der erste Film, der unter neuen Anti-Sexismus-Richtlinien gedreht wird. Als Folge der #MeToo-Debatte hat die Producer’s Guild of America Empfehlungen veröffentlicht, die zum Beispiel vorsehen, dass die Produktionen ein Anti-Belästigungs-Training und Melderoutinen über verschiedene Kanäle anbieten.

Branchenbeobachter verstehen es als Symbol, dass ausgerechnet bei der Fortsetzung von „Wonder Woman“ Pionierarbeit geleistet wird. Denn dessen ehemaliger Produzent und Sponsor, Brett Ratner, gehört zu jenen mächtigen Hollywood-Männern, denen von einer Reihe von Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Am Set wird offenbar auch jenseits der Richtlinien auf Geschlechtergerechtigkeit geachtet: Die Hälfte der sechs Produzenten sind weiblich. Patty Jenkins führt erneut Regie und schrieb auch am Drehbuch mit.

Wonder Woman, Amazone in knapper Metallrüstung – eine Vorreiterin für Frauenrechte? Verkörpert sie nicht eher feuchte Macho-Phantasien? Doch schaut man sich den ersten Film aus dem Jahr 2017 noch einmal an, wirkt er wie eine Vorlage für eine Genderstudie. Es handelt sich zunächst einmal um den ersten Solokinofilm einer Superheldin seit dem 2005-Flop „Elektra“. Black Widow und Co. traten meist nur im Team auf. Ihre männlichen Kollegen Spider-Man, Batman und Iron Man retten die Welt dagegen im Alleingang.

Hintergrundinfos

Der neue Film „Wonder Woman 1984“ springt in der Zeit nach vorne in den Achtzigerjahre. Er soll Ende 2019 in die Kinos kommen. Bereits bekannt ist, dass DC-Superheldin darin auf eine neue Gegnerin trifft, Kristen Wiigals Cheetah. TV-Serien wie „Supergirl“ haben gezeigt, dass Superheldinnen die Massen begeistern können. „Jessica Jones“, toughe Privatdetektivin mit Superkräften, ist seit 2015 der interessanteste Charakter aus der Netflix-Superheldensaga „The Defenders“.

Wonder Woman braucht nur ihr Lasso als Hilfe. Sie ist eine Tochter der Amazonen – eines mutigen Kriegervolks, das nicht ins Rollenstereotyp passt. Weil sie alle Sprachen beherrschen, werden die Kriegerinnen im Film gar als „Brücke zu einem tieferen Verständnis der Menschheit“ beschrieben.

Wenn Wonder Woman im ersten Film von einer allein von Frauen bewohnten Insel in die patriarchal geprägte Welt reist, sieht der Zuschauer die Absurditäten dieser Ordnung durch ihre Augen. Symptomatisch dafür ist die herrliche Umkleideszene, in der Wonder Woman ausgehfertig für die Menschenwelt gemacht werden soll. Als sie in ein Rüschenkleid gesteckt wird, geht sie undamenhaft in die Knie, streckt die Extremitäten aus und beklagt mangelnde Beinfreiheit. „Wie kann eine Frau nur darin kämpfen?“, fragt sie. Und die Antwort klingt mit: gar nicht. Auch ihre Bemerkung über das Arbeitsverhältnis ihres Begleiters und seiner Assistentin („Bei uns nennt man das Sklaverei“) ist von Weitsicht und Witz geprägt.

Wonder Woman: Im knappen Kostüm jenseits von Konventionen. Quelle: Warner Bros. Entertainment

Natürlich – sämtliche Amazonen sind in diesem Film trainiert und gertenschlank, die Rüstung betont den Busen, der wohlgeformte Oberschenkel blitzt unter dem geschlitzten Beinkleid durch, und Hauptdarstellerin Gal Gadot ist ein Model.

Doch bei allen Betonungen von Äußerlichkeiten steht Wonder Woman dennoch über den althergebrachten Geschlechterverhältnissen: Als sie mit einem jungen Soldaten in einem Boot auf hoher See übernachten muss, macht sie sich über ihn lustig, weil er sich zunächst nicht traut, auf engem Raum neben ihr zu schlafen. Während er in Konventionen gefangen ist, springt sie anmutig drüber. Die Szene endet mit ihrer Bemerkung, sie habe alle zwölf Bände eines Standardwerkes über Sex gelesen. Die Autorin sei zu dem Fazit gekommen, dass Männer zwar für die Fortpflanzung notwendig, für die Befriedigung aber verzichtbar seien. Die Comic-Amazone dient am Ende als Vorbild für Feministinnen.

Von Nina May/RND

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